Prävention

Vorbemerkung

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden deine Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden deine Taten.
Achte auf deine Taten, denn sie werden deine Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

(Aus dem jüdischen Talmud)

Gewaltprävention beginnt nicht erst im Erwachsenenalter, wenn wir verhindern wollen selbst Opfer von Gewalt zu werden, sondern schon in der Kinderstube. Den Eltern fällt dabei, wen wundert es, eine besondere Rolle zu. Deshalb werden wir zunächst diesen Aspekt der Gewaltprävention kurz ausleuchten.

Danach geht es hauptsächlich darum, das Du dich selbst kennen lernst. Es geht darum Deine eigenen Stärken und Schwächen herauszufinden, dein Verhalten, deine Körpersprache kritisch zu durchleuchten, und zu verbessern. Du musst deine Lähmung überwinden und aktiv werden, denn Täter suchen vorwiegend Opfer, nicht Gegner.

Was Kinder brauchen um nicht gewalttätig zu werden

  • Geborgenheit
  • Mindestens eine vertraute Partnerbeziehung
  • Zusammengehörigkeitsgefühl
  • Selbstwertgefühl
  • Begleitung in die Zukunft
  • Klärung von Zukunftserwartungen
  • Über gesellschaftliche Widersprüche reden.
  • (Ab und zu) Orientierung
  • Jemand der Sie stark macht
  • Raum zum auspowern
  • Zeit für Irrwege
  • Räume/Atmosphäre um wieder Ruhe zu finden

Gewalt in der Erziehung

…ist verboten, seit der Bundestag im Juli 2000 das Gesetz zur gewaltfreien Erziehung verabschiedet hat. Es besteht nach wie vor Streit darüber wo die Gewalt anfängt. Ein Klaps 1 auf den Po, oder der harte Griff und Zug am Arm, um das Kind vor dem heranfahrenden Auto in Sicherheit zu bringen? Solche Art von Gewalt ist mit Sicherheit manchmal notwendig. Jeder der Kinder erzieht oder erzogen hat, wird das bestätigen können.

Es ist jedoch wichtig, wenn oft auch mühsam, den entstandenen Schaden durch tröstende Worte, Erklärungsversuche, und/oder auch ein Trostpflaster in Form eines Schokoriegels oder ähnlichem  wieder gut zu machen. Auf gar keinen Fall darf man sein Kind  mit seiner eigenen, noch eingeschränkten Verarbeitungsmöglichkeiten  des Erlebten und Erlittenen alleine lassen.  

Auch wenn Gewalt noch so verachtungswürdig ist: Kinder haben ein Recht 2 darauf den Umgang mit Gewalt zu üben. Sie müssen Erfahrungen mit  psychischer und physischer Gewalt sammeln, um Eskalationsmechanismen und deren Auswirkungen zu verstehen, damit sie letztlich den Sinn gewaltfreier Kommunikation als erstrebenswert erachten. 

Aus diesem Grund ist es auch sinnvoll nicht jede Auseinandersetzung und Prügelei unter Kindern durch elterliche Intervention zu verhindern. Begleitung und Einmischung von Dritten (Erwachsenen)  sollte der nachfolgenden Reflexion und Aufarbeitung dienen, mit dem Ziel der Entwicklung alternativer  Lösungswege. Die überwältigende Mehrzahl der Menschen setzt Gewalt nach wie vor als legitimes Mittel ein, da sie selbst in ihrer Jugend nicht anders erzogen worden sind, und diese Methode verinnerlicht haben. Ein Mittel Kinder die Welt der physischen Gewalt erleben zu lassen, ist der Kampfsport.

Kampfsport & Jugendgewalt

“Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.” - (Rene Descartes)

Jede sportliche Betätigung baut Stress und damit auch Aggression ab. Gleichzeitig wird das Selbstwertgefühl aufgebaut, was unzweifelhaft einen großen Teil zur Gewaltprävention beiträgt. Eine Erhöhung der „Wehrhaftigkeit“ auf dem Schulhof auf Seiten der potentiellen Opfer fördert die Bereitschaft zur Zivilcourage und macht die potentiellen Übeltäter vorsichtiger. Die prinzipielle Einsicht sich wehren zu können, reicht in vielen Fällen aus um sich gegen Gewalt erfolgreich wehren zu können. 

Jungs führen oftmals Rangkämpfe durch, um herauszufinden wer der Stärkste ist. In der Schule wird das aber nicht gerne gesehen. Eine Kampfkunstschule bietet hier die Möglichkeit  diese gewaltsamen Vergleichskämpfe in einen geschützten Raum zu verlagern, und Regeln zu unterwerfen. Aber nicht nur Kampfkünste, sondern fast jede beliebige Sportart bietet Raum für Vergleichskämpfe. Partnerübungen entwickeln die soziale Kompetenz der Kinder und jugendlichen, sportliche Regeln setzen Grenzen. Problemkindern kann in verantwortungsbewusst geführten Kampfsportschulen geholfen werden, Defizite auf diesen Gebieten aufzuarbeiten, sodass zukünftig vielleicht weniger potentielle Schläger die Straßen unsicher machen.

