Über die Religion

Zuletzt aktualisiert am 8. Oktober 2026 32 Minuten

In mir drin schwelt es ja schon lange auch mal was über Religion zusammenzutragen. Religion funktioniert ja zum Beispiel hier im kleinen – im persönlichen und in Gemeinden vor Ort ganz gut, aber im großen Maßstab gesehen erscheint Religion immer wieder – und immer noch – eine der großen Geißeln der Menschheit. Ein Mittel zum Machtmissbrauch. Wenn man sich kritisch über bestimmte Religionen äußert lebt man auch heute noch gefährlich. Dabei liegt das meist nicht an den “heiligen Schriften” selber sondern an den Menschen die sie verwenden. Viele Angehörige von Religions-Gruppen sind auch heute noch Opfer von Verfolgung , viele sind friedlich und wollen einfach nur ihre Ruhe, andere fallen immer wieder durch Extremismus, Gewalt und Unterdückung ihrer eigenen Gemeinden und Andersgläubiger auf.

Ich will mir hier mal eine kleine Geschichte der Religion zusammen fassen, und mir versuchen zu erklären warum sie uns heute noch so viel Probleme bereitet. Medial auffällig sind ja im Moment der Christliche Fundamentalismus in den USA , die radikalen Siedler in Israel external link , und natürlich der Islamische Extremismus external link weltweit… aber auch der dogmatische Alltags-Katolizismus external link hier in dieser Ecke der Welt, der voll an den Lebenswirklicheiten vieler Menschen vorbei geht. Da drängt sich die Frage auf:

Siehe auch: Verschwörungstheorien als Waffe | Das Dogma

Wäre die Welt ohne Religion besser dran?

Spontan denkt man sich na klar, aber die Antwort lautet: Nein, natürlich nicht - das “Warum” folgt später .

Es ist ja so: Das ist “nur” eine der größten und ältesten Fragen der Menschheitsgeschichte, und zugleich ein sehr ernstes und wichtiges Thema für viele Menschen. Das liegt meilenweit ausserhalb meiner Kragenweite - aber es beschäftigt mich nun mal immer wieder. Ich will versuchen das Problem in meiner Zusammenfassung ausgewogen, fundiert und fair zu beleuchten, und die historische Rolle der Religion von ihrer heutigen Rolle im Radikalismus trennen. Wo kommt das Phänomen Religion her, was ist der aktuelle Stand der Forschung, was sagen die Experten dazu, usw… Ich weiß, damit öffnet sich ein Fass ohne Boden, aber da muss ich jetzt halt durch - ich brauch da mal Klarheit.

Die erste Frage die sich mir stellt ist: Wie viele Religionen und Glaubensgemeinschaften gibt es heute auf der Welt. In den Medien sind ja immer nur die üblichen Verdächtigen.

Wie viele Religionen gibt es

Trotz dieser enormen Vielfalt konzentriert sich der Großteil der Menschheit auf eine Handvoll Glaubensrichtungen. Die folgenden Ansichten ordnen die großen Religionen und einige weitere Glaubensgemeinschaften einmal nach ihrem historischen Aufkommen und einmal nach ihrer heutigen Größe.

Die zeitliche Einordnung ist nicht immer eindeutig: Manche Traditionen entwickelten sich über Jahrhunderte, andere besitzen alte Wurzeln, erhielten ihre heutige Form aber erst viel später. Auch aktuelle Mitgliederzahlen sind Schätzungen und wegen unterschiedlicher Definitionen nur bedingt vergleichbar.

Ich hab das mal in den Tabs Zeitstrahl und Aktuelle Größe aufgedröselt:

Daran sieht man schon: Religion ist unglaublich vielschichtig und ein riesiges Thema für viele Menschen, und es scheint einleuchtend, dass jeder einzelne davon seine Religion ungestört ausüben können sollte – überall auf der Welt, und auch darüber hinaus. Es wird auch klar, dass man Respekt voreinander haben sollte. Cool wäre, wenn man im Religionsunterricht etwas über all diese Religionen lernen würde, statt nur über die eine Facette, in der man sich gerade zufällig per Geburtsort befindet. Das würde das Verständnis füreinander ungemein fördern, denke ich. Für mich stehen grundsätzlich alle Religionen gleichwertig nebeneinander.

Je mehr wir über die Welt und das Universum, in das wir eingebettet sind, lernen, desto naiver erscheinen viele Mythen und Geschichten, die Religion verbreitet. Das ist an sich nix Schlimmes. Beides – Mythos und Wissen – darf und kann und sollte nebeneinander existieren. Mythen sind lebendiger Teil unserer Vergangenheit, der bis in unsere Gegenwart wirkt, und haben in dem Kontext ihre Berechtigung. Mythen hatten und haben eine sinnstiftende Funktion.

Wirkungsgeschichte

Aber es gibt nun mal leider die Anspruchshaltung einiger Religionen, sich über alle anderen zu stellen – über deren Mythen, und auch über das erlangte Wissen der Menschheit. Manch einer betrachtet auch die Wissenschaft als Religion – als Irrglauben, als zu verdammende Götzenanbetung, weil es nur einen wahren Gott geben kann – den in meiner Heiligen Schrift. Nun ja.

