Wie aus den USA eine Autokratie wird

Vorwort

Wir können gerade in Echtzeit verfolgen wie eine der großen Demokratien der Gegenwart demontiert wird.

…und sie sind alle wieder mit dabei, die Rückgratlosen, die Opportunisten, die Gläubigen, die Naiven, die “Patrioten”, die Glücksritter, die Karrieristen, die Fanatiker, wie es sie in jeder Generation gibt. Wie es dazu kommen konnte, wäre natürlich ziemlich interessant zu wissen. Ich versuche aber erst mal die Gegenwart zu betrachten, ein wenig in die Vergangenheit zu schauen, und in die nahe Zukunft. Also los…

Die Abrissbirne

Trump tritt als leidlich gebildeter Mensch auf, mit einem unsäglich, auf planetare Größe aufgeblasenen Ego – vermutlich ist das noch weit untertrieben. Es geht ihm – wie er immer wieder zeigt, nur um sich selber, seine Macht, sein Geld, und dass er überall als der größte und beste erscheint. Nie lagen Wunsch und Wirklichkeit so offensichtlich für die ganze Welt weiter auseinander. Er ist die Inkarnation des Märchens von Des Kaisers neue Kleiderexternal link - nur halt in Perfektion. Der Mann ist eigentlich ein Witz - aber ein erst zu nehmender.

Es ist erstaunlich wie nachsichtig der Amerikanische Staat und die Justiz mit Trump umgeht. Jair Bolsonaro wurde im September 2025 vom Obersten Gerichtshof Brasiliens zu ca 27 Jahren Haft verurteilt, weil er einen Putsch gegen die Demokratie plante, um nach seiner Wahlniederlage 2022 an der Macht zu bleiben. Aktuell sitzt er unter Hausarrest und hat aufgrund seines Alters sowie gesundheitlicher Probleme möglicherweise Anspruch auf Hausarrest statt Haft. Seine Verbannung aus politischen Ämtern bis 2060 bleibt bestehen, was seine politische Karriere de facto beendet. Man könnte behaupten, dass sich Bolsonaro von den Ereignissen 6. Januar 2021 - dem Sturm der MAGA Anhänger auf das US-Kapitol - ermutigt fühlte, dasselbe zu tun wie Trump - und das am am 8. Januar 2023 auch durchzog.

Trump hat also quasi zeitlich vorher die Vorlage geliefert, und wird trotz allem wieder Präsident. Dazu kommen noch unzählige Grenzüberschreitungen aller Art, die ihn normalerweise von jeder Art seriösem öffentlichem Amt disqualifizieren würde.

  1. Hush-Money-Fall (New York)
    • Strafrechtlich (34 Anklagepunkte)
    • Fälschung von Geschäftsunterlagen im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an Stormy Daniels (zur Beeinflussung der Wahl 2016).
    • Schuldig in allen 34 Punkten durch Jury.
    • Unbedingte Entlassung (keine Haft, keine Bewährung, keine Geldstrafe); bleibt strafrechtlich vorbestraft. Berufung läuft.
    • Verurteilung - 30. Mai 2024, Strafe - 10. Januar 2025
  2. Defamation-Fall gegen E. Jean Carroll (New York)
    • Zivilrechtlich
    • Verleumdung durch Leugnung einer sexuellen Übergriffs-Vorwürfs aus den 1990er Jahren.
    • Haftung festgestellt; Schadensersatz zugesprochen.
    • 83,3 Millionen US-Dollar (erster Teil); plus 5 Millionen US-Dollar im Folgefall (2023). Trump hat Berufung eingelegt.
  3. Jan. 6-Fall (DC)
    • Strafrechtlich (Wahlbeeinflussung)
    • Pausiert (Immunität); potenziell eingestellt
    • Special Counsel Smith - Fall “ausreichend Beweise”, aber Präsident schützt.
  4. Georgien-Wahl (RICO)
    • Strafrechtlich (Verschwörung)
    • Pausiert (Willis disqualifiziert, Dez. 2024); unklar
    • Könnte neu starten, aber Immunität blockt.
  5. Classified Documents (FL)
    • Strafrechtlich (Geheimnisse)
    • Eingestellt (Nov. 2024); gegen Mitarbeiter läuft
    • Cannon - Smiths Ernennung verfassungswidrig.
  6. Steuerbetrug-Fall Trump Organization (New York)
    • Strafrechtlich (17 Anklagepunkte)
    • Steuerhinterziehung, Fälschung von Geschäftsunterlagen und Versicherungsbetrug durch Executives (inkl. Allen Weisselberg als CFO).
    • Trump Organization schuldig in 17 Punkten; Weisselberg schuldig. Donald Trump Jr. und Eric Trump als Executives angeklagt, aber nicht persönlich verurteilt.
    • 1,6 Millionen US-Dollar Strafe für das Unternehmen; Weisselberg - 5 Monate Haft (2022).
  7. Zivilbetrugsfall NY AG (New York)
    • Zivilrechtlich
    • Systematischer Betrug durch Überbewertung von Assets, um Kredite und Versicherungen zu täuschen. Angeklagt - Trump, Donald Trump Jr., Eric Trump, Ivanka Trump und das Unternehmen.

Man kann es nicht oft genug betonen: Wir schreiben das Jahr 2017. Die Eric Trump Foundation und die Trump Organization klauen im großen Stil Spenden für krebskranke Kinderexternal link aus der Stiftung St. Jude Children’s Research Hospital. Schäbiger und niederträchtiger gehts kaum noch.

Und dann ist da natürlich der Fall Jeffrey Epsteinexternal link , der an Trump klebt wie eine Klette, bei dem er Himmel und Hölle in Bewegung setzt, damit ja nichts davon ans Licht kommt. Die Epstein Files sind sein Kryptonit. Es ist schon erstaunlich wie weit seine Regierung geht, um prominente Sexualstraftäter zu schützen, die Kinder vergewaltigt und missbraucht haben. Man fragt sich unweigerlich - wie belastend ist das Material für ihn persönlich, und ob er bereit ist zur Vertuschung die Welt nieder zu brennen. Die Antwort darauf lautet: Ja, na klar, 100%.