Soviel zu diesem Thema. Um es mit Monty Python zu sagen: „Kommen wir jetzt zu etwas ganz anderem“. Wenden wir uns der praktischen Seite der Prävention zu. Beschäftigen wir uns mit Deiner Angst, Deinem Selbstbewusstsein, Deiner Körpersprache um dann zur eigentlichen Konfrontation mit dem Gegner vorzustoßen.

Warum hat der Täter Erfolg?

  • Der Täter lebt davon, das das Opfer nicht auf seine innere Stimme hört.
  • Der Täter ist vom Verhalten des Opfers abhängig, damit sein Plan funktioniert.
  • Der Täter labert sich ran. Schaut auf Körpersprache, überschreitet die Grenzen. Oftmals werden auch Drogen, bzw. K.O.-Tropfen 3 verwendet, um das Opfer willenlos und schutzlos zu machen.
  • Das Opfer verdrängt die Gefahr, blendet sie weg, und letztlich schaltet es im Extremfall „ab“, steigt einfach aus dem Körper aus.

Über Angst, Schreck & Schock

Angst ist dein ärgster Feind, und dein Verbündeter. Es gibt verschiedene Formen der Angst. Sie kann sich zunächst einmal als diffuses Hintergrundrauschen äußern. Du hast z.B. Angst vor Spinnen, nicht nur wen Du in den Keller gehst. Dann ist es auch egal ob da Spinnen sind oder nicht. Die Angst ist einfach da. Sie erreicht eine 2.Stufe, wenn Du dann tatsächlich im Keller einem ausgewachsenen Exemplar von Jagdspinne gegenüberstehst. Was folgt ist die Schreck-Zehntelsekunde, gefolgt vom Schock, kannst Dich nicht rühren, hast aufgehört zu Atmen, der Schweiß steht Dir auf der Stirn. Dein Körper schreit nach Flucht. Nehmen wir an, das Tier überwindet seine Angst vor Dir schneller, und krabbelt blitzschnell an deinem Fuß hoch und verschwindet in deinen Hosenbein…

Die Symptome der Angst

Woran erkennst Du, das du Angst hast, oder geschockt bist?

Dir zittern die Hände oder der ganze Körper, die Hände sind feucht, du hast einen erhöhten Puls, Herzklopfen, Kreislaufprobleme (Fahles, blasses Gesicht,Schwindel, Ohnmacht), du schwitzt, atmest kurz und flach oder hältst ganz die Luft an, und bist weitestgehend gelähmt bzw. handlungsunfähig, Panik steigt in dir auf, du kannst nicht mehr klar denken. Vielleicht erfährst du einige, im schlimmsten Fall alle diese Symptome.

Im ersten Moment des Angriffs wirst Du immer geschockt sein.

Wie stark dieser Schock ausfallen wird, und wie lange er anhält, hängt von verschiedensten Umgebungsfaktoren ab. Dazu gehören deine individuellen Vorerfahrungen, die Erziehung bzw. angeborene oder anerzogene Verhaltensweisen, deine derzeitige psychische und physische Verfassung, und nicht zuletzt die Art des Angriffs, sowie das Umfeld in dem der Übergriff stattfindet. Der „Ausfall“ dauert auf jeden Fall lange genug (zu lang), um einem Angriff wehrlos ausgeliefert zu sein.

Dazu kommt noch eine Art Tunnelblick, der Dich dazu verleitet die drohende Gefahr einfach weg zu blenden/zu verdrängen. „Der fremder Typ, der den Arm um mich legt, meint es doch bestimmt nicht böse…“ . Der Tunnelblick hat auch die konkrete Auswirkung, das dein Gesichtsfeld eingeschränkt ist. Du nimmst nicht mehr war, was unmittelbar rechts und links neben Dir geschieht.

Jeder Mensch hat Angst, sie ist etwas ganz natürliches. Durch leugnen, oder verdrängen verschwindet sie nicht. Sie entspringt deinen innersten Urinstinkten, und wird immer wiederkehren. Die Angst ist Dein Verbündeter. Sie stellt ein sinnvolles Frühwarnsystem dar, auf das du unbedingt hören solltest.

Dein Körper setzt in Stresssituationen vermehrt Streßhormone in Form von Adrenalin, sowie Testosteron frei. Er löst so einen Flucht- oder Angriffsimpuls in Dir aus, und das ist auch gut so. Außerdem wird Deine Schmerzempfindlichkeit herabgesetzt, du bist in der Lage Kräfte zu entwickeln, von denen Du bisher gar nichts ahntest.

Ziel kann es deshalb nur sein, die Angst als Teil deiner Existenz zu akzeptieren, und zu lernen mit Ihr umzugehen. Statt Angst zu verdrängen solltest Du dir die Angst zu Nutze machen, ohne das du das zur Manie werden lässt, und den Spaß am Leben verlierst.

Paranoia zu haben, heißt alle Fakten zu kennen! - (William S. Burroughs)

Tips, nicht nur für Frauen…

Angst bewältigen

Was musst Du nun konkret tun um Deine Angst zu bewältigen?

Angst haben wir im wesentlichen vor allem was uns unbekannt ist, und vor Situationen, die wir meinen nicht kontrollieren zu können. Darin liegt auch die Lösung für das Problem.

Es gilt das eigene Verhalten selbstkritisch zu durchleuchten und die Angstquellen abzustellen. Überlege genau was dir Angst macht. Unter welchen Bedingungen hättest Du keine Angst mehr?

