Virtual Photography

Zuletzt geändert: 2. November 2022
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Vorbemerkung

Das The­ma Vir­tu­al Pho­to­gra­phy, oder auch In-Game oder kurz Game Pho­to­gra­phy fin­de ich als alter Zocker und Foto­graf ziem­lich span­nend. Die Mög­lich­keit zum Bei­spiel ein­fach Screen­shots von einem Film machen exis­tiert ja schon lan­ge, aber mit dem fort­schrei­ten der Tech­nik ist ein eigen­stän­di­ges Gen­re ent­stan­den, das sich noch einen Platz in der Welt sucht. Da drängt sich natür­lich sofort die Fra­ge auf ob das über­haupt Foto­gra­fie ist, und ob man das über­haupt darf, weil es sich ja bei einem Com­pu­ter­spiel qua­si um das Kunst­werk eines ande­ren han­delt. Dar­über möch­te ich im Fol­gen­den ein wenig reflektieren. 

Traditionell versus Virtuell

Foto­gra­fie unter ande­rem eine Kunst der Beob­ach­tung. Es geht dar­um, etwas Inter­es­san­tes an einem gewöhn­li­chen Ort zu fin­den … Foto­gra­fie hat wenig mit den Din­gen zu tun, die wir sehen — und alles mit der Art, wie wir sie sehen … 

Elliott Erwitt

… und das ist imho unab­hän­gig davon ob der Ort — das was ich wahr­neh­me (oder enger gefasst: sehe) — real oder vir­tu­ell ist. Foto­gra­fie hat neben dem dezent irri­gen Anspruch die Wirk­lich­keit ab zu bil­den, schon immer genau das Gegen­teil getan: Neue Wel­ten erschaf­fen und Sicht­wei­sen und Inter­pre­ta­tio­nen gelie­fert. Es geht in der Foto­gra­fie schlicht erst­mal nur dar­um etwas visu­ell ab zu bil­den, was das Inter­es­se des Betrach­ters weckt. Wenn es gut läuft hab ich ein span­nen­des Foto, erzäh­le eine Geschich­te und löse Asso­zia­tio­nen im Betrach­ter aus. Wie ich letzt­lich zu dem Foto kom­me soll­te dabei gleich­gül­tig sein. 

Drau­ßen in der rea­len Welt foto­gra­fie­re ich Din­ge die ich nicht selbst erschaf­fen habe — sei es die Natur, die Archi­tek­tur oder irgend­wel­che Gegen­stän­de. Film, oder Foto­gra­fie geht ja immer über die rei­ne Abbil­dung hin­aus. Ich sehe da kei­nen Unter­schied zur tra­di­tio­nel­len Foto­gra­fie, und auch kei­ne neu­en Kon­flikt­fel­der. Die Wel­ten­bau­er selbst for­dern die Spie­ler mitt­ler­wei­le regel­recht dazu auf ihre Wel­ten zu erfor­schen, zu foto­gra­fie­ren und zu Fil­men, in dem sie ent­spre­chen­de vir­tu­el­le Kame­ras ins Spiel ein­bau­en. Dabei gehen eini­ge so weit, das man auch Para­me­ter der Umwelt wie Licht und Wet­ter frei ein­stel­len, und die Figu­ren pos­sie­ren las­sen kann (sofern man sowas mag) — die vir­tu­el­le Welt als Fotostudio. 

Alles nur ein Spiel

Beson­ders gut eig­nen sich open World Spie­le, die eh schon zum frei­en Erkun­den ein­la­den, und von den Erstel­lern lie­be­voll mit aller­lei Details aus­ge­stat­tet wer­den. Eine Son­der­stel­lung neh­men dabei gene­ra­tiv erzeu­ge Wel­ten ein — wie zum Bei­speil No Mans Sky, weil sich dort wie im rich­ti­gen Leben unge­plan­te über­ra­schen­de Per­spek­ti­ven auf­tun. Alle Spie­le haben aber eines gemein­sam: Man muss sie spie­len um zu sei­nen Fotos zu kommen. 

Darüber und hinaus

Aber auch jen­seits der Spie­le gehört die vir­tu­el­le Foto­gra­fie mitt­ler­wei­le zum All­tag. In der Pro­dukt­fo­to­gra­fie ersetzt der vir­tu­el­le Raum schon jetzt häu­fig das Foto und Film­stu­dio. Durch VR ver­schmel­zen rea­ler und vir­tu­el­ler Raum, in dem der eine in den ande­ren ein­ge­bun­den wird. Immer leis­tungs­fä­hi­ge­re Com­pu­ter ermög­li­chen eine gro­ße Band­brei­te von sehr rea­lis­tisch aus­se­hen­den Dar­stel­lun­gen, bis hin zu sehr krea­ti­ven, phan­tas­ti­schen Aus­le­gun­gen unse­rer Rea­li­tät. Das beob­ach­ten wir täg­lich in Kino und Fern­se­hen — mehr in den Fil­men, als in den all­seits läs­ti­gen, unge­lieb­ten Wer­be­pau­sen, denn nie­mand schaut Wer­bung — dabei fei­ert die­ses Gen­re gera­de dort, in der Pro­dukt­fo­to­gra­fie gro­ße Erfol­ge, und fin­det immer mehr Verbreitung. 

Ob wir das gut oder schlecht fin­den, ob wir wol­len oder nicht, der vir­tu­el­le Raum ist bereits all­ge­gen­wär­tig, und er erobert sich immer neue Spielwiesen. 

wird fortgesetzt … 

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