Warum er so gut als Abrissbirne geeignet ist, erkennt man, wenn man dem Mann zuhört und zuschaut:

  • Grandiosität & Anspruchsdenken - Er hat ein maximal übersteigertes Gefühl der eigenen Wichtigkeit, und Einzigartigkeit. Das macht ihn manipulierbar.
  • Mangel an Empathie & Skrupellosigkeit - Er scheint unfähig zu sein, sich in andere hineinzuversetzen.
  • Aggression & Feindseligkeit - Er scheint extrem nachtragend, wenn nicht gar rachsüchtig zu sein.
  • Antisoziales Verhalten - Er missachtet Gesetze, Normen und Rechte; Lügt, Betrügt und Manipuliert.
  • Paranoia & Misstrauen - Aus ihm spricht nicht selten Angst, als ob er sich von Feinden umgeben sieht.
  • Machtstreben & Kontrolle - Er offenbart einen zwanghafter Drang, Macht und Kontrolle über andere erlangen und auszuüben zu wollen.
  • und so weiter…

Man könnte sagen - Mit Trump hat man einen Gauner zum Präsidenten gewählt - zwei mal. Faszinierend. Der Begriff Gauner klingt dabei aber fast zu wohlwollend / verharmlosend. Trump ist nur ein Symptom für viel tiefer liegende Probleme. Er steht nicht alleine, sondern ist Teil eines Systems.

Die Religion

Eine besonders große Rolle in der ganzen Geschichte spielen die christlichen Fundamentalisten in den USA, auch wenn die in unseren Medien nicht sehr prominent vertreten sind. Der christliche religiöse Fanatismus / Fundamentalismus / Nationalismus war schon immer in den USA vorhanden. Er kam in der Gründerzeit mit den Auswanderern aus Europa, und ist bis heute nicht nur existent – sondern brandaktuell und gefährlich, weil er mit dem Populismus verschmilzt. Er hat damals die Indigenen Völker (Native Americans) fast ausgerottet. Gruppen wie die Puritaner, die sich in Neuengland niederließen, strebten nach einer streng religiösen, theokratisch geprägten Gesellschaft. Stichworte: Massachusetts Bay Colonyexternal link , John Winthropexternal link , City upon a Hillexternal link .

Bis heute versuchen die Fundamentalisten die Demokratie zu schwächen oder abzuschaffen und durch so eine Art Theokratie-Light oder Christofascismus – abzulösen, denn Demokratie ist woker , links-faschistischer , sozialistischer bullshit, kurz - nicht göttlich, Teufelszeug - logisch - und wenn man gegen den Teufel kämpft ist schließlich jedes Mittel recht.

Also bedingen sich beide gegenseitig.

  • Trump will einfach nur an der Macht sein. Ich glaube US-Präsident spielen ist sein erfolgreichstes Geschäftsmodell. Um dieses Geschäftsmodell zu behalten tut er alles was nötig ist. Die Religiösen sind für ihn einfach nur ein Werkzeug um das Ziel zu erreichen.
  • Das gilt umgekehrt genauso. Für die Religiösen ist Trump ein Werkzeug den Gottesstaat zu erreichen. Man treibt quasi den Teufel „Demokratie“ mit dem Belzebub „Trump“ aus. Alles was Trump tut - egal wie verwerflich - ist quasi Gottes Werk. Wie praktisch.

Da ist nun vor unser aller Augen ein mehr oder weniger schleichender Umbau hin zu autoritären Strukturen im Gange, mit dem Ziel eine “weiße, männliche, christlich, faschistische Herrschaft” zu etablieren, und zumindest ich staune, wie einfach das scheinbar ist. Ob es am Ende auch einen gütigen lebenslangen Diktator Trump - ganz nach seinen großen Vorbildern Putin, Kim Jong-un, oder Xi Jinping - oder gar eine Trump Dynastie geben wird werden wir sehen. Alles scheint möglich.

Ganz vorne mit dabei sind jedenfalls…

  • New Apostolic Reformation (NAR)
    • Charismatische Bewegung; sieht Trump als gesalbten Kämpfer gegen Dämonen.
    • 80 % weiße Evangelikale wählten Trump 2024; Einfluss auf Jan. 6.
  • Center for Renewing America (CRA)
    • Think Tank von Russell Vought (ehem. OMB-Direktor); plant “christlich-nationalistische” Politik.
    • Berater für Trump; Teil von Project 2025; Fokus - Anti-LGBTQ+, Abtreibungsverbot.
  • Faith & Freedom Coalition
    • Evangelikale Lobby; organisiert WählerMobilisierung.
    • Trump-Rallyes; priorisiert Israel-Unterstützung, Anti-Immigration.
  • Heritage Foundation (Project 2025)
    • Konservativer Plan für Trumps Agenda; 900+ Seiten zu Regierungsumbau.
    • Zentral - Ersetzt Beamte durch Loyalisten; integriert christliche Werte (zB. “Gott-ordnete Hierarchien”).

Diese Gruppen wachsen. Unter Trumps zweiter Amtszeit - angetreten im Jan. 2025 - spielen sie eine zentrale Rolle bei der Schwächung demokratischer Institutionen:

  • Politische Mobilisierung - 72 % weißer Christen wählten Trump 2024; sie sehen ihn als “Retter” vor “Säkularismus” und Teufelszeug wie Abtreibung und LGBTQ+-Rechte. Gruppen wie NAR und CRA infiltrieren die Regierung. Viele Trump-Berater - zB. Russell Vought - fordern “christliche Prioritäten” in Politik - zB. Einwanderungsverbote als “Schutz christlicher Kultur”.
  • Institutioneller Umbau - Project 2025 zielt auf Entlassung von 50.000 Beamten ab, um Loyalisten einzusetzen – oft mit fundamentalistischen Ansichten. Trump etablierte eine “Religious Liberty Commission” (Mai 2025), die “christliche Freiheit” priorisiert, aber Kritiker sehen Diskriminierung (zB. gegen Muslime, LGBTQ+). Das untergräbt Checks & Balances.
  • Bedrohung für Demokratie
    • Wahlmanipulation - Gruppen pushen “Wähler-ID”-Gesetze und Frauderzählungen; 38 % Adherents rechtfertigen Gewalt “zum Schutz des Landes” (zB. Jan. 6 als “göttliche Intervention”).
    • Rechteinschränkungen - Gesetze gegen Abtreibung (post-Roe v. Wade), Bücherverbote und Anti-LGBTQ+-Politik (zB. in Schulen) basieren auf biblischer Literalität.
    • Autoritäre Tendenz - Trump-Rhetorik (“Feinde”, “Linke”) verstärkt Paranoia; Fundamentalisten sehen Demokratie als “satanisch”, wenn sie nicht christlich dominiert.