Führe Gedankenspiele durch. Stelle dir verschiedene Angst-Situationen vor, und überlege wie Du Sie lösen würdest.

Trete selbstbewusst auf. Lass dir nicht die Butter vom Brot nehmen. Sag auch mal „nein“, wenn es niemand erwartet. Lerne ernst und böse zu schauen. Werde auch mal laut, wenn dir etwas auf den Geist geht. Benenne Fehlverhalten klar und ohne Schnörkel, und sage was Du vom Anderen erwartest. Lass dich auf keine Diskussionen ein, wiederhole deine Forderung wenn nötig mehrfach. Mach dir nix daraus, wenn andere Leute dich für gekloppt halten, sei immer schön eigen“artig“.

Und im Ernstfall, wenn es dann wirklich mal kracht?

Dafür automatisierst Du Abwehrtechniken, um eine gewisse Handlungsfähigkeit zu sichern. Techniken und Situationen beherrschen fördert das Selbstwertgefühl. Wenn Du keine Angst mehr vor körperlicher Gewalt hast, kannst du im Vorfeld selbstbewusster auftreten. Ein potentieller Angreifer merkt dann sehr schnell, das Du kein geeignetes Opfer bist.

Wandele deine Angst in Energie um. Setze deine Stimme ein, Schrei: „Stop!“, “Gehen Sie weg!“, „Hau ab!“, „Lassen Sie mich in RUHE!“, „Verpiss dich!“, „Hilfe Überfall!“ (nicht nur Hilfe!), „Feuer!…“. Schreien hat noch weitere positive Aspekte: Du lenkst den Angreifer ab, und erregst die Aufmerksamkeit der Umgebung, das ist das Letzte was der Angreifer will. Schreien mobilisiert Kräfte, deine Technik wird dynamischer.

Konditioniere dich selbst durch positives Denken. Sag dir immer wieder „Ich schaff das, ich kann das“. Sei egoistisch und denk an dich! - Was aus dem Angreifer wird soll dir egal sein. Er hätte dich eben nicht angreifen dürfen…

Sicherheit schaffen

Untersuche Wege die Du öfter gehst wie z.B. deine Joggingstrecke, der Weg von und zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Sport. Beobachte aufmerksam das Umfeld und schau nach potentiellen Gefahren und Fluchtmöglichkeiten.

Beobachte immer dein Umfeld. Lass dich nicht ablenken, wenn Du angesprochen wirst.

Kram den Haustürschlüssel nicht erst an der Wohnungstür heraus, sondern halte ihn schon vorher bereit, du kannst ihn auch hervorragend als Waffe einsetzen. ▷Siehe auch  „Fehler: Referenz nicht gefunden“  auf Seite Fehler: Referenz nicht gefunden.

Halte im Auto nicht mehr Türen wie nötig unverschlossen (Vorsicht an Ampeln). Lege keine Taschen oder Wertgegenstände auf dem Beifahrersitz ab. Am besten nicht in unübersichtlichen Bereichen parken. Den Wagen nach dem verlassen immer abschließen. Nie, nie aber auch niemals Anhalter mitnehmen.

Trage deine Papiere am Körper, und nicht in einer Handtasche, oder sogar auf mehrere Taschen verteilt.

Du bist als Jogger/in niemals alleine unterwegs. Wenn Du dennoch alleine Unterwegs bist, dann läufst Du nicht nicht immer dieselbe Strecke, bist nicht immer zu gleichen Uhrzeit unterwegs und verzichtest selbstverständlich auf die Beschallung deiner Ohren durch einen Walkman. Du wählst vielleicht eine belebte Strecke, auf jeden Fall hast Du - wie immer - Augen und Ohren für deine Umgebung offen.

Wissen ist Macht. Nix wissen macht nix?

Du musst ja nicht alles selbst machen und können. Aber wissen wie es geht, macht stark!

Als Frau eignest Du dir Fachkenntnisse aus klassischen Männerdomänen an. So bist Du nicht dauernd auf fremde Hilfe angewiesen. Kannst Du zum Beispiel beim Auto: Die Motorhaube4 öffnen oder den Tankverschluss? Kannst Du Reifen wechseln, tanken, Kühlflüssigkeit nachfüllen, Ölstand messen, Sicherungen auswechseln etc.

Kennst Du die gängigsten Symptome für Probleme am Auto und bist über die Lösungen im Bilde, dann kann dir niemand mehr einen Bären aufbinden. Kannst Du an deinem Fahrrad den Reifen flicken, oder eine abgesprungene Kette aufziehen? Wenn Du oft ein Fahrrad benutzt, besuche einen entsprechenden Kurs, oder lass es dir von jemandem deines Vertrauens zeigen.

Einige Beispiele

Du sitzt öfter alleine mit einem Fahrgast im Bus. Du hast immer das Gefühl das er Dich beobachtet. Der Mann steigt immer mit dir an der gleichen Haltestelle aus, und Du hast Angst, wenn er hinter Dir hergeht. Lass ihn zuerst aussteigen. Wenn er vor dir geht, kann er dich nicht überraschen.