Ein pauschaler, dauerhafter Krieg zwischen Religion und Wissenschaft lässt sich historisch allerdings nicht belegen. Ihr Verhältnis reichte je nach Zeit, Ort und Akteuren von Förderung und Zusammenarbeit bis zu Zensur und gewaltsamer Unterdrückung. Die heute verbreitete Konfliktthese external link gilt in der Wissenschaftsgeschichte deshalb als zu vereinfachend.

Fakt ist: Religiöse Institutionen haben abweichende Überzeugungen verfolgt. Die katholische Inquisition external link richtete sich vor allem gegen Häresie external link , erlaubte seit 1252 unter bestimmten Bedingungen Folter und übergab nicht widerrufende Verurteilte zur Hinrichtung an weltliche Behörden. Das war nicht pauschal ein Kampf gegen Wissenschaft, konnte aber wissenschaftliche Aussagen treffen, sobald sie mit der kirchlichen Auslegung und Autorität kollidierten. So wurde Galileo Galilei external link 1633 wegen des Vertretens des kopernikanischen Weltbildes der „schweren Häresieverdächtigung“ schuldig gesprochen und bis zu seinem Tod unter Hausarrest gestellt. Giordano Bruno external link wurde 1600 als unbußfertiger Häretiker verbrannt; seine Verurteilung betraf ein Bündel theologischer und philosophischer Lehren und lässt sich nicht allein auf sein kosmologisches Denken reduzieren.

Zwischen ungefähr dem 9. und 15. Jahrhundert waren Wissenschaften in vielen islamisch geprägten Gesellschaften tatsächlich weiter entwickelt als im damaligen Westeuropa. Treffender ist dabei, von Wissenschaft in der islamischen Welt external link zu sprechen: Herrscher förderten Übersetzungen und Forschung, Arabisch verband ein großes Wissensgebiet, und muslimische, christliche, jüdische sowie andere Gelehrte arbeiteten darin zusammen. Al-Chwarizmi external link prägte Algebra und Algorithmik; Ibn al-Haytham external link verband in seiner Optik mathematische Argumente mit Experimenten. Daraus folgt aber nicht, dass der Islam grundsätzlich wissenschaftsfreundlicher als das Christentum war. Beide Religionsräume kannten Förderung, Austausch, Machtkämpfe und Phasen der Unterdrückung.

Der dritte Tab nähert sich deshalb als Wirkungsgeschichte dem Thema an:

  • Welche religiösen Akteure oder Institutionen brachten wann neue soziale, ethische, kulturelle oder wissenschaftliche Impulse hervor?
  • Wer verursachte oder legitimierte wann Verfolgung, Gewalt oder Unterdrückung, gegen wen und mit welcher religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Begründung?

So lassen sich konkrete Ereignisse mit Quellen einordnen, ohne pauschal einer ganzen Religion “Gutes” oder “Verbrechen” zuzuschreiben. Die Auswahl ist ein Anfang und wird nach und nach erweitert. Mal sehen was ich da noch so finde.

Ursprünge von Religion

In der Evolution der Menschheit war Religion kein Unfall, sondern ein mächtiges soziales Werkzeug:

  • Menschen können biologisch gesehen nur in Gruppen von bis zu 150 Individuen echtes Vertrauen aufbauen.
  • Religionen schufen durch gemeinsame Mythen und allwissende, strafende Götter ein hyper-effizientes Kooperationsnetzwerk.
  • Fremde konnten einander vertrauen, weil sie denselben Gott fürchteten.
  • Religionen erklärten das Unerklärliche - Blitze und Donner, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Sinnfluten, Krankheiten, Tod - und gaben dem Leiden einen Sinn.
  • Frühe Gesetze wie die Zehn Gebote waren untrennbar mit göttlichem Recht verbunden, um moralisches Verhalten ohne moderne Justizsysteme durchzusetzen.
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Warum sie uns blockiert

Alle Konflikte und Reibereien teilen sich eine gemeinsame psychologische und strukturelle Ursache:

Sie prallen mit der Moderne zusammen.

  • Absolutheitsanspruch → Religionen basieren auf ewigen, unveränderlichen Wahrheiten. Eine moderne, globalisierte Welt erfordert jedoch Pluralismus, Kompromissbereitschaft und ständige Anpassung. Wenn eine Gruppe glaubt, den absoluten Willen Gottes aus zu führen, wird jeder politische Kompromiss zur Sünde.
  • Sakralisierung von Geopolitik → Konflikte um Land wie im Nahen Osten, oder um politische Macht wie zB. in den USA werden durch Religion von rationalen, verhandelbaren Streitigkeiten in kosmische Kriege zwischen Gut und Böse verwandelt. Einen Grenzverlauf kann man verhandeln; heiliges, von Gott gegebenes Land nicht!
  • Zuflucht vor Komplexität → Die moderne Welt ist hyperkomplex, digital und oft verunsichernd. Der Fundamentalismus bietet eine radikale Vereinfachung:
    • Klare Regeln
    • klare Feindbilder
    • klare Zugehörigkeit
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Wäre die Welt ohne Religion besser dran?

