SchlagwortCovid19

Der Corona Effekt

Da ist sie nun, unsere gesellschaftliche Stunde null. Keine spek­takuläre, gigan­tis­che Kli­makatas­tro­phe, kein Mete­oritenein­schlag, son­dern ein kleines, stilles, fieses Virus namens #Coro­na, das der Lunge zuset­zt und #Covid19 verur­sacht. Es schle­icht sich ein, ent­fal­tet sich zur #Pan­demie, zwingt unsere Sys­teme in die Knie, und hat eine aus­gewach­sene Wirtschaft­skrise im Schlepp­tau. Es drängt uns allen plöt­zlich lästige, unbe­queme Hand­lungsweisen auf, die uns so gar nicht in unsere alltäglichen Gewohn­heit­en passen: Sich ein­schränken, zu Hause bleiben, Rück­sicht nehmen, Verzicht üben.

Was jet­zt passiert, entspricht nicht den Klis­chees, die wir aus all den dystopis­chen Serien und Fil­men ken­nen. Statt Zom­bie-Apoka­lypse und helden­haftem Dra­ma, gibt es Klopa­pier­man­gel (sowas wie #Klopa­pier­gate auf Twit­ter kann man sich echt nicht aus­denken), Heimar­beit, und sog­ar die eine oder andere Coro­na Virus Par­tie — Ster­ben tun ja nur die anderen.

Das Virus legt die Schwächen unser­er Lebensweise drastis­ch­er bloß, als es die ver­gle­ich­sweise behäbige Kli­makrise ver­mag. Alles ist dem Kap­i­tal unter­ge­ord­net, so einiges beruht auf Aus­beu­tung. Betrieb­s­gewinn geht vor Gesund­heit, und so weit­er. Nicht wenige Men­schen feiern ihre Igno­ranz, und ihren Ego­is­mus. Mit Lügen, sachzwan­gre­duzierten Ehrlichkeit­en, Beschwich­ti­gun­gen und Mar­ket­ing kommt man auf ein­mal nicht mehr weit­er. Aus abstrak­ten Kon­sumenten, Human Ressources und Kosten­fak­toren wer­den auf ein­mal Men­schen. Das Virus zwingt auch das Führungsper­son­al Farbe zu beken­nen. Wahrheit und Fak­ten, ent­lar­ven Fak­e­news. Lügen bekom­men wieder kurze Beine in diesen Tagen. In Beruf­s­grup­pen wo Unter­bezahlung und Über­be­las­tung herrschen, wird auf ein­mal eine Sys­tem­rel­e­vanz fest­gestellt, was bish­er für sys­tem­rel­e­vant und wichtig gehal­ten wurde ver­liert an Bedeu­tung.

Ich höre in den let­zten Tagen öfter “Wir befind­en uns jet­zt im Krieg”… ich halte diese Aus­sage für kom­plett falsch — aber halt auch typ­isch für unser idi­o­tis­ches Selb­stver­ständ­nis. Die Natur fordert uns auf, endlich mal auf das zu hören , was sie uns schon die ganze Zeit dezent mit zu teilen ver­sucht: “Lieber Homo sapi­ens, benutz doch bitte endlich mal dein Hirn, statt es nur auf dem Kopf spazieren zu tra­gen, und alles um dich herum — und let­ztlich dich selb­st — kaputt zu machen. So wie bish­er geht es nicht weit­er. Das Ende der Fah­nen­stange ist in Sicht.”

Coro­na führt uns vor Augen, wie frag­il all das ist, was wir uns erschaf­fen haben. Es zeigt uns, welchen Platz wir — als selb­st ernan­nte Kro­ne der Schöp­fung — auf diesem Plan­eten wirk­lich haben: Wir sind darin einge­bet­tet, und ein Teil davon, nicht weniger aber auch nicht mehr. Es wird Zeit ein zu sehen und zu zu geben: Dieses “Macht euch die Erde untertan”-Ding war ein großer Irrtum, das haben wir falsch ver­standen — oder woll­ten es falsch ver­ste­hen. Wir waren arro­gant, selb­st­ge­fäl­lig, und geil nach Macht und Geld. Sor­ry du, Welt. Wir lassen das jet­zt mal mit Ego­is­mus, Aus­beu­tung und Zer­störung, und ver­suchen es mit Ver­nun­ft, Nach­haltigkeit, Respekt, Fair­ness, Beschei­den­heit, Sol­i­dar­ität… vielle­icht sog­ar …Welt­frieden? Im Kleinen klappt das ja hier und da schon recht gut. Wir stellen das Wohl aller Men­schen, und damit auch das der Umwelt in den Mit­telpunkt unseres Han­delns. Geld wird wieder Mit­tel zum Zweck statt Selb­stzweck. Glob­al­isierung ver­ste­hen wir so, das wir alle zusam­me­nar­beit­en um die Prob­leme dieser Welt endlich mal gemein­sam zu lösen, und alle zu Gewin­nern zu machen. Das ist mehr als über­fäl­lig, denn schließlich sitzen wir ja alle im sel­ben Boot. Ja, voll kitschig und welt­fremd, aber schön wärs schon wenns langsam wenig­stens irgend­wie grob in die Rich­tung gehen würde.

Die Natur zwingt uns ger­ade Farbe zu beken­nen, und ehrlich hin zu guck­en, was war gut, und was darf/muß geän­dert wer­den. Wird ein #Umdenken und #Umlenken ein­set­zen? Wer­den wir die Chance nutzen, und unsere Lebensweise, und unseren Umgang mit der uns umgeben­den Welt endlich mal über­denken und neu justieren? Ich weiß, wir sind hier nicht bei “wün­sch dir was” — son­dern bei “das ist so, wie es ist”, aber ich hoffe, und wün­sche mir das trotz­dem — wir sind es den Opfern eigentlich schuldig, und der näch­sten Gen­er­a­tion sowieso, aber da der Men­sch gerne ver­drängt, wird es sich­er schon bald so weit­er gehen wie gehabt, so lange es halt geht.


Bleibt alle gesund, und passt auf euch auf — Carsten
Ps. Fotografie — “Im Shure Sum­mer Is Com­ing” — Carsten Nichte

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