Bist Du Nachts auf einem relativ einsamen Bahnhof unterwegs, und ein paar düstere Gestalten drücken sich auf dem Bahnsteig herum? Folge deinem Bauchgefühl. Stell dich nicht dazu! Suche einen belebten, hell erleuchteten Ort auf. Wenn die Bahn kommt kannst du den Bahnsteig betreten. Vermeide es mit den Typen alleine im Abteil zu sein. Warte auf die nächste Bahn, oder wechselt das Abteil. Steig zur Not an der nächsten Station aus. Ich hoffe Du benutzt nie die letzte Bahn des Tages. Du musst dir immer die Option offen halten eine nachfolgende Bahn benutzen zu können. Wenn gar nichts mehr geht, ruf dir ein Taxi… und lass dich von einer Frau fahren.

Du sitzt in der Bahn. Vor dir ein Typ, der dich die ganze Zeit provokativ anstarrt. Du könntest natürlich aufstehen, und weggehen. Stell dich schon mal an die Türe, wenn du sowieso aussteigen willst. Du kannst ihn auch testen: Schaut ihn an, nicht direkt in die Augen sondern am Ohr vorbei, oder auf die Nasenspitze. Warte die Reaktion ab. Schaut er weg, weil du ihn ertappt hast, oder starrt er weiter?

Setzt Du dich woanders hin, dann hast du vom psychologischen Standpunkt aus zunächst verloren. Was machst Du wenn der Typ sich einfach wieder dir gegenüber hinsetzt? Jetzt weist du wenigsten Bescheid, das er es auf dich abgesehen hat.

Spätestens jetzt wird es Zeit ihm die Meinung zu sagen. Entweder zynisch: „Wollen Sie ein Photo“? Das kann allerdings missverstanden werden, besonders wenn die Körpersprache nicht stimmt! Besser: „Lassen Sie mich in Ruhe“! - wer hier höflich sein will kann auch BITTE sagen. Lass dich nicht in ein Gespräch verwickeln, fange keine Diskussionen an. Wenn er dir dumm kommt, wiederhole deine Forderung energischer.

Vielleicht hast du Angst dich daneben zu benehmen, oder jemanden zu Unrecht anzupflaumen. Oder du hast Angst, das die Angelegenheit eskaliert, und der Typ ausfallend reagiert. Überlegt mal. Was hast Du zu verlieren?

Es soll dir doch egal sein was der Typ über dich denkt. Vielleicht hast Du dich geirrt, und ihn zu Unrecht zurechtgewiesen. Ist der Typ in Ordnung, wird er dein Anliegen respektieren. Reagiert er ausfallend, dann hast du einen Volltreffer gelandet. Er respektiert dich nicht! Warum willst Du jemanden respektieren, der dich nicht respektiert? - Also keine falsche Scham!

Du hast das Gefühl, das dich jemand verfolgt? Dreh dich plötzlich um und gehe ihm entgegen. Achte auf die Reaktion. Wenn er an dir vorbeigeht, laß ihn nicht aus den Augen. Wenn nötig konfrontiere ihn: „Warum verfolgen sie mich?“.

Körpersprache

„Um zu siegen mußt Du in die Haut Deines Gegners schlüpfen.
Wenn Du Dich selbst nicht kennst, wirst Du immer verlieren.
Wenn Du Dich selbst kennst,
wirst Du die Hälfte Deiner Kämpfe gewinnen.
Wenn Du Dich und Deinen Gegner kennst,
wirst Du immer gewinnen.“ (Tsutomu Oshima)

Unter dem Begriff Körpersprache versteht man alle Arten von Signalen in der menschlichen Kommunikation, die nicht zur Sprache gehören. Diese Signale können aber durchaus zusätzlich zur Sprache verwendet werden. Dazu gehören die so genannten „motorischen Kanäle“ Mimik, Gestik, Augenkommunikation, Körperbewegung/-haltung/Kinetik, sowie die „physiochemischen Kanäle“ Geruchssinn, Tastsinn, und Wärme-/ Kälteempfinden. Im weiteren Sinne zählen auch Körpergeruch, Kleidung, und Accessoires dazu. Wir werden uns Körperhaltung, Gesten, Mimik und Augenkommunikation näher anschauen.

Körpersprache ist leider nicht eindeutig, da alle Menschen unterschiedlich „gestrickt“ sind. Dazu kommt noch, das jeder Kulturkreis seine eigenen Regeln hat. Deshalb sind Missverständnisse vorprogrammiert. Für eine eindeutige Interpretation benötigst Du meist eine sehr genaue Kenntnis der Person, des Umfeldes und der Situation. In der Regel werden Dir einige Informationen fehlen.

Bei einer Kommunikation gibt es immer zwei Seiten. Eine Person, die Informationen sendet, und eine Person die diese empfängt. Entscheidend ist nicht das, was Du als Sender „rüberbringen“ willst, sondern was die oder der Andere empfängt und interpretiert. Wichtig ist also für Dich herauszufinden, ob das was du sendest, auch richtig ankommt.

Selbstbild – Fremdbild

Körpersprache ist auch immer ein Abbild deines inneren Zustandes. Deshalb möchte ich zunächst, das Du Deinen Blick auf Dich selbst richtest.