Da streiten sich die Gelehrten - natürlich.

  • Vertreter des New Atheism external link - wie Richard Dawkins external link oder Sam Harris external link - argumentieren, dass Religion eine kognitive Sackgasse ist, die systematisch das rationale Denken untergräbt.
  • Ohne Religion gäbe es keine Spaltung in “Gläubige” und “Ungläubige”, was die psychologische Grundlage für viele Kriege und Verfolgungen entziehen würde.
  • Menschenrechte, Frauenrechte und LGBTQ+-Rechte wurden historisch fast immer gegen den Widerstand religiöser Institutionen durchgesetzt. Ohne dogmatische Texte wäre ethischer Fortschritt schneller und pragmatischer.

Viele Soziologen und Historiker - wie Yuval Noah Harari external link - betonen, dass der Mensch ein “Mythen bildendes Tier” ist. Verschwindet die traditionelle Religion, wird sie oft durch säkulare Ideologien ersetzt, die sich exakt genauso verhalten: Das 20. Jahrhundert hat gezeigt, dass die blutigsten Regime der Menschheitsgeschichte – Nationalsozialismus und Stalinismus  – explizit antireligiös und säkular waren. Sie funktionierten jedoch nach denselben psychologischen Mustern: Dogmatismus, Führerfechtung, Inquisition und die Verfolgung von Abweichlern.

  • Religionen stiften weltweit nach wie vor enormen gesellschaftlichen Zusammenhalt, organisieren gigantische karitative Netzwerke - Krankenhäuser, Katastrophenhilfe, etc - und bieten Milliarden Menschen psychologischen Halt in Krisen, den staatliche Institutionen oft nicht auffangen können.
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Also: Das Problem unserer Zeit ist vermutlich nicht Religion an sich, sondern der menschliche Hang zu Dogmatismus external link , Tribalismus external link / Stammesdenken und der Unfähigkeit, Ambiguität external link auszuhalten.

Religion ist das älteste und mächtigste Gefäß für diese Tendenzen. Schafft man sie ab, sucht sich das menschliche Bedürfnis nach radikaler Eindeutigkeit oft neue, politische oder ideologische Ventile.

Aktuelle Probleme

Lass uns mal differenzieren! Um Religionen nicht pauschal zu verurteilen, ist es notwendig das wir unterscheiden zwischen:

  1. der Glaubenslehre - Theologie
  2. der Vielfalt der Gläubigen - Pluralismus
  3. und politischen Ideologien - Extremismus

Die Dinge sollte man nicht in einen Topf werfen, auch wenn es verlockend ist. Am Beispiel des Islam:

[ ISLAM ] ──(Politisierung)──> [ ISLAMISMUS ] ──(Gewaltbereitschaft)──> [ DSCHIHADISMUS ]
 Weltreligion                  Politische Ideologie                     Terrorismus

Politikwissenschaft und Soziologie trennen auf diese Weise Religion von der politischen Instrumentalisierung ab.

Religion versus Ideologie

  • Jede Religion umfasst spirituelle Praktiken, Ethik, Gebete und den Alltag von Menschen. Im Zentrum der Religion Islam stehen der Glaube an Gott (Allah), der Koran und die fünf Säulen: Gebet, Fasten, Pilgerfahrt etc. Er ist friedlich im Alltag verankert und besitzt kein einheitliches politisches Ziel.
  • Der Islamismus dagegen ist eine politische Ideologie. Islamisten nutzen religiöse Symbole und Texte, um politische Macht zu erlangen, eine ihnen genehme Gesellschaftsordnung zu erzwingen oder Gewalt / Terrorismus zu rechtfertigen. Terroristische Gruppen repräsentieren nicht die Religion als Ganzes. Für diese Leute ist der Islam nicht nur eine Religion, sondern ein allumfassendes Gesellschafts- und Staatssystem. Islamisten wollen die Scharia - als traditionelles islamisches Recht - zur alleinigen Grundlage des Gesetzes machen und lehnen zB. westliche Demokratien oft komplett ab. Viele Islamisten versuchen dieses Ziel mit politischen oder gesellschaftlichen Mitteln, zB. durch Parteien oder Vereine und ohne physische Gewalt zu erreichen.
  • Dschihadismus ist eine extremistische Teilströmung des Islamismus. Dschihadisten sind gewaltorientiert. Sie glauben, dass ihr politisch-religiöses Ziel nur durch Krieg, Anschläge und Terrorismus gegen “Ungläubige” - Andersdenkende, westliche Staaten, aber sehr oft auch gegen andere Muslime - erreicht werden kann.

