Was Artificial Intelligence mit uns macht

Zuletzt aktualisiert am 31. August 2026 8 Minuten

Wozu die “Künstliche Intelligenz” Systeme technisch fähig sind, und was man damit machen kann sammele ich im Artikel “Was wir mit Künstlicher Intelligenz (AI) machen” . Was das gesellschaftlich bedeutet ist eine ganz andere Frage. Das versuche ich hier mal zu sortieren.

Die Gegenwart

Grob gesagt, gibt es momenten:

  • Systeme, die aus Daten lernen und sich selbst verbessern (Machine-Learning-Modelle)
  • Komplexe Netze mit vielen Schichten für Bild- oder Spracherkennung (Deep-Learning-Systeme)
  • Systeme, die neue Inhalte wie Text, Bild oder Code erstellen (Generative KI (GenAI)).
  • Systeme, die Vorhersagen aus Daten treffen (Prädiktive Modelle).
  • Die technische Nachbildung des menschlichen Gehirns als Algorithmengruppe (Neuronale Netze).

Die können natürlich im guten wie im schlechten verwendet werden. Betroffen und in der Diskussion fallen mir besonders auf:

  • Künstler - da bin ich selbst betroffen
  • Software-Entwickler - da bin ich auch selbst betroffen
  • Studenten und Einsteiger ins Berufleben
  • kognitive Büro- und Verwaltungsberufe
    • Kunden spammen einerseits die Verwaltungen mit KI generierten Anträgen zu. Die Verwaltungen erhöhen andererseits den Druck auf ihre Mitarbeiter durch die Erwartung “schnellerer” Arbeit bei höherer Qualität durch weniger Mitarbeiter…
  • Generell alle Benutzer des Internets - AI-Slop . Bald kommunizieren und produzieren hier nur noch KI-Agenten?

Kurz: Überall steigt der Druck durch Automatisierung bei der Verwendung vom KI.

  • Negativ betrifft das Aufkommen von Künstlicher Intelligenz (KI) am stärksten aktuell vor allem Wissensarbeiter, Kreative und Programmierer.
  • Die größten Gewinner sind Tech-Konzerne, KI-Entwickler und forschungsintensive Branchen.

Die Auswirkungen hängen stark davon ab, ob eine Tätigkeit durch KI automatisiert oder massiv beschleunigt werden kann - und natürlich von der Qualität der Ergebnisse.

Den größten Druck durch KI erleben momentan:

  • Kundenservice-Mitarbeiter - Intelligente Chatbots übernehmen die First-Line-Kommunikation und reduzieren den Personalbedarf in Callcentern.
  • Datenerfasser und Verwaltungsangestellte - Strukturierte Büroarbeit und Datenverarbeitung lassen sich nahtlos durch KI-Workflows ersetzen.
  • Texter und Übersetzer - Routinetexte, Marketing-Copywriting und Standardübersetzungen werden massiv von KI-Modellen übernommen.
  • Junior-Programmierer - Einstiegsaufgaben beim Coden werden durch KI-Assistenten automatisiert, was die Nachfrage nach Junioren senkt.
  • Grafikdesigner und Illustratoren - Generative Bild-KI verkürzt Produktionszeiten und ersetzt zunehmend einfache kommerzielle Auftragsarbeiten.
  • Fotografen und Filmemacher - die werblich produzieren verlieren Aufträge und Werbebudgets an KI.
  • Synchronsprecher - verlieren Aufträge an KI.
  • Film-Schauspieler - Das ist eher Zukunftsthema, aber es gibt schon virtuelle Social-Media Stars. Warum noch berühmte Schauspieler teuer bezahlen, wenn ich auch einen unsterblichen Avatar benutzen kann der niemals altert und keine Forderungen stellt? Der Return of Investment für die Produzenten dürfte gigantisch sein.

Deren Kernaufgaben werden zunehmend automatisiert oder kostengünstiger ausgelagert - zumindest wird das versucht.

Branchen und Berufsbilder die eher profitieren durch enorme Produktivitätssprünge, neue Märkte und massivem Kapitalzufluss - die freuen sich also über die Entwicklung:

  • KI-Ingenieure und Data Scientists - also Fachkräfte, die KI-Modelle entwickeln, feintunen und in Unternehmen integrieren.
  • Tech-Konzerne und Hardware-Hersteller - Unternehmen wie Halbleiterproduzenten und Cloud-Anbieter feiern historische Gewinn- und Kurssprünge.
  • Medizin- und Biotech-Forscher - KI beschleunigt hier die Medikamentenentwicklung und Proteinfaltung - zum Beispiel AlphaFold dramatisch - mit hoffentlich sehr guten Ergebnissen für alle Kranken.
  • Rechtsanwälte und Berater nutzen KI zur blitzschnellen Analyse riesiger Dokumentenmengen, wodurch die Recherchezeit gegen Null sinkt.
  • Erfahrene Projektmanager und “Super-Generalisten” - Senior-Fachkräfte, die KI als Werkzeug nutzen, schaffen das Arbeitspensum ganzer Teams - in der Schublade befinde ich mich.