(Siehe nächste Auflage)

Körperhaltung

Gangbild, sitzen, stehen. (Siehe nächste Auflage)

Gestik

Gesten sind ein Teil Deiner Körpersprache die durch Bewegung der Hände und Arme ausgeführt werden. Sie können bewusst oder unbewusst, oft begleitend zur Sprache  eingesetzt werden. Beiläufige Gesten und Bewegungen wie z.B. kratzen, husten, gähnen, oder Glieder strecken, liefern dem Beobachter Informationen über Deine Stimmung oder dein Befinden.  Beispiele für bewusst einzusetzende Gesten, die in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Bedeutung haben:

Diese Geste bedeutet in Nordamerika und Europa: “O.K.” beziehungsweise “gut so”. In Frankreich, Belgien, und Tunesien jedoch “Null” oder “wertlos”. In Japan wiederum “Geld”. In Deutschland, Sardinien, Malta, Tunesien, Griechenland, Türkei, Russland, dem nahen Osten und Teilen von Südamerika einfach “Arschloch”.

Diese Geste bedeutet in den USA und vielen anderen Ländern “prima” oder “hervorragend”. In Australien und Nigeria sendest Du damit ein freundliches “verfick Dich” aus. Du kannst diese Geste in vielen Ländern gefahrlos zum Auto stoppen verwenden. In Australien und Nigeria solltest Du das lieber lassen, dort steht diese Geste als alternative zum berüchtigten „stinkenden Mittelfinger". In Deutschland bedeutet diese Geste “ein”, „Alles in Ordnung“, oder auch „einschalten“. Die Japaner sehen darin eine harmlose “fünf”.

Diese Geste mit der linken Handinnenseite in Richtung des Gegenübers, bedeutet in fast der ganzen Welt “Sieg” oder “Frieden”. 

Führst Du diese Geste versehentlich mit der rechten Handaussenseite aus, dann beleidigst Du  Engländer und Australier mit einem freundlichen “verfick dich”.

Wenn jemand mit dem Kopf nickt, bedeutet das nicht weltweit “Ja”. In Indien, Pakistan oder Bulgarien wiegt man für ein “Ja” gerne den Kopf hin und her. Die Äthiopier werfen den Kopf sogar in den Nacken, um etwas zu bejahen.

Um ein eindeutiges “Nein” anzudeuten ist das Kopfschütteln sehr weit verbreitet. In den arabischen Ländern, in der Türkei oder in Süditalien neigt man dafür allerdings den Kopf zurück. In Griechenland werden oft nur die Augenbrauen hoch gezogen.

Anhand dieser einfachen Beispiele (Quelle:3.1) kannst Du Dir leicht klarmachen in welche Schwierigkeiten Dich eine unbedachte Geste bringen kann. Verwende auf einer Reisen im Ausland daher nur Gesten, von denen Du genau genau weist was sie vor Ort bedeuten.

Mimik

Die sichtbaren Bewegungen deines Gesichtes, hervorgerufen durch Kontraktion der entsprechenden Gesichtsmuskeln, werden als Mimik bezeichnet. Durch deinen Gesichtsausdruck erfährt dein Gegenüber ziemlich genau, wie deine Stimmung und Handlungsabsichten sind. Dadurch kann er seine eigenen Reaktionen angepaßt steuern. Dein Gesichtsausdruck und deinen innerer Zustand (Laune, Gefühle) beeinflussen sich wechselseitig. Wenn Du  fröhlich bist, lachst Du, und wenn Du ein Lachen aufsetzt, verbessert sich in der Regel automatisch bis zu einem gewissen Grad deine Stimmung.  Herzfrequenz, Durchblutung und Blutdruck verändern sich. Gefühle sind ansteckend, wenn Du lachst bringst du dein Gegenüber auch zum lachen. Bei uns in Europa kannst Du zum Beispiel:

  • Die Stirn zu runzeln um jemanden zu tadeln.
  • Die Unterlippe vor schieben und verstärkend die Augen  verdrehen um  Ungläubigkeit bzw. Skepsis auszudrücken. 
  • Einseitig zu feixen um spöttig zu wirken. 
  • Die Nase zu rümpfen und die Nasenlöcher zu blähen um Abscheu bzw. Ekel deutlich zu machen. 
  • Dein Gegenüber angähnen, um ihn beleidigend zum Langweiler zu erklären. 
  • Ihn unverwandt anstarren um zudringlich oder gar drohend zu wirken.

Es gibt insgesamt sechs kulturübergreifende Grundemotionen: Wut, Trauer, Angst, Ekel, Erstaunen und Freude. Wie sich diese Stimmungen im Gesicht ausdücken wurde vom Verhaltensforscher Prof. Schiefenhövelexternal link erforscht.

Die beweglichsten Teile des Gesichtes sind Mund und Augen, damit kannst Du für dein Minenspiel schon viel erreichen.  

EmotionAusdruck und WirkungBiologische Ursache
EkelNase rümpfen.

Hebst Du zusätzlich die Oberlippe und öffnest leicht den Mund, dann machst Du ein Gesicht wie kurz vor dem Erbrechen. Auf diese Mimik greifst Du zurück, wenn du jemanden buchstäblich „zum Kotzen“ findest.