Historisch betrachtet

Christlicher Fundamentalismus steckt in der DNA der USA. Er war zur Gründerzeit keine einheitliche Bewegung. Die USA wurden von europäischen Auswanderern geprägt - anders gesagt - Von den heute dort gerade sehr verhassten Einwanderern, und Asylanten - die oft puritanische oder protestantische Glaubensrichtungen mitbrachten – darunter…

  1. Pilger und Puritaner aus England im 17. Jahrhundert, die eine strenge, bibelzentrierte Frömmigkeit praktizierten.

  2. Mennoniten aus Südwestdeutschland (Pfalz), Schweiz.

    • Ab 1683
    • Verfolgung durch katholische und lutherische Obrigkeiten; Ablehnung von Militärdienst und weltlicher Autorität.
    • Ziel war Pennsylvania (USA)
    • 1683 Gründung von Germantown durch Franz Daniel Pastorius und 13 mennonitische Familien aus Krefeld. Sie flohen vor Diskriminierung, da sie Pazifisten waren und die Bibel wörtlich nahmen.
  3. Amish aus Pfalz, Elsass, Schweiz ab dem frühem 18. Jh.

    • Verfolgung wegen radikaler Täufer-Ansichten (zB. Erwachsenentaufe, Trennung von Staat).
    • Ziel war Pennsylvania, später Ohio.
    • Jakob Ammanns Anhänger; erste größere Welle um 1717–1730. Sie suchten Land und Glaubensfreiheit.
  4. Pietisten (Herrnhuter) aus Sachsen, Böhmen

    • 1730er–1740er
    • Ziel war Pennsylvania, North Carolina
    • Suche nach religiöser Erneuerung; Verfolgung durch lutherische Orthodoxie.
    • Geführt von Graf Zinzendorf; gründeten Bethlehem (PA, 1741) und Moravian Church. Betonung auf persönlicher Frömmigkeit.
  5. Lutheraner aus der Pfalz, Württemberg

    • Ab 1710
    • Wirtschaftliche Not, Religionskonflikte (zB. nach Dreißigjährigem Krieg).
    • Ziel - New York, Pennsylvania
    • Pfälzer Auswanderungswelle (1709–1710); zB. Siedlung New Bern (NC) durch reformierte Protestanten.
  6. Hugenotten aus Süd- und Westfrankreich (zB. La Rochelle, Normandie)

    • Wann - Ab 1685
    • Gründe
      • Aufhebung des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV.; Verfolgung, Zwangskonversion zum Katholizismus.
      • Massive Verfolgung - Nach 1685 wurden Hugenotten enteignet, inhaftiert oder getötet, wenn sie nicht konvertierten. Viele flohen zunächst in die Niederlande oder England, dann nach Amerika.
      • Toleranzpolitik - Kolonien wie South Carolina (mit liberaler Verfassung von 1669) lockten mit Religionsfreiheit.
      • Wirtschaftliche Chancen - Hugenotten waren oft Handwerker oder Kaufleute; sie suchten neue Märkte und Land.
    • Ziel - New York, South Carolina, Virginia
    • Ca. 10.000–15.000 flohen nach Nordamerika. Gründeten Siedlungen wie New Rochelle (NY, 1688) und Manakin Town (VA, 1700).
  7. Quäker aus England (heute EU-assoziiert)

    • Wann - Ab 1670er
    • Verfolgung durch anglikanische Kirche; Ablehnung von Hierarchien und Eiden.
    • Ziel - Pennsylvania
    • William Penn gründete Pennsylvania (1681) als Quäker-Kolonie; bot Asyl für andere Gruppen wie Mennoniten.
  8. Schottische Presbyterianer

    • Ab 1710er
    • Konflikte mit anglikanischer Vorherrschaft; wirtschaftliche Not.
    • Ziel - North Carolina, Appalachia
    • „Scotch-Irish“ (Ulster-Schotten); starke Einwanderung nach 1717 (zB. Siedlungen in NC). Betonung auf Bibel und Gemeindeautonomie.
  9. Waldenser aus Norditalien (Savoyen, Piemont)

    • 17.–18. Jh
    • Verfolgung als protestantische Minderheit in katholischem Umfeld.
    • Ziel - Delaware, North Carolina
    • Kleine Gruppen flohen über die Niederlande; zB. Siedlung in Delaware (1690er).
  10. Tschechische Brüder aus Böhmen (heute Tschechien)

    • Ab 1720er
    • Verfolgung nach Gegenreformation; Anhänger von Jan Hus.
    • Ziel - Pennsylvania
    • Eng mit Herrnhutern verbunden; siedelten in Moravian-Gemeinden (zB. Bethlehem, PA).

Sie gingen

  • aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen wie Kriege, Steuern und Landknappheit.
  • wegen Religiöser Intoleranz, Verfolgung und Unterdrückung,
  • aber auch aus missionarischem Eifer.

Es ist ziemlich wahrscheinlich das auch einige meiner Vorfahren rüber gemacht haben.

Aktuell scheinen viele Leute in den USA den Ursprung ihrer Nation vergessen / verdrängt zu haben.

Religiöse Strömungen und Gruppen in den USA

Diese “Gründerzeit”-Einflüsse (zB. die Mayflower-Kolonie 1620) legten den Grundstein für eine Kultur, in der Religion und Politik eng verflochten waren, wie in den “Great Awakenings” (revivalistische Erweckungsbewegungen im 18./19. Jahrhundert).

  • Historische Gruppen (19./20. Jh.)
    • Niagara Bible Conference (1878–1897)
      • Evangelikale Pastoren, die 14 Glaubenssätze etablierten - Bibel-Inerranz, Jungfrauengeburt, Auferstehung,…
      • Grundlage für Anti-Modernismus; beeinflusste Bibelschulen.
    • World Christian Fundamentals Association (1919)
      • Gegründet von William Bell Riley; gegen Evolution und Liberalismus.
      • Organisierte Konferenzen; führte zu Separatismus in Kirchen.
    • Southern Baptist Convention (SBC, ab 1845)
      • Konservative Baptisten; fundamentalistischer Flügel seit 1979.
      • Anti-Abtreibung, Geschlechterrollen; Millionen Mitglieder.
    • Moral Majority (1979–1989)
      • Gegründet von Jerry Falwell; politische Lobby.
      • Mobilisierte Wähler für Reagan; gegen “Sittenverfall”.

Der moderne Fundamentalismus entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf “Modernismus” (zB. Evolutionstheorie, Bibelkritik).

  • Ursprung
    • 1878 bei der Niagara Bible Conference, wo 14 “fundamentale Glaubenssätze” festgelegt wurden - Bibel-Inerranz, Jungfrauengeburt, Auferstehung,….
    • 1910 definierten Presbyterianer fünf “Fundamentals” - Inspiration der Bibel, Sühnetod Christi usw.
  • Höhepunkt
    • 1920er Jahre mit dem Scopes-Prozess (1925, gegen Evolution im Unterricht)
    • und der Gründung der World Christian Fundamentals Association (1919).
  • Rückzug und Wiederaufstieg
    • Nach den 1920ern zog sich die Bewegung zurück, baute aber Netzwerke auf (zB. Bibelschulen wie Dallas Theological Seminary 1924).
    • In den 1970er/80er Jahren resurgierte sie als “Religious Right” (zB. Moral Majority von Jerry Falwell), beeinflusste Politik gegen Abtreibung und für “Family Values”.

Umfragen zeigen, dass 30 % der US-Amerikaner (ca. 10 % “Adherents”, 20 % “Sympathizers”) christlich-nationalistische Ansichten teilen, die die USA als “christliche Nation” sehen und religiöse Gesetze über säkulare stellen wollen. Besonders stark im Süden und Mittleren Westen (zB. Mississippi - 51 % Unterstützung).

E pluribus unum - Aus vielen eines - ist der Wappenspruch im großen Siegel der Vereinigten Staaten, dem offiziellen Dienstsiegel und Hoheitszeichen der USA. Er war seit in der Gründerzeit inoffizielles Motto. 1956 wurde In God we trust zum offiziellen Motto gekürt – im Grunde zeichnet sich da schon ab wo die Reise hin geht.

MAGA Werte Versus Tradition

Werte werden ja in allen Reden von MAGA ziemlich hochgehalten, aber scheinbar nach dem Motto - Wir leben sie nicht, wir predigen sie nur!

Ein paar Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen klassischen konservativen Werten und MAGA-Konservatismus:

Gemeinsamkeiten

  1. Familie & Religion – Beide betonen die traditionelle Familie und christliche Werte, lehnen Abtreibung und progressive Geschlechterrollen ab.
  2. Patriotismus & Nationalismus – Beide betonen den Nationalstolz, die Bedeutung des Militärs und „America First“-Denken.
  3. Freiheit & Eigenverantwortung – Beide stehen für individuelle Rechte, Waffenbesitz und eine minimale staatliche Einmischung.
  4. Freie Marktwirtschaft – Beide lehnen hohe Steuern und Sozialprogramme ab und setzen auf Kapitalismus.
  5. Recht & Ordnung – Beide unterstützen eine harte Linie gegen Kriminalität und eine strenge Einwanderungspolitik.

Unterschiede

  1. Wirtschaft & Globalisierung
    • Klassische Konservative - Pro-Freihandel, offene Märkte, wirtschaftlicher Pragmatismus.
    • MAGA - Protektionismus, Zölle, Anti-Globalismus (zB. „China schadet den USA“).
  2. Politische Kultur & Rhetorik
    • Klassische Konservative - Formeller, traditioneller Politikstil, Betonung von Anstand.
    • MAGA - Populistisch, konfrontativ, oft gegen Eliten, Medien und „Deep State“.
  3. Beziehung zum Staat
    • Klassische Konservative - Skeptisch gegenüber staatlicher Macht, wollen Regulierung abbauen.
    • MAGA - Misstrauen gegenüber bestimmten staatlichen Institutionen (FBI, Justiz, Wahlsystem), aber Offenheit für autoritärere Maßnahmen.
  4. Gesellschaftspolitik & Kulturkampf
    • Klassische Konservative - Kulturell konservativ, aber pragmatischer.
    • MAGA - Radikaler Kampf gegen „Wokeness“, LGBTQ+-Rechte und progressive Bewegungen.
  5. Außenpolitik
    • Klassische Konservative - Pro-NATO, starker internationaler Einfluss der USA.
    • MAGA - Isolationistischer („America First“), skeptisch gegenüber Bündnissen.

MAGA baut auf klassischen konservativen Werten auf, ist aber populistischer, nationalistischer und konfrontativer. Während klassische Konservative eher wirtschaftsliberal und internationalistisch sind, setzt MAGA auf Protektionismus, Kulturkampf und eine stärkere Polarisierung.

MAGA und die Lüge

Ich hab da mal ne Frage - MAGA scheint die traditionellen Werte eher nicht zu leben und lügt permanent - wie Trump. Stimmt das? Woher kommt das?

Das ist eine der großen Widersprüchlichkeiten des MAGA-Konservatismus - Während klassische konservative Werte Ehrlichkeit, Integrität und persönliche Verantwortung betonen, ist die Bewegung um Donald Trump stark von Populismus, Verschwörungstheorien und oft nachweislichen Lügen geprägt. Trump selbst wurde während seiner Amtszeit und danach unzählige Male[^1] beim Lügen ertappt – sei es zu Wahlergebnissen, politischen Gegnern oder seiner eigenen Vergangenheit.

Warum ist das so?

  1. Populismus statt Prinzipien
    • Klassischer Konservatismus basiert auf festen Werten wie Ehrlichkeit, wirtschaftlicher Verantwortung und moralischer Integrität.
    • MAGA hingegen ist eine populistische Bewegung, die mehr auf Emotionen, Feindbilder und Kampf gegen „die Eliten“ setzt, selbst wenn das mit Widersprüchen oder Lügen einhergeht.
  2. Personenkult um Trump
    • Traditionelle Konservative folgen eher Prinzipien, während MAGA-Anhänger Trump selbst als Identifikationsfigur sehen.
    • Trump hat wiederholt bewiesen, dass seine Loyalisten bereit sind, ihm trotz nachweislicher Lügen weiter zu folgen.
    • Das beruht aber nicht auf Gegenseitigkeit. Trump scheint keine Anhnung zu haben was Begriffe wie Moral, Anstand, Treue, Ehrlichkeit, Wahrheit, Verbindlichkeit etc. bedeuten. Trump kennt nur “nützliche Idioten”.
  3. Medien & Desinformation
    • MAGA nutzt gezielt alternative Medien (Fox News, OANN, Breitbart, Social Media), die oft Fakten verdrehen oder Verschwörungstheorien verbreiten.
    • Die Strategie - Zweifel an etablierten Institutionen säen, um eigene Narrative durchzusetzen („Fake News“-Vorwürfe gegen Mainstream-Medien).
  4. Moralischer Pragmatismus
    • Viele MAGA-Anhänger sehen Trump als „notwendige Waffe“ gegen die Linke, auch wenn er moralisch fragwürdig ist.
    • Das Motto vieler Unterstützer ist - „Er kämpft für uns, also ist es egal, ob er lügt.“
  5. Opfermentalität & Verschwörungsdenken
    • MAGA inszeniert sich als Opfer eines „korrupten Systems“, das gegen sie arbeitet (Deep State, Wahlbetrug, „gestohlene Wahlen“).
    • Diese Mentalität macht es leicht, unbequeme Wahrheiten zu ignorieren und stattdessen an Lügen zu glauben, die das eigene Weltbild bestätigen.

MAGA hat sich von klassischen konservativen Werten sehr weit entfernt - sie befindet sich imho auf einem anderen Planeten - und ist eher eine populistische Protestbewegung. Während traditionelle Konservative auf Prinzipien wie Ehrlichkeit, Anstand und wirtschaftliche Vernunft setzen, nutzt MAGA Desinformation, Verschwörungstheorien und Personenkult als zentrale Strategie. Die Bewegung lebt also nicht unbedingt die Werte, die sie vorgibt zu vertreten – sondern setzt eher auf Macht, Identitätspolitik und Konfrontation.

Ziele einer solchen Strategie

Was könnte das Ziel einer solchen Strategie sein?

// Achtung - Verschwörungstheorie

Die Strategie von MAGA – geprägt durch Populismus, Desinformation und den Kampf gegen „Eliten“ – verfolgt mehrere klare politische und gesellschaftliche Ziele. Sie lässt sich aus einer machtpolitischen Perspektive und einer ideologischen Sichtweise betrachten.

1. Machtkonsolidierung und Kontrolle

  • Manipulation der öffentlichen Meinung: Durch ständige Wiederholung von Lügen und Verschwörungstheorien wird das Vertrauen in etablierte Institutionen (Medien, Gerichte, Wahlsystem) untergraben. Das sorgt dafür, dass Anhänger nur noch den eigenen Führern glauben.
  • Verdrängung politischer Gegner: Indem Gegner als „Feinde Amerikas“ oder „Teil eines tiefen Staates“ dargestellt werden, wird politische Debatte durch Feindbilder ersetzt. Kritiker werden nicht nur als falsch, sondern als gefährlich dargestellt.
  • Abschaffung oder Schwächung demokratischer Prozesse: Durch die Verbreitung von Wahlbetrugsmythen können Wahlergebnisse angezweifelt und im Zweifel delegitimiert werden. So könnte die Bewegung langfristig eine autoritärere Regierungsform anstreben.

2. Mobilisierung durch Emotionen statt Fakten

  • Schaffung einer treuen Anhängerschaft: Indem MAGA eine permanente Krise konstruiert („Das Land ist in Gefahr!“), hält sie ihre Wählerschaft in einem Zustand der Angst und Wut. Dadurch bleiben die Leute politisch aktiv und treu zur Bewegung.
  • Ablenkung von realen Problemen: Wirtschaftliche Schwierigkeiten, soziale Ungleichheit oder Korruption innerhalb der eigenen Reihen treten in den Hintergrund, weil ständig Feindbilder (Migranten, „woke“ Politik, Mainstream-Medien) präsentiert werden.

3. Schwächung demokratischer Institutionen

  • Angriffe auf unabhängige Justiz und Medien: Indem Trump und MAGA die Glaubwürdigkeit von Gerichten, FBI oder Medien untergraben, wird das Fundament der Demokratie geschwächt. Wenn niemand mehr objektiven Fakten traut, kann die Wahrheit durch Propaganda ersetzt werden.
  • Unterwanderung von Institutionen: MAGA-Politiker besetzen systematisch wichtige Positionen (zB. Gouverneure, Wahlleiter, Richter) mit Loyalisten, um langfristig die politische Kontrolle zu sichern.

4. Etablierung einer neuen politischen Ordnung

  • Von Demokratie zu Autoritarismus: In vielen Punkten ähnelt MAGA populistischen und autoritären Bewegungen in anderen Ländern (zB. Putin in Russland, Erdogan in der Türkei, Orban in Ungarn). Langfristig könnte das Ziel sein, demokratische Prozesse so zu verändern, dass eine dauerhafte MAGA-Herrschaft möglich wird.
  • Nationalistische und isolationistische Politik: MAGA will die USA stärker abschotten, sei es durch harte Einwanderungspolitik, Handelskriege oder die Schwächung internationaler Bündnisse.

MAGA nutzt eine Strategie der Desinformation, Angst und Feindbilder, um Macht zu gewinnen und zu erhalten. Das Ziel scheint weniger eine Rückkehr zu klassischen konservativen Werten zu sein, sondern eine langfristige Transformation der amerikanischen Politik hin zu einer autoritäreren, nationalistischen und populistischen Bewegung. Der Kampf gegen demokratische Institutionen ist dabei kein Nebeneffekt, sondern ein bewusstes Mittel zum Zweck.

Es gibt starke Hinweise darauf, dass MAGA – insbesondere unter Donald Trump – eine Bewegung ist, die demokratische Strukturen schwächen und eine autokratischere Regierungsform etablieren will. Zwar würden viele MAGA-Anhänger das nicht offen zugeben, aber ihre Handlungen und Rhetorik deuten in diese Richtung.

Anzeichen für eine antidemokratische Strategie

1. Angriff auf Wahlsysteme und Wahllegitimität

  • Trumps „Big Lie“ über die gestohlene Wahl 2020 war ein direkter Versuch, das Vertrauen in demokratische Wahlen zu zerstören.
  • Versuche, Wahlergebnisse durch Druck auf Behörden (zB. in Georgia) oder durch Fake-Wahlmänner zu manipulieren.
  • Einführung von Gesetzen in republikanisch geführten Bundesstaaten, die Wählen schwerer machen (zB. Einschränkungen der Briefwahl).

2. Unterwanderung von Institutionen mit Loyalisten

  • Trump und seine Verbündeten setzen gezielt Richter, Staatsanwälte und Wahlleiter ein, die MAGA-treu sind.
  • Republikaner in einigen Bundesstaaten haben Gesetze geändert, um politische Kontrolle über Wahlkommissionen zu gewinnen.

3. Demonisierung politischer Gegner & Medien

  • Trump nennt die freie Presse regelmäßig „Feind des Volkes“ – eine typische Strategie von Autokraten.
  • Demokratische Politiker werden nicht nur als Gegner, sondern als Verräter oder Kriminelle dargestellt.
  • Das Justizsystem wird als „Waffen der Linken“ delegitimiert, wenn es gegen Trump ermittelt.

4. Akzeptanz oder Förderung politischer Gewalt

  • Der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 war der sichtbarste Versuch, die Demokratie gewaltsam zu stürzen.
  • MAGA-Politiker verteidigen oder verharmlosen diesen Putschversuch weiterhin.
    • Mittlerweile sehen sie sich auch als Opfer einer Verschwörung der Demokraten. Der Deepstate hätte sich unter die friedlichen Demonstranten gemischt und sie aufgestachelt, und provoziert, und ist im Grunde für den Sturm aufs Kapitol verantwortlich zu machen. Stichwort: Agent Provocateurexternal link Täter-Opfer-Umkehr / “Victim Blaming” vom Feinsten.
  • Trump selbst hat angedeutet, dass er politische Gegner bei einer Wiederwahl strafrechtlich verfolgen lassen will.

5. Autokratische Vorbilder & Isolationismus

  • Trump bewundert offen autoritäre Führer wie Putin, Orban, Xi Jinping, usw.
  • Er hat mehrfach angedeutet, dass er sich eine unbegrenzte Amtszeit oder „Präsident auf Lebenszeit“ vorstellen könnte.
  • Die „America First“-Politik soll die USA aus internationalen Bündnissen lösen, um weniger externe Kontrolle zu haben.

Was wäre das Endziel?

  • Eine „illiberale Demokratie“ oder De-facto-Autokratie, ähnlich wie in Ungarn oder der Türkei, in der Wahlen zwar existieren, aber manipuliert sind.
  • Ein System, in dem politische Gegner durch Justiz und Medienkontrolle ausgeschaltet werden.
  • Eine langfristige MAGA-Herrschaft, in der Trump oder seine Familie (zB. Ivanka oder Don Jr.) an der Macht bleiben.

Auch wenn Trump und seine Truppe offiziell von „Demokratie“ sprechen, zeigen ihre Taten, dass sie die Demokratie schwächen und eine autoritärere Ordnung aufbauen wollen. Es wäre keine klassische Diktatur, sondern ein System, in dem die Fassade der Demokratie bleibt, aber in Wahrheit eine Ein-Parteien-Herrschaft etabliert wird.

Chancen das ab zu wenden?

Klar gibt derzeit noch Chancen, den autoritären Drift von MAGA aufzuhalten, aber das würde entschlossenes Handeln auf allen Ebenen erfordern. Die USA haben immer noch starke demokratische Institutionen, eine engagierte Zivilgesellschaft und Millionen von Wählern, die sich gegen Autokratie stellen. Momentan hat man aber das Gefühl der Rechtsstaat lässt alles hilf- und machtlos über sich ergehen.

1. Wahlen und politische Mobilisierung

  • Wähler mobilisieren – Demokraten, gemäßigte Republikaner und unabhängige Wähler müssen erkennen, dass die Bedrohung real ist, und bei Wahlen aktiv dagegenstimmen.
  • Wahlrechtsreformen schützen – Der Zugang zu fairen Wahlen muss verteidigt werden, insbesondere in Bundesstaaten mit restriktiven Wahlgesetzen.
  • MAGA-Kandidaten in Vorwahlen besiegen – Falls gemäßigte Republikaner sich durchsetzen, könnte der Einfluss von MAGA innerhalb der Partei gebremst werden.

2. Stärkung demokratischer Institutionen

  • Gerichte und Justiz müssen unabhängig bleiben – Ermittlungen gegen Trump & Co. sind entscheidend, um Rechtsstaatlichkeit zu wahren.

  • Wahlkommissionen und Wahlsysteme absichern – Manipulationsversuche durch MAGA-treue Wahlleiter müssen verhindert werden.

  • Wahlkreismanipulationen - Gerrymanderingexternal link sollte verhindert werden.

    • Statt dass die Wähler ihre Vertreter wählen, wählen beim Gerrymandering die Politiker ihre Wähler aus.
    • Gerrymandering ist das gezielte Manipulieren von Wahlkreisgrenzen, um einer bestimmten Partei einen unfairen Vorteil zu verschaffen.
    • Der Begriff stammt von 1812, als der Gouverneur Elbridge Gerry einen Wahlkreis so bizarr zuschneiden ließ, dass er auf der Landkarte wie ein Salamander aussah.
    • Es gibt zwei Haupttaktiken, um Stimmen der Gegenseite „wertlos“ zu machen:
      • Packing - Stecke so viele Anhänger des Gegners wie möglich in einen einzigen Wahlkreis. Dort gewinnt der Gegner zwar haushoch, aber in allen umliegenden Kreisen hat er keine Chance mehr.
      • Cracking - Verteile die Anhänger des Gegners auf so viele Wahlkreise, dass sie dort überall eine kleine Minderheit bleiben und kein einziges Mandat gewinnen können.
    • Das ist natürlich zutiefst undemokratisch, und es ist mir ein Rätsel das man das damals nicht sofort unterbunden / verboten hat.
  • Checks & Balances bewahren – Der Kongress und andere Institutionen müssen ihre Kontrollfunktionen gegenüber einer MAGA-Regierung behalten.

3. Aufklärung und Medienarbeit

  • Desinformation entlarven – Alternative Fakten und Verschwörungstheorien müssen konsequent widerlegt werden.
  • Unabhängigen Journalismus stärken – Medienhäuser müssen der Angriffe durch MAGA standhalten und investigative Berichterstattung betreiben.
  • Soziale Medien regulieren – Plattformen sollten stärker gegen Fake News und gezielte Manipulationen vorgehen.

4. Widerstand aus der Gesellschaft

  • Zivilgesellschaftliche Bewegungen mobilisieren – Proteste, Demonstrationen und Graswurzelbewegungen können Druck auf Politiker und Institutionen ausüben.
  • Wirtschaftliche Hebel nutzen – Unternehmen können sich gegen extremistische Politik positionieren, indem sie zB. keine Spenden an MAGA-Politiker leisten.
  • Internationale Aufmerksamkeit schaffen – Die Weltgemeinschaft kann Druck ausüben, wenn die USA sich weiter in eine autokratische Richtung bewegen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass das klappt?

  • Kurzfristig: 2024 wird entscheidend – falls Trump oder ein anderer MAGA-Kandidat gewinnt, wird es schwerer, die Demokratie zu schützen. Mittlereweile hat er gewonnen und wir werden sehen was passiert.
  • Langfristig: MAGA ist nicht unbesiegbar. In den Midterms 2022 konnten viele extreme MAGA-Kandidaten nicht gewinnen, was zeigt, dass ein Teil der Bevölkerung genug hat. Wenn demokratische Kräfte weiter aktiv bleiben, gibt es eine Chance, den Trend umzukehren.

Es ist noch nicht zu spät, aber es braucht massiven Widerstand, politische Mobilisierung und die Verteidigung demokratischer Institutionen. Die USA stehen an einem Scheideweg – ob sie die Demokratie bewahren können, hängt von der Entschlossenheit der Gesellschaft ab, sich gegen den autoritären Drift zu wehren.

Wenn MAGA genug Macht erlangt, könnten sie demokratische Prozesse so manipulieren, dass Wahlen zwar noch stattfinden, aber nicht mehr wirklich frei oder fair sind – ähnlich wie in Ländern mit „illiberalen Demokratien“ wie Ungarn oder Russland.

Wie könnte die Wahlmanipulation aussehen?

1. Kontrolle über Wahlprozesse

  • Republikanische Bundesstaaten haben bereits Gesetze erlassen, die es MAGA-treuen Beamten ermöglichen, Wahlergebnisse für ungültig zu erklären.
  • Trump-nahe Wahlleiter könnten in Schlüsselstaaten Wahlergebnisse einfach nicht anerkennen, wenn sie ihnen nicht passen.

2. Wählerunterdrückung („Voter Suppression“)

  • Einschränkungen für Minderheiten und junge Wähler, die eher demokratisch wählen.
  • Weniger Wahllokale in demokratischen Bezirken
  • Abbau von Briefkästen vor der Wahl.
  • Strengere Wahlgesetze - zB. Einschränkung der Briefwahl.
    • Republikaner bestehen auf Gesetzen zur Wähleridentifikation / Voter-ID, warum?
    • Identitätsbetrug an der Urne ist extrem selten - oft unter 0,02%
    • Diese Gesetze sind nachweislich eine höhere Hürde für Minderheiten und Arme. Millionen US-Bürger – oft Angehörige von Minderheiten, Geringverdiener oder ältere Menschen – besitzen keinen amtlichen Lichtbildausweis. Die Beschaffung ist teuer / zeitaufwendig - Kosten zwischen 75 und 175 Dollar. Dies wird als moderne Form einer „Wahlsteuer“ betrachtet, die bestimmte Bevölkerungsgruppen faktisch vom Wählen ausschließt.
    • Wähler müssen sich vorab eh registrieren und dabei bereits ihre Identität zB. durch Sozialversicherungsnummer oder Unterschriftenabgleich nachweisen.
    • Es gibt Bevölkerungsgruppen die seltener über die geforderten Ausweise verfügen. Laut dem Brennan Center for Justice besitzen etwa 11 % der wahlberechtigten US-Bürger keinen amtlichen Lichtbildausweis.
    • www.brennancenter.orgexternal link

3. Legalisierte Wahlfälschung durch „Fake Electors“

  • 2020 gab es bereits den Versuch, gefälschte Wahlmänner-Zertifikate an den Kongress zu schicken.
  • Falls MAGA die Kontrolle über mehr Swing States bekommt, könnten sie das 2024 erfolgreicher tun.

4. Einschüchterung & Gewalt

  • Trump hat bereits angedeutet, dass er „harte“ Maßnahmen ergreifen würde, wenn er wieder an die Macht kommt.
  • Extremistische Gruppen wie die Proud Boys oder Oath Keepers könnten versuchen, Wähler oder Wahlhelfer einzuschüchtern.

5. Manipulation der Justiz & des Kongresses

  • Falls MAGA den Kongress oder den Supreme Court dominiert, könnten sie Wahlanfechtungen zu ihren Gunsten entscheiden.
  • Trump hat bereits angedeutet, dass er politisch „loyale“ Richter und Beamte einsetzen würde.

Gibts noch Hoffnung auf echte Wahlen?

Vermutlich wird es wird schwer.

  • Gerichte & Institutionen haben sich 2020 gegen Trumps Putschversuch gewehrt – aber es ist unklar, ob das nochmal funktioniert.
  • Die Mehrheit der Amerikaner will keine Diktatur, aber sie müssen auch bereit sein, aktiv zu wählen und Widerstand zu leisten.
  • Internationale Beobachtung könnte Druck machen, aber wenn die USA erst einmal eine Autokratie sind, wird das wenig helfen.

Falls MAGA ungehindert weiter macht, könnten die folgenden Wahlen nicht mehr fair sein. Es gibt noch Chancen, das zu verhindern – aber die Zeit wird langsam knapp. Wenn bei den nächsten Wahlen ein anderer MAGA-Kandidat gewinnt und seine Macht weiter ausbaut, könnte das der letzte Schritt in Richtung eines autoritären Systems sein. Am deutlichen werden wir das erkennen wenn Trump ein weiteres - drittes - mal gewählt wird.

Es bleibt spannend.

2026 Update

  • Die USA erleben im Jahr 2026 ihren 1926 Moment wie aus dem Lehrbuch: Entmenschlichung, Verrohung, Lügen, Polemik, Korruption. Eigentlich unfassbar, dass sowas heute noch möglich ist - und dann noch in einer eigentlich hoch entwickelten Industrienation - das ist schon erstaunlich.

  • Die Häscher des ICE jagen jeden der ihnen nicht passt. Speziell in Demokratisch regierten Bundesstaaten - aktuell besonders im Fokus: Die Stadt Minneapolis in Minnesota. Sie gehen sie gezielt von Haustüre zu Haustüre, oder halten Leute willkürlich auf der Straße an. Jeder der “nicht weiß” ist kann Opfer sein.

  • Das erinnert ein bisschen an die Methoden der Gestapoexternal link in ihren Anfangstagen in Deutschland - an die „Braunhemden“ der SAexternal link .

  • ICE bedeutet “United States Immigration and Customs Enforcement”.

    • Das ist sowas wie die Einwanderungs- und Zollbehörde der Vereinigten Staaten.
    • Gegründet im Jahr 2003, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 aus der damaligen Einwanderungsbehörde INSexternal link .
    • Aufgaben: Einwanderungskontrolle. Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen, Festnahme und Abschiebung von Migranten ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung.
    • ICE-Einheiten sind Teil der US-Bundespolizei. Sie sind somit verpflichtet sich an dieselben Regeln und Gesetze zu halten wie alle andere Polizisten. Massenhafte illegale Einwanderung ist ein Problem für jeden Staat. In diesem Sinne hat der ICE jahrelang in aller Ruhe seinen Job gemacht.
      • Obama: 400.000 Abschiebungen in einem einzigen Fiskaljahr (2012).
        • Das war lange Zeit den Rekord für jährliche ICE-Abschiebungen.
      • Biden: 778.000 Abschiebungen im letzten vollen Fiskaljahr.
      • Trump: 622.000 Abschiebungen seit Amtsantritt im Januar 2025.
    • Das Problem heute: Der ICE ist zu Trumps Schlägertrupp mutiert. Scheinbar schlecht ausgebildet, marodieren sie auffällig laut, maskiert, ohne Kennzeichnung, von Trump mit “absoluter Imunität” ausgestattet, und somit unkontrolliert und unantastbar durch die Gegend. Sie jagen nicht nur “Migranten ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung” - oder “the worst of the worst” also kriminelle illegale Einwanderer, sondern jeden der irgendwie nicht “weiß” aussieht, und gehen auf Beobachter und Protestierer los. Man bekommt den Eindruck sie provozieren den Widerstand der Anwohner bewusst. Auffällig ist natürlich das besonders demokratisch regierte Bundesstaaten auf die Art beglückt werden.
    • Hitliste der Anzahl der Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus, sortiert nach Bundesstaaten:
      1. Kalifornien / Demokratisch regiert – ca. 1,8 bis 2,6 Millionen
      2. Texas / Republikanisch regiert – ca. 1,6 bis 2,1 Millionen
      3. Florida / Republikanisch regiert – ca. 0,6 bis 1,2 Millionen
      4. New York / Demokratisch regiert – ca. 410.000 bis 650.000
      5. New Jersey / Demokratisch regiert – ca. 450.000 bis 475.000
      6. Georgia / Republikanisch regiert - ca. 480.000
      7. North Carolina / Demokratisch regiert - ca. 425.000 – 450.000
      8. Illinois / Demokratisch regiert – ca. 400.000
      9. Washington / Demokratisch regiert - ca. 250.000 – 300.000
      10. Arizona / Demokratisch regiert - ca. 250.000 – 275.000
    • Das demokratisch regierte Minnesota würde mit ca. 100.000 auf Platz 20 auftauchen, ist aber in den Schlagzeilen gerade ganz weit oben.
  • Eins muss man dem “stabilen Genie” lassen: Trump und seine Minions erschüttern die bestehende Weltordnung.

    • Die aktuelle Weltordnung funktioniert nach dem verheerenden zweiten Weltkrieg weitestgehend auf einem demokratischen, auf Konsens basierenden Ansatz. Frei nach Max Weber & John Locke:
      1. Macht erfordert Legitimität,
      2. Legitimität erfordert Regeln,
      3. Regeln erfordern Zustimmung.
    • Die von Trump angestrebte Weltordnung funktioniert in etwa so:
      1. Macht schafft Legitimität - Auch durch Drohen und Anwenden von Gewalt.
      2. Regeln folgen der Gewalt - Wer die Gewalt hat, diktiert was er will - und bekommt es auch. Regeln gelten nur für die anderen.
      3. Zustimmung ist nicht nötig - Allenfalls optional.
  • Im Grunde ist das natürlich sehr alter Wein in neuen Schläuchen: Der Imperialismusexternal link ist zurück auf der Weltbühne. Naja im Grunde war er nie wirklich weg.

  • Was will Trump - wenn man ihm so zuhört:

    • Trump will Kanada.
    • Trump will Grönland.
    • Trump will Venezuela.
    • Trump will den Panamakanal.
    • Trump will den Friedensnobelpreis.
    • Trump will keinen Widerspruch.
    • Trump will sein Portrait in das Mount Rushmore National Memorial eingemeisselt haben.
    • Trump will überall seinen Namen drauf klatschen.
    • Trump will besser sein als Obama.
    • Trump will Diktator sein.
  • Alle leiden unter TDS:

    • Seine Anhänger unter “Trump Devotion Syndrom”.
    • Alle anderen unter “Trump Derangement Syndrom”.

Die große Frage ist: Wie soll man sich gegenüber jemandem verhalten, der politisch agiert wie ein Kleinkind, aber Zugriff auf ein solides Militär und die Weltwirtschaft hat? Die Zukunft wird es zeigen.

Literatur zum Thema

  • The German Americans von LaVern Rippley (Deutschland)
  • The Huguenot Migration in Europe and America“ von Jon Butler (Frankreich).

Fußnoten

[^1] - Laut der Washington Post hatte Trump in seinen vier Amtsjahren über rekordverdächtige 30.000 falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt - 51% seiner Aussagen waren gelogen. Das entspricht durchschnittlich etwa 21 Lügen pro Tag. Donald Trump lügt auf einem ganz anderen Level als der Rest der Welt. Im Vergleich mit anderen Politikern - Die Fact-Checking-Website PolitiFact stuft etwa 22% der üperprüften 315 Aussagen von Joe Biden als “falsch” oder “größtenteils falsch” ein. Barack Obama hatte laut PolitiFact einen deutlich besseren Wahrheitsgehalt als Trump. Nur ca. 26% seiner überprüften Aussagen wurden als “halb wahr” oder schlechter eingestuft. Andere Politiker verbreiten auch falsche Aussagen, aber Trumps Häufigkeit und Direktheit sind schon herausragend - im negativen Sinne. Der Durchschnittstyp auf der Straße lügt 1 bis 2 mal pro Tag, wobei die meisten Menschen selten lügen, aber eine kleine Gruppe (ca. 5%) für den Großteil der Lügen verantwortlich ist. Viele Lügen sind harmlose Notlügen (“Dein Essen schmeckt gut”, obwohl es nicht so ist). Natürlich gibt es große individuelle Unterschiede – manche Menschen lügen kaum, andere deutlich häufiger. Das Thema Lüge und Wahrheit ist aber ein andere Baustelle…