Individuum versus Kollektiv

Vielfalt versus Homogenität

Schriften versus historische Auslegung

Kontextuelle Interpretation → Jede Religion - auch das Christentum und das Judentum - besitzt heilige Schriften, die Jahrhunderte alt sind und Passagen enthalten, die aus heutiger Sicht gewaltsam wirken. Entscheidend ist, wie Menschen diese Texte heute lesen. Die überwiegende Mehrheit der Muslime interpretiert den Koran friedlich und zeitgemäß. Extremisten betreiben “Rosinenpicken”. Sie reißen gern mal Verse aus ihrem historischen Kontext, um Gewalt zu legitimieren.

Das kann man auch auf andere Religionen anwenden.

Historische und politische Konflikte

Terrorismus entsteht fast nie rein aus theologischen Büchern, sondern ist meist das Produkt von

  • Krisen
  • Machtkämpfen
  • Geopolitik

Religion dient dabei als Katalysator und Rechtfertigung, um frustrierte Menschen zu mobilisieren. Die stärksten realpolitischen Treiber sind:

  • Staatszerfall und Machtvakuum → Terrororganisationen können erst dort groß werden, wo staatliche Strukturen kollabierten – wie nach dem Irak-Krieg 2003 external link oder während des syrischen Bürgerkriegs external link . Inmitten von Chaos und Anarchie bieten solche Gruppen den Menschen Ordnung, Schutz und Geld.

  • Geopolitische Interventionen → Westliche Interventionen im Nahen Osten external link , wie zB. im Irak oder Afghanistan - wurden von Extremisten erfolgreich als “Angriff des Westens auf den Islam” instrumentalisiert. Das erzeugt starke Feindbilder und dient der Rekrutierung.

  • Persönliche Perspektivlosigkeit und Diskriminierung → Junge Menschen, die sich Radikalen anschließen - auch in Europa, tun das aus einem Gefühl der Ausgrenzung, mangelnder Zukunftschancen oder Identitätskrisen heraus. Extremistische Gruppen geben denen das täuschende Gefühl von Gemeinschaft, Anerkennung und einem höherem Sinn.

  • Stellvertreterkriege → Regionale Mächte im Nahen Osten- wie das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran - haben jahrzehntelang konfessionelle Unterschiede angeheizt und radikale Gruppen finanziert, um ihre eigenen machtpolitischen Interessen in der Region zu sichern.

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Reformorientierte und liberale Strömungen

Genauso wie das Christentum hat auch der Islam eine lange Tradition der Debatte und Erneuerung. Viele Muslime und Wissenschaftler setzen sich aktiv für eine zeitgemäße Auslegung ein.

  • Historisch-kritische Koranexegese → Islamische Theologen - auch an deutschen Universitäten wie in Münster oder Frankfurt - betonen, dass der Koran in die arabische Gesellschaft des 7. Jahrhunderts hineingesprochen wurde. Regeln von damals, zB. zu Strafen oder Frauenrechten müssen demnach in ihren historischen Kontext gesetzt und für die heutige Zeit in Werte wie Gleichberechtigung und Menschenrechte übersetzt werden.
  • Der Sufismus /Islamische Mystik → Eine jahrhundertealte, sehr populäre Strömung im Islam, die den Fokus komplett weg von Gesetzen und hin zur inneren Spiritualität, Nächstenliebe und Toleranz legt. Für Sufis steht die persönliche Liebe zu Gott im Vordergrund, weshalb sie von Dogmatikern und Islamisten oft bekämpft werden.
  • Liberale Moscheegemeinden → Ein bekanntes Beispiel im deutschsprachigen Raum ist die Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee in Berlin - gegründet von Seyran Ateş. Hier beten Frauen und Männer gemeinsam in einem Raum, Frauen predigen, und die Gemeinde positioniert sich ausdrücklich für die Rechte von LGBTQ+-Personen und gegen jede Form von Patriarchat und Gewalt.
  • Säkulare Muslime → Millionen von Muslimen weltweit leben säkular. Das bedeutet, dass sie ihren Glauben als Privatsache betrachten und eine strikte Trennung von Staat und Religion befürworten, genau wie die Mehrheit der Christen in Europa.

Der Streit mit der Wissenschaft

Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion external link ist “historisch komplex”. Der anhaltende Konflikt beruht grundlegend auf der Differenz zwischen empirischer Überprüfbarkeit und dogmatischer Offenbarung - zb. Dei verbum external link , wobei historische und moderne Streitpunkte vor allem da entstehen, wo religiöse Systeme physikalische oder biologische Behauptungen aufstellen. Zur Schlichtung dieses Verhältnisses werden Modelle wie Stephen Jay Goulds NOMA-Konzept external link herangezogen, die jedoch angesichts ständiger inhaltlicher Überschneidungen oft an ihre Grenzen stoßen.

Die Wissenschaft hat viele “wörtliche religiöse Erklärungen” der Naturwelt widerlegt. Das schmälert ihre tiefe Bedeutung in vielen Lebensbereichen ausdrücklich nicht.