Ein weiteres Zeichen der Ablehnung setzt du, indem Du die Augenbrauen zusammenziehst. So schützt Du deine Augen vor zu starkem Lichteinfall. Mit derselben Muskelbewegung setzt Du einen abweisenden Blick auf und schirmst dich vom anderen ab. Du signalisierst ihm: Ich verachte dich.
Durch das Nase rümpfen versuchst  du, möglichst wenig Gestank einzuatmen.
AngstAugenbrauen nach oben ziehenDurch das nach oben ziehender Augenbrauen kannst Du besser sehen, wovor Du Angst hast.
ÜberraschungAugenbrauen nach oben ziehen und Mund öffnen/aufreißen.
WutAugenbrauen nach oben ziehen,

Mund und Kiefer fallen nach unten (Drohstarre).
Du siehst aus, als ob Du zubeißt.
TrauerWenn Du wütend bist, setzt Du einen ähnlichen Gesichtsausdruck auf wie wenn Du traurig bist.

Deine Mundwinkel fallen nach unten.

Wenn Du weinst, ziehst du die Augenbrauen zusammen und runter zur Nase.

Wenn Du nicht traurig bist und diesen Gesichtsausdruck aufsetzt ist es Dir unmöglich dich zu freuen.
FreudeMundwinkel nach oben ziehen. Zähne zeigen.

Wenn Du den Mundwinkel nur nach oben ziehst, gibst  Du ein freundliches Zeichen.

Bei einem echten Lachen zieht sich der große Ringmuskel der Augenpartie zusammen.
Vermutlich ist das Lachen aus der Furchtstarre entstanden. Auch bei der Furcht werden die Mundwinkel nach oben gezogen.

Du zeigst an, dass Du  nicht beißen kannst, und wirst deshalb als harmlos empfunden.
Tabelle 1: Basisemotionen und Mimik

Sehr böse schauen

Durch das Zusammenziehen der Augenbrauen verfinstert sich dein Gesicht. Du vermittelst dem Kommunikationspartner skeptische Ablehnung. Dabei die Augen weit öffnen, und die Lippen zusammenpressen, und du siehst wie irrsinnig aus.

Mimik trainieren

Um den Einsatz dieser Emotionen im Gesicht zu üben, kannst Du einen Kurs in einer Theater oder Schauspielschule besuchen. Preiswerter ist es aber sich selbst vor den Spiegel zu stellen. Statt das allmorgentliche „Ich kenn´ dich nicht aber dich wasch´ dich trotzdem“ Gesicht nur anzustarren, könntest Du es mit ein paar „Grimassen“ überraschen. Lach es an, schalte auf böse oder wutentbrannt um, schaue danach traurig, sei erstaunt das alles so gut klappt und lach es abschließend noch mal an. Achte darauf, das Deine Mimik nie  unnatürlich oder steif wirkt. Unterstütze diese Gesichtsgymnastik später mit Körperhaltung und Stimme damit das Gesamtbild stimmt. Übe überall wo sich ein Spiegel findet.

Achte im Alltag mehr auf die Körpersprache anderer Menschen.

  • Fällt die ein falsches Lächeln auf?
  • Zeigt dein Gegenüber die unwillkürliche Reaktion (Lügensperre) des Errötens oder Erblassens?

Im übrigen sind Mimik und Gestik etwas sehr individuelles, das zu Deiner Person passen muss.

Augenkommunikation

  • Beim Gespräch vermeidest Du starres Fixieren eines bestimmten Punktes.
  • Dein Blick sollte alle 10 Sekunden kurz abschweifen.
  • Nicht mit den Augen im Raum umher irren.
  • Nicht nach unten schauen.
  • Nicht mit gesenktem Kopf nach oben schauen.

 (Siehe nächste Auflage)

Distanz

Auch die Distanz ist ein körpersprachliches Mittel. Jede Kultur hat ihre eigenen Distanzgesetze. Vor jedem Gespräch läuft automatisch und unbewusst eine „Verhandlung“ über Distanz zwischen Dir und deinem Kommunikationspartner ab. Ihr einigt euch darauf, welchen körperlichen Abstand zueinander gehalten werden soll, und welche Veränderungen dieses Abstands erlaubt sind. Dabei spielt euer persönliches Befinden, aber auch Alter, Geschlecht, Kulturzugehörigkeit und sozialer Status eine Rolle.

In unserem Kulturkreis – Europa - bevorzugen wir eine größere körperliche Distanz. Verringert sich diese Distanz erzwungener maßen, z. B. in Bus/Bahn, oder im Fahrstuhl, dann wirst Du anfangen dich unbehaglich zu fühlen. Du wirst automatisch den Blickkontakt vermeiden (auf den Boden schauen), oder in unbestimmte Fernen schauen, d. h. durch den anderen hindurch blicken, dich so weit wie es geht weg drehen, und deine Tasche (sofern Du eine dabei hast) als Barriere zwischen Dir und den Eindringlingen aufbauen.

 Abbildung: Distanzen; intime-, persönliche-, soziale-, öffentliche Zone

Bis zu 1,20 Meter befindest Du dich in der persönlichen Zone deines Gegenüber. Dieser sollte ein guter Freund, ein Bekannter oder ein Familienmitglied sein. Unterschreitet ein Fremder dieser Distanz, sollte Deine Wachsamkeit steigen.

Die soziale Zone reicht von 1,20 Meter bis etwa 3,60 Meter. Das ist die Distanz in der sich die normale soziale Kommunikation mit Bekannten (zB. Arbeitskollegen, etc.) und „unbekannten“ Abspielen sollte. 

Die öffentlichen Zone beginnt ab 3,60 Meter. Wenn Du zB. als Zuschauer in einer Theateraufführung sitzt, und das Geschehen vor dir auf einer Bühne stattfindet.