Deepfakes

  • Verlust der visuellen Wahrheit - Bilder und Videos haben als Beweismittel ausgedient.
  • Demokratische Sabotage - Gezielte Desinformationskampagnen manipulieren Wahlen in Echtzeit.
  • Enteignung der Identität - Cyber-Mobbing und Fake-Pornografie treffen zunehmend Privatpersonen.
  • Das “Lügner-Dividende”-Problem - Echte Vergehen werden einfach als “Deepfake” geleugnet.

Alles Diebstahl oder was?

  • Die größte Urheberrechtsverletzung der Geschichte. KI-Modelle wurden ungefragt mit dem Lebenswerk von Millionen Kreativen trainiert.
  • Das Paradoxon - Künstler speisen unfreiwillig die Systeme, die sie wirtschaftlich ersetzen.
  • Kulturalisierung des Eigentums. Gerichte streiten, ob das “Scraping” fairer Konsum oder Plagiat ist.
  • Wertverlust des Handwerks - Einzigartige Stile werden zu billig abrufbaren Prompts degradiert.

Unterstützung bei der Forschung

  • KI faltet Proteine (AlphaFold), entdeckt Antibiotika und berechnet Klimamodelle in Rekordzeit - cool.
  • Automatisierte Labore können zur Synthese neuer Biowaffen missbraucht werden - doof.
  • Wissenschafts-Spam - Eine Flut KI-generierter, plausibel klingender Fake-Studien infiziert die - doof.
  • Die “Black Box” - Forscher erhalten bahnbrechende Ergebnisse, ohne den Rechenweg dahinter physikalisch zu verstehen - doof.

Speicherkrise

  • Daten-Infarkt- Das Internet wird mit synthetischem Müll (KI-Texten und -Bildern) überschwemmt.
  • Modell-Autismus - Neue KI-Modelle kollabieren, wenn sie mit bereits KI-generierten Daten trainiert werden.
  • Physischer Engpass - Der weltweite Hunger nach schnellen SSDs und Speichermedien für KI-Rechenzentren treibt Rohstoffpreise hoch.
  • Verdrängung des Analogen - Echtes, historisches Wissen geht im Rauschen digitaler Massenware unter.

Datacenter und die Umwelt

  • Der gigantische Stromhunger - KI-Rechenzentren fressen so viel Energie wie ganze Industrienationen.
  • Virtuelles Wasser - Millionen Liter Trinkwasser verdampfen täglich zur Kühlung der Server-Racks.
  • Klima-Heuchelei - Tech-Konzerne kaufen sich mit Zertifikaten grün, während fossile Kraftwerke für den KI-Boom reaktiviert werden
  • Elektronik-Schrott - Der extrem kurze Lebenszyklus von KI-Chips (GPUs) erzeugt riesige Mengen Giftmüll.

Bücherverbrennung reloaded

  • Die lautlose Zensur - Algorithmen sortieren unliebsame oder politisch unkorrekte Kulturinhalte im Vorfeld aus.
  • Das Umschreiben der Geschichte - Sicherheitsfilter (Guardrails) glätten historische Fakten für ein massenkompatibles Weltbild.
  • Der Tod des Unbequemen - Was die KI nicht indexiert oder als “toxisch” einstuft, existiert im kollektiven Gedächtnis nicht mehr.
  • Plattform-Diktat - Wenige US-amerikanische und chinesische Konzerne bestimmen, welche Literatur und Kunst sichtbar bleibt.

Die Zukunft

Wo die Reise hin geht kann man nur ahnen. Wir befinden uns momentan in der Phase der Gebrüder Wilbur und Orville Wrightexternal link , denen am 17. Dezember 1903 in Kitty Hawk (North Carolina) ein gesteuerter und angetriebener Motorflug mit ihrem Flugzeug Wright Flyerexternal link gelang. Damals hätte sicher niemand vorausgesagt wohin das führt: Von einem Hüpfer von gerade einmal 37 Metern in 12 Sekunden, bis zum heutigen Flugverkehr, der Milliarden Menschen und Millionen Tonnen Fracht über Kontinente hinweg bewegt. Das hat die Welt nachhaltig verändert. Heute ist das Alltag.