Die Wissenschaft nutzt empirische Belege und verdrängt dort Gott als direkte Ursache, wo natürliche Prozesse die Welt erklären und der allmächtige Gott scheinbar Wissenslücken offenbart. Beispiele:

  • Kosmologie & Kosmogonie → Die moderne Astronomie und Physik zB. Urknalltheorie haben das biblische Weltbild der “Schöpfung in sieben Tagen”, und “die Erde als starres Zentrum des Universums” als historische Mythen entlarvt.
  • Evolutionstheorie → Charles Darwin zeigte, dass der Mensch und alle Lebewesen durch natürliche Selektion entstanden sind, nicht durch eine plötzliche, göttliche Schöpfung aus dem Nichts.
  • Meteorologie & Geologie → Blitze, Erdbeben, Dürren und Seuchen werden heute durch physikalische und biologische Gesetze erklärt – nicht mehr als Strafe oder Zorn Gottes.
  • Neurowissenschaften → Phänomene, die früher als “Besessenheit” oder “göttliche Visionen” galten, werden heute oft als neurologische Erkrankungen wie Epilepsie oder Schizophrenie identifiziert.
  • …

Wissenschaft erklärt, wie die Welt funktioniert anhand von Fakten. Sie kann jedoch nicht erklären, warum wir hier sind oder wie wir leben sollten. Hier füllt die Religion neben der Philosophie weiterhin eine fundamentale Rolle aus.

  • Die Wissenschaft bietet keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens oder dem, was nach dem Tod kommt. Religion schenkt Menschen hier Hoffnung und Trost.
  • Wissenschaft ist wertneutral. Sie kann eine Atombombe bauen, aber nicht entscheiden, ob ihr Einsatz moralisch richtig ist. Religionen liefern gewachsene moralische Wertegemeinschaften und ethische Leitlinien.
  • Religionen stiften Identität und sozialen Zusammenhalt. Rituale bei Geburt, Heirat oder Tod strukturieren das menschliche Leben und bieten psychologischen Halt in Krisen.
  • In Momenten von schwerem Verlust, Leid oder unheilbarer Krankheit bietet der Glaube vielen Menschen eine Kraftquelle, die rein rationale Logik oft nicht ersetzen kann.
  • …

Wissenschaft und Religion stehen heute für viele Denker nicht zwangsläufig im Widerspruch, wenn man sie als zwei verschiedene Fensterscheiben betrachtet, durch die wir dieselbe Welt sehen: Die Wissenschaft liefert die harten Fakten der Realität, während Religion oder Philosophie versucht, diesen Fakten eine Bedeutung zu geben.

Es gibt Menschen die sehen das auch heute noch anders:

Die Opfer und die Toten

Der Konflikt zwischen dogmatischen religiösen/politischen Systemen und der freien, evidenzbasierten Wahrheit haben in der Geschichte viele Todesopfer gefordert und fordern sie bis heute. In der Vergangenheit wurden Wissenschaftler, Philosophen und Freidenker, die das religiöse Weltbild erschütterten, oft als Ketzer external link verfolgt, gefoltert oder hingerichtet:

  • Giordano Bruno (1600) → Der italienische Philosoph und Astronom wurde von der römischen Inquisition auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt. Er vertrat die (wissenschaftlich korrekte) Ansicht, dass das Universum unendlich sei und die Sterne ferne Sonnen sind.
  • Galileo Galilei (1633) → Er entging der Hinrichtung nur, weil er unter dem massiven Druck und der Todesdrohung der Inquisition offiziell seiner wissenschaftlichen Erkenntnis (dass die Erde sich um die Sonne dreht) abschwor. Er verbrachte den Rest seines Lebens unter strengem Hausarrest.
  • Medizinischer Widerstand → Über Jahrhunderte hinweg wurden Ärzte und Wissenschaftler, die menschliche Leichen sezierten, um die Anatomie zu verstehen, von der Kirche verfolgt, da dies als Schändung des Tempels Gottes external link und der Auferstehungshoffnung external link galt.
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Heute verbrennt die Kirche in westlichen Ländern keine Wissenschaftler mehr auf Scheiterhaufen. Dennoch führt das Ablehnen wissenschaftlicher Erkenntnisse external link aus religiösen Gründen bis heute weltweit zu Todesfällen:

  • Blockade von Medizin und Wissenschaft

    • Die HIV/Aids-Krise → Das jahrzehntelange Verbot von Kondomen durch die katholische Kirche (besonders restriktiv unter Papst Johannes Paul II.) sowie religiöse Tabus in vielen afrikanischen Ländern behinderten die wissenschaftlich fundierte Aufklärung dramatisch. Experten schätzen, dass diese religiöse Blockade der Wissenschaft Millionen Menschen das Leben kostete.
    • Impfgegnerschaft aus religiösem Fundamentalismus → Während der COVID-19-Pandemie und bei Masernausbrüchen sterben weltweit (unter anderem in extremen Freikirchen in den USA oder fundamentalistischen Gruppierungen weltweit) Menschen, weil religiöse Führer wissenschaftliche Impfungen als „Teufelszeug“ oder mangelndes Vertrauen in Gottes Heilung darstellen.
    • Verbot von Stammzellenforschung und Abtreibung → Religiöse Dogmen blockieren in vielen Ländern Gesetze zur biomedizinischen Forschung, die Heilungen für tödliche Krankheiten finden könnte, oder führen zu Verboten sicherer medizinischer Schwangerschaftsabbrüche, wodurch weltweit jährlich Zehntausende Frauen bei illegalen Eingriffen sterben.
    • …
  • Radikaler Fundamentalismus und Blasphemiegesetze