Tips zur Körpersprache

Tabellarische Aufstellung der wichtigsten körpersprachlichen Tricks und ihrer Wirkung.

(siehe nächste Auflage)

Rhetorik

Es gibt Menschen, die sind mit Schlagfertigkeit geboren worden, anderen Leuten fehlen einfach die richtigen Worte, oder Sie bleiben stumm wenn Sie mit (verbaler oder körperlicher) Gewalt konfrontiert werden. Rhetorische Schlagfertigkeit kannst Du am besten durch Praxis im täglichen Leben trainieren. Benutze die weiter unten folgenden Beispiele als Anregung, und spiele damit. Wenn Du zuerst trocken üben willst, besuchst Du am besten einen seriösen Kurs in Rhetorik. Oder stell dich zu Hause vor den Spiegel, und führe mit Dir selbst ein Streitgespräch. Wenn Du nicht mit Dir selbst fertig wirst, dann wirst Du es auch nicht mit Fremden.

Die Limo Strategie

Limo ist kein Getränk, sondern  eine einfache Strategie um auf verbale Angriffe und Einwände geschickt reagieren zu können. Mit der Limo-Strategie rüstest Du deine verbalen Fähigkeiten auf.  Richtig angewendet führt Limo zur Reduzierung provokativer Äußerungen und entspannt aggressive Situationen. Limo kannst Du klasse im Alltag erproben, und gegen fiese Mobber in der Schule oder am Arbeitsplatz einsetzen. Limo setzt sich aus vier Bausteinen zusammen:

Loben - Interesse - Mangel - Offenheit

Loben

Eine geeignete Maßnahme einen Angreifer zu verwirren oder abzulenken. ist, dem Angriff eine unerwartete positive Reaktion entgegen zusetzen. Unerwartet positiv ist deine Reaktion, wenn Du den Angreifer lobst, Anerkennung für seine Formulierung äußerst, oder den Freimut, bzw. die Spontanität des Angreifers würdigst. Beispiele für Floskeln:

  • Das ist eine sehr richtige Frage.
  • Gut das sie mich darauf ansprechen.
  • Da ist sehr gut gesagt.
Interesse

Damit machst Du klar, das Du bereit bist auf den anderen einzugehen. Du lässt durchblicken, dass Dir der Vorwurf oder die Unterstellung des Angreifers nicht neu ist, und das Du dich dafür interessierst. 

  • Ich habe auch schon überlegt.
  • Ich beschäftige mich schon länger damit.
  • Ich glaube, darüber sollten wir überhaupt mehr wissen.
Mangel

Damit vermeidest Du den Anschein von Überheblichkeit und Aggressivität. Du demonstrierst Bescheidenheit und Verständnis, indem Du feststellst, das auch Du selbst nicht vollkommen und ohne Mangel bist.

  • Natürlich ist nicht alles Ideal.
  • Sie sind da auf einen heiklen Punkt gestoßen.
  • Hier kann tatsächlich manches verbessert werden.
Offenheit

Damit zwingst Du den anderen dazu, zu argumentieren und die Hintergründe seines Angriffs bekannt zugeben. Du gibst dich offen und aufgeschlossen, indem Du vom Angreifer eine ausführliche Begründung seiner Behauptungen erbittest.

  • Ich würde mich gerne einmal mit ihnen darüber unterhalten.
  • Sie haben sich das schon Gedanken gemacht - Ich habe auch einige Fragen
  • Vielleicht reden wir einfach einmal darüber.

Im Gegensatz dazu verstärken die nachfolgend aufgeführten Reaktionen meist die vorhandene Aggressivität des Gesprächspartners. Deshalb solltest Du diese Reaktionen wenn es geht vermeiden:

Bagatellisieren - Entschuldigen - Zurückschlagen

Beispiele
  • Das ist doch alles nicht so schlimm.
  • Sie missverstehen mich.
  • Sie haben völlig recht.
  • Ich wollte das nicht sagen.
  • Das tut mir Leid.
  • Ausgerechnet sie müssen so etwas sagen!
  • Was glauben sie denn wen sie vor sich haben!

Die Platte mit dem Sprung

Egal, was der andere will:  Du sagst immer nur NEIN.

Keine Erklärungen oder Diskussionen anfangen! Das fällt in der Regel besonders Frauen schwer, da sie es gewohnt sind zu diskutieren, überzeugen, begründen, rechtfertigen. All das sollst Du nicht tun! 

Was bewirkt das? 

Beispiele: Für den Fordernden ist es schwierig sich immer wieder Fragen einfallen zu lassen. Er bettelt um Verständnis, versucht Mitleid zu erregen, oder dem Nein-Sager ein schlechtes Gewissen einzureden, greift zu Drohungen, oder Erpressung.

Der Nein-Sager fühlt sich stark, und aggressiv, und damit prima :-)

Das dreifache NEIN!

Auf wiederholte Forderungen  Antwortest Du mit einem dreifachen NEIN wie folgt:

  • Nach der ersten Forderung: NEIN.
  • Mitten im Satz der zweiten Forderung: NEIN!
  • Wenn er das dritte mal zum Sprechen ansetzt, direkt in dessen Einatmen: NEIN!!

Das nimmt dem Angreifer den Raum.  