Wir brauchen aber gar nicht so weit zurückgehen. Die Erfindung des Internetsexternal link haben viele von uns miterlebt. In den 1990er-Jahren war der Einstieg für uns Normalos ein mühsamer, physischer Prozess. Es brauchte einen dieser noch nicht so weit verbreiteten Personal Computerexternal link , dazu ein quiekendes und piependes Modemexternal link und eine freie Telefonleitung – die dann für andere Mitbewohner belegt war. Da haben sich Dramen abgespielt! Es gab Minutenpreise für die Einwahl und teure Provider-Abos – alles eher abschreckend als einladend. Ohne das World Wide Webexternal link – das 1989 erfunden wurde – gab es für Laien kaum Inhalte, und alles war endlos langsam. Mann konnte den Bits und Bytes förmlich beim Tröpfeln durch die Leitung zuhören. Das Gefühl war eher so: Ich muss aktiv “ins Internet gehen” – und war dann an einem Ort, den ich bewusst besuche, um dort nur wenig zu finden. Aber faszinierend war es halt – eine Sache für Forscher, Nerds und Hacker – eine interessante Spielerei, aber nix was man Ersthaft und sinnvoll im privaten Alltag nutzt. Heute ist das Internet ein permanenter Zustand, das Backbone unserer Zivilisation – eine turboschnelle immer verfügbare Selbstverständlichkeit, ohne die nichts mehr geht.

Mit AI wird das ähnlich. Disruptionen sind immer schwierig. Das war bei der Erfindung des Automobilsexternal link sicher nicht anders: Hufschmiede, Fuhrwerkbetreiber und der ganzen Dienstleistungssektor der am Pferd hing mussten damit klar kommen. Kaiser Wilhelm II.external link prägte damals das berühmte Zitat:

Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.

Nun ja, wir wissen alle wo das hinführte. Einige Berufe verloren an Bedeutung oder sind ganz verschwunden, neue Berufe erschienen auf der Weltbühne. Etwas ist aber anders als damals: Die Geschwindigkeit mit der sich die Dinge heute ändern ist wesentlich größer geworden - die Intervalle kürzer. Ich komme aus der “elektronischen Datenverarbeitung” - für mich ist das irgendwie Alltag. Andere Menschen könnten damit aber Probleme haben.

Für AI gibt es natürlich Szenarien die sich von apokalyptisch bis utopisch erstrecken. Hoffen wir mal das Beste - oder noch besser: Stellen wir jetzt die Weichen so, das was gutes für die Menschheit dabei heraus kommt.

Machtlos und Arbeitslos?

  • Die Entwertung des Intellekts - Nach den Fließbändern bricht nun das Fundament der akademischen Mittelschicht weg.
  • Sinnkrise der Arbeit - Wenn Maschinen besser denken, dichten und coden, verliert der Mensch ein Stück Identität.
  • Ökonomische Spaltung - Gigantische Gewinne fließen zu den Tech-Monopolisten, während Arbeitnehmer in prekäre Klick-Jobs abrutschen.
  • Der Mensch als System-Statist - Wir verwalten nur noch die Ausgaben von Systemen, die wir nicht mehr kontrollieren.

Das kuratierte Wissensmonopol

  • Das Ende der Vielfalt - Statt Millionen Website-Stimmen liefert uns ein einziger Chatbot-Monolog die “Wahrheit”.
  • Kulturelle Gleichschaltung - Der globale Diskurs wird auf den moralischen und politischen Nenner des Silicon Valley reduziert.
  • Die algorithmische Filterblase - Eine Generation wächst auf, die das Suchen, Vergleichen und Zweifeln verlernt hat.
  • Erpressbarkeit der Gesellschaft - Wer den zentralen Wissens-Feed kontrolliert, kontrolliert die Meinung der Menschheit.

Die emotionale Entfremdung

  • Einsamkeits-Kapitalismus - KI-Partner und empathische Avatare ersetzen echte menschliche Beziehungen.
  • Verlust der Empathie - Wenn Kommunikation zur Bequemlichkeit automatisiert wird, verkümmert die soziale Resilienz.

Das Vertrauens-Vakuum

  • Der postfaktische Alltag - Institutionen, Medien und Politik verlieren jegliche Glaubwürdigkeit, weil alles fälschbar geworden ist.
  • Der Rückzug ins Analoge - Eine Gegenbewegung entsteht, die nur noch physischen Treffen und gedrucktem Papier vertraut.