    • In einigen fundamentalistisch-theokratischen Staaten wie dem Iran, Saudi-Arabien oder Teilen Pakistans steht auf die Leugnung Gottes oder das offene Vertreten rein materialistisch-wissenschaftlicher Weltbilder / Atheismus formal oder faktisch die Todesstrafe oder Lynchjustiz.
    • Kritische Denker, Blogger und Naturwissenschaftler in diesen Regionen leben unter permanenter Lebensgefahr.
    • …

Überall dort, wo ideologischer Glaube über empirische Fakten gestellt wird – sei es in der Medizin, beim Klimawandel oder bei Menschenrechten – sterben Menschen tragisch und vollkommen überflüssig an den Folgen von vermeidbarer Unwissenheit. Appropos Opfer:

Religion und die Frauen

Warum hat man eigentlich den Eindruck Religion ist im wesentlichen ein Machtinstument von Männern um Frauen zu unterrücken?

  • Der Eindruck entsteht weil die großen Weltreligionen über Jahrhunderte hinweg als Machtinstrumente geformt wurden, um patriarchale Strukturen zu sichern und Frauen zu unterdrücken. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht lässt sich dieser Eindruck durch folgende Kernpunkte erklären:

  • Das Bedürfnis nach Kontrolle aus evolutionärer Unsicherheit → Anthropologische Forschungen - ua. von Carel van Schaik external link - zeigen, dass Menschen in der längsten Zeit ihrer Geschichte als Jäger und Sammler weitgehend gleichberechtigt lebten. Das änderte sich grundlegend mit der Erfindung der Landwirtschaft und des Privateigentums vor rund 10.000 Jahren.

    • Die Vaterschaftsunsicherheit → Männer wollten sicherstellen, dass ihr mühsam angehäuftes Eigentum - Land, Vieh, usw. - an ihre eigenen biologischen Nachkommen vererbt wird.
    • Da ein Mann sich im Gegensatz zur Mutter der biologischen Vaterschaft nie absolut sicher sein konnte, entstand das psychologische und strukturelle Bedürfnis, die weibliche Sexualität maximal zu kontrollieren. Hier kommt die Schwäche ins Spiel:
    • Aus der Angst vor Kontrollverlust bauten Männer gesellschaftliche Kontrollsysteme auf.
  • Religion als “göttliche Legitimation” für menschliche Herrschaft

    • Ein menschliches Gesetz, das Frauen benachteiligt, kann hinterfragt, kritisiert und geändert werden.
    • Wenn Männer behaupten, die Unterordnung der Frau sei der Wille Gottes, entziehen sie das Gesetz jeder menschlichen Diskussion.
    • Die Erfindung des göttlichen Segens → Religionen haben das Patriarchat zwar meist nicht erfunden, gaben ihm aber im Nachhinein den “göttlichen Segen”.
    • Einseitige Deutungsmacht → Über Jahrtausende durften fast ausschließlich Männer heilige Schriften aufschreiben, übersetzen und interpretieren. Männliche Gelehrte nutzten diese Macht instinktiv, um ihre eigene Vormachtstellung theologisch zu untermauern. Bekannte historische Beispiele zeigen diese tief sitzende Abwertung: Der Kirchenvater Augustinus sah die Frau als minderwertiges Wesen an, und Thomas von Aquinbeschrieb sie im 13. Jahrhundert philosophisch sogar als “verunglückten Mann”.
  • Regulierung des Körpers und Schuldzuweisung

    • Der Eindruck eines reinen Unterdrückungswerkzeugs verstärkt sich durch die tief verankerten Schuld-Narrative
    • Der Sündenfall → In der klassischen (patriarchalen) Auslegung der Genesis wird Eva die Schuld an der Vertreibung aus dem Paradies gegeben. Die Frau wird als “die Verführerin” und Quelle der Sünde gebrandmarkt.
    • Keuschheitsgebote → Die extremen Vorschriften bezüglich Kleidung, Verhütung, Jungfräulichkeit und Gehorsam in vielen fundamentalistischen Strömungen des Christentums, Judentums und Islams dienen faktisch dazu, die Autonomie der Frau über ihren eigenen Körper zu brechen.

Heute sind wir eigentlich weiter. Wir wissen: Wahre Stärke braucht keine Unterdrückung.

  • Wer die Hälfte der Menschheit systematisch von Führungsämtern, Bildung und Selbstbestimmung ausschließt, macht das aus einer tiefen Angst vor Augenhöhe und Konkurrenz, oder aus Hass, oder was weiß ich für unerfreulichen Gründen.
  • Systeme, die auf Angst, Verboten und der Abwertung des anderen Geschlechts basieren, kaschieren damit eine strukturelle Verwundbarkeit. Sobald Frauen Bildung erlangen und wirtschaftlich unabhängig werden - wie in modernen säkularen Gesellschaften, verlieren diese patriarchalen religiösen Kontrollmechanismen rasant an Macht.
    • …
  • …

Um das Bild abzurunden: Religionswissenschaftler betonen gern, dass die Ursprünge vieler Religionen oft erstaunlich progressiv waren, zum Beispiel:

  • Jesus brach im antiken Kontext radikal mit patriarchalen Tabus, indem er Frauen als engste Jüngerinnen und Zeuginnen seiner Auferstehung zuließ.
  • Im frühen Islam erhielten Frauen erstmals verbriefte Rechte auf Eigentum und Erbe, was in der damaligen arabischen Stammeskultur eine Revolution war.
  • …

Die Strukturen wurden oft erst in den Jahrhunderten danach von den herrschenden Männern wieder institutionalisiert und patriarchalen Kulturmustern angepasst.

Und der ganze Rest

Wenn man nicht an Gott oder Götter glaubt, ist man in der Regel Atheist.

  • Atheist / Atheismus → Das Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „ohne Gott“. Ein Atheist glaubt nicht an die Existenz einer Gottheit oder übernatürlicher Mächte. Manche sind überzeugt, dass es keinen Gott gibt, andere stellen einfach nur den Glauben daran nicht fest.
  • Agnostiker / Agnostizismus → Ein Agnostiker sagt nicht zwingend, dass es keinen Gott gibt. Er meint vielmehr, dass man die Existenz (oder Nichtexistenz) von Gott mit unseren Mitteln nicht wissen oder beweisen kann.
  • Nichttheist → Ein allgemeiner Oberbegriff für alle Menschen, deren Weltbild keinen Gott beinhaltet ohne dass sie aktiv an den Nicht-Glauben appellieren müssen.

Als strukturgebende Philosophie dient für Menschen, die nicht an Gott glauben, meistens der Humanismus – genauer gesagt der Säkulare Humanismus. Da es keinen gemeinsamen Gott oder heilige Schriften gibt, gibt es nicht die eine feste Lehre. Stattdessen orientieren sich die meisten Atheisten und Agnostiker an folgenden philosophischen Strömungen und Denkweisen:

  • Die Werte-Basis
    • Säkularer Humanismus → Kommt einer “Ersatzreligion” im positiven Sinne am nächsten. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Werte wie Menschenwürde, Mitgefühl, Freiheit und Vernunft werden hier großgeschrieben – ganz ohne göttliche Gebote.
    • Aufklärung und Rationalismus → Die Überzeugung, dass Vernunft, Logik und kritisches Denken die besten Werkzeuge sind, um die Welt zu verstehen und moralische Entscheidungen zu treffen.
    • Existenzialismus → Eine Philosophie (geprägt von Denkern wie Jean-Paul Sartre), die besagt: Es gibt keinen vorgegebenen göttlichen Plan. Jeder Mensch ist selbst dafür verantwortlich, seinem Leben einen Sinn zu geben.
  • Das Weltbild
    • Naturalismus / Materialismus → Die Annahme, dass nur das existiert, was naturwissenschaftlich messbar und beweisbar ist - Materie, Energie, Naturgesetze. Übernatürliche Phänomene werden abgelehnt.
    • Szientismus → Ein starkes Vertrauen in die Wissenschaft als die einzig zuverlässige Quelle für Wahrheit und Erkenntnis.
  • Woher kommt die Moral ohne Gott

Ob du ein guter oder schlechter Mensch bist ist imho völlig unabhängig von allen Glaubensmodellen. Es gibt Menschen die legen eine beeindruckende kognitive Dissonanz an den Tag was das angeht, und fallen gern mal in die Schublade der Scheinheiligen, Pharisäer, etc.

Apropos Regeln

Jede Religion hat ihre eigenen zentralen Verhaltensregeln und Vorstellungen darüber, was nach dem Tod geschieht oder wie moralisches Fehlverhalten bestraft wird. Die Annahme, dass das Christentum primär durch die Zehn Gebote und die Angst vor der Hölle definiert ist, greift zwar theologisch etwas kurz, da dort die Gnade und Nächstenliebe im Zentrum stehen, sie beschreibt aber gut das kulturhistorische Bild. Ein Blick auf das Judentum, den Islam und die östlichen Religionen zeigt grundlegend andere Dynamiken:

  • Das Judentum legt den Fokus auf das Diesseits

    • Das Judentum ist die Mutterreligion des Christentums, unterscheidet sich aber in Bezug auf die jenseitsbezogene Angst fundamental.
    • Statt nur der 10 Gebote - die im Judentum “Zehn Worte” heißen und den Kern bilden - kennt die Tora insgesamt 613 Gebote und Verbote / Mitzwot. Sie regeln detailliert das gesamte Leben – vom Essen / Koscher-Vorschriften über die soziale Gerechtigkeit bis hin zu Feiertagen.
    • Eine ewige, von Teufeln bewirtschaftete Folterhölle wie im populären christlichen Glauben gibt es im Judentum nicht. Es dominiert der Fokus auf das Leben im Hier und Jetzt. Für das Jenseits existiert das Konzept des Gehinnom. Dies wird nicht als ewige Verdammnis verstanden, sondern als eine Art temporärer “Waschsalon” oder Therapie für die Seele. Die Seele wird dort maximal 12 Monate lang von ihren diesseitigen Sünden gereinigt, um danach geläutert zu Gott aufzusteigen.
  • Der Islam hat Klare Regeln und das Jüngste Gericht

    • Der Islam teilt mit dem Christentum eine sehr bildhafte und eindringliche Vorstellung von Himmel und Hölle.
    • Das Fundament des muslimischen Lebens bilden die Fünf Säulen des Islams - Glaubensbekenntnis, tägliches Gebet, soziale Pflichtabgabe/Zakat, Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka. Ergänzt wird dies durch die Scharia, das islamische Rechtssystem aus Koran und Prophententradition / Hadithen. Viele ethische Grundwerte der 10 Gebote - zB. das Verbot von Mord, Diebstahl, Ehebruch - finden sich im Islam als schwere Sünden wieder.
    • Die Hölle /Jahannam wird im Koran sehr plastisch als Ort des Feuers, der Hitze und körperlicher Qualen beschrieben. Am Jüngsten Gericht werden die Taten der Menschen auf einer Waage abgewogen. Wer sündig war, kommt in die Hölle. Allerdings gilt im orthodoxen Islam: Für gläubige Muslime, die schwere Sünden begangen haben, ist die Hölle oft zeitlich begrenzt; sie werden irgendwann durch die Gnade Allahs gerettet. Ewige Verdammnis droht laut traditioneller Lehre vor allem jenen, die Gott leugnen oder ihm andere Götter beigesellen / Schirk.
  • Im Hinduismus und Buddhismus gibt es Karma statt Hölle

    • Die großen östlichen Religionen funktionieren nach einem völlig anderen kosmischen Prinzip.
    • Es gibt keinen personifizierten Schöpfergott, der am Ende des Lebens ein Urteil spricht.
    • Der Hinduismus → hat Dharma, die kosmische und moralische Ordnung.
      • Die verpflichtet den Menschen zu Pflichtbewusstsein, Gewaltlosigkeit / Ahimsa, Wahrheit und Geduld.
      • Karma & Reinkarnation → Jede Tat hat eine direkte Folge. Schlechte Taten führen nicht zu einer ewigen Hölle, sondern zu einer schlechteren Wiedergeburt - zB. als niederes Wesen oder in einem leidvollen Leben. Das Ziel ist der Ausbruch aus diesem Kreislauf / Moksha.
    • Buddhismus → Der Edle Achtfache Pfad und die Fünf Silas.
      • Vorsätze → Nicht töten, nicht stehlen, kein sexuelles Fehlverhalten, nicht lügen, keine Rauschmittel.
      • Karma & Nirwana → Auch hier bestimmt das Karma die nächste Existenz. Der Buddhismus kennt zwar temporäre “Höllenwelten” - Zustände extremen Leids, diese sind aber wie alles andere vergänglich. Das Endziel ist das Nirwana – das völlige Erlöschen von Gier, Hass und Verblendung.

Literatur zum Thema

  • “Die Geschichte von Gott: 4000 Jahre Judentum, Christentum und Islam”, Karen Armstrong

    • Die renommierte britische Religionswissenschaftlerin beschreibt in dem Standardwerk meisterhaft, wie Menschen ihre Vorstellung von Gott über Jahrtausende hinweg angepasst haben. Es schlägt den Bogen von den mythologischen Anfängen bis hin zu den heutigen Weltreligionen.
  • “Die Mosaische Unterscheidung oder Der Preis des Monotheismus”, Jan Assmann

    • Ein wissenschaftliche Klassiker. Der berühmte deutsche Ägyptologe und Kulturwissenschaftler prägte den Begriff der “Mosaischen Unterscheidung”. Er analysiert messerscharf den radikalen Umschwung von der altägyptischen Götterwelt hin zur Erfindung der “wahren” monotheistischen Religion und die damit verbundenen gesellschaftlichen Konflikte.
  • “Exodus: Die Revolution der Alten Welt”, Jan Assmann

    • Ergänzend dazu untersucht Assmann in diesem Werk speziell die Gründungserzählung des Monotheismus und zieht direkte Parallelen zwischen dem altägyptischen System und dem Aufkommen des jüdischen Ein-Gott-Glaubens.
  • “Göttinnen, Götter und Gottessymbole”, Othmar Keel / Christoph Uehlinger

    • Die archäologische Perspektive. Die Autoren zeigen anhand von tausenden im Nahen Osten ausgegrabenen Stempelsiegeln und Figuren, wie sich Jahwe im antiken Israel erst langsam aus einem polytheistischen Umfeld herausschälte.
  • …

Religion und Wissenschaft

Religion und Frauen

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