Wenn Du es nicht schaffst einfach nur NEIN zu sagen, reagierst Du mit einer typischen Opferausweichstrategie: Ich kann doch nicht immer nur Nein sagen! Was wird der andere von mir denken? Was werden die Umstehenden von mir denken? …davon solltest Du dich lösen.

NEIN-Sagen ohne Erklärungen ist schwer. Versuche es spielerisch im Alltag zu integrieren, und verblüffe einfach mal ab und an damit Deine Umgebung :-)

Abwehrsätze

Die Sätze müssen natürlich in den Kontext der Situation passen. Klare Formulierungen, was ich will! Unterschied zwischen DU und SIE. Beispiele:

  • STOP! GEHEN SIE WEG!! - ist sehr kraftvoll.
  • Stop, lass mich in Ruhe.
  • Stop, keinen Schritt weiter.
  • Stop, fass mich nicht an.
  • Bleib stehen.

Weitere Schlagfertigkeitstechniken

Die folgende Sammlung von Schlagfertigkeitstechniken stammt von Marcus Knill, und liefert Dir weitere Ideen um deine verbalen Fähigkeiten aufzurüsten. Die Webseite ist darüber hinaus ein Füllhorn von Anregungen zum Thema Rhetorik http://www.rhetorik.ch/external link .

http://www.rhetorik.ch/Schlagfertig/Techniken.html

NrTechnik / Strategie / TaktikBeschreibung / Beispiele
1Warten
Nonverbal: Erstaunen signalisieren
Abwarten ist eine einfache Technik. Du sagst vorerst nichts und wartest ab, was geschieht. Mimisch signalisierst Du: „Aber, aber!" Wichtig ist, dass Du dabei Blickkontakt hältst. Auf keinen Fall wegschauen!

Wirkung: Das Gegenüber muss weiterreden und die Vorwürfe präzisieren.

Vorteil: Du gewinnst Zeit und irritierst Dein Gegenüber. (Siehe auch “Stumme Gesten - Technik” und “Zweisilben-Technik”)
2„Absurdes Theater“; Mit unpassendem Sprichwort konternDu begegnest der Attacke mit einer völlig absurden Bemerkung oder einem unsinnigen Sprichwort.

„Zu viele Menschen verderben den Brei.“ 

„Der Krug geht zum Brunnen, so lange er noch warm ist.“

Sprichwörter, die überall und nirgends passen, sind besonders gut geeignet.

Wirkung: Das Gegenüber denkt zuerst nach - wird irritiert - und merkt zu spät, dass es auf den Arm genommen wurde. Falls der Provokateur erstaunt nachfragt, was der Sinn der Sache sei, könnten Sie zufügen: “Denken Sie ein bisschen nach! Bitte!”

Frage: „Was würden Sie tun, wenn man Ihnen kündigt?" Nonsenseantwort: “Ich würde Spagetti anpflanzen." 

Frage: „Was machen Sie beruflich?" 

Nonsenseantwort:  „Das kommt auf die Temperatur an.“

Frage: „Welches ist Deine grösste Angst?”

Nonsenseantwort: „Dass meine Katze noch mehr Briefe schreibt.“
3Bemerkung überhöhen, weiterschrauben und ins Absurde lenkenAuf die Bemerkung: „Sie sollten mehr Sport betreiben, wenn Sie so dick sind.“

Mögliche Antwort: „Ich werde mich für den New Yorker Marathon anmelden. Es gibt nichts Schöneres, als sich zu quälen!"
Oder: „Noch mehr? Dann hätte ich noch mehr Muskeln."
4Recht – geben (Re-Ge)Anstatt sich zu verteidigen, sagst Du: „Sie haben Recht!"

Der Angriff läuft dadurch ins Leere. Du kannst diese Technik mit der Übertreibungstechnik kombinieren.

Damit wird die Sache masslos, abwegig und komisch. Dank dieser Technik ziehst Du den Giftzahn. Ist geeignet bei Provokationen, Vorwürfen, Unterstellungen.

Angriff: “Sie haben ein aufdringliches Parfüm!"

Konter:  “Das ist wahr. In Columbien werden damit Ameisen vernichtet."

So dick muss nicht unbedingt aufgetragen werden. Willst Du dem Angreifer Recht geben, genügen Antworten, wie: 

- “Hilft es Ihnen, wenn ich Ihnen Recht gebe?" 
- “Ich stimme gerne zu, wenn dies gut tut." 

Diese Taktik nur dann anwenden, wenn Du es unbeschadet tun kannst. Ich empfehle die beharrlichere Version. Zeige, dass Du die Sicht des Gegenübers verstehst, aber zeigen  auch auch, dass Du es anders siehst.

- “Aus Ihrer Sicht ist dies gut möglich.
Ich empfinde es aber nicht so."
 
- “Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie es so sehen.”
5DolmetscherMit dieser flexiblen Allround-Technik bist Du fast allen Angriffen gewachsen. Sie ist sehr wirkungsvoll. Du übersetzt die bösartigen Worte Deines Gegenübers. Damit entscheidest Du, was gerade gesagt wurde. Als Übersetzer kannst Du…

- Angriffe in süsse Schmeicheleien umdeuten 
- versteckte Kränkung noch verletzender machen 
- scharfe Töne glätten

Angriff: „Sie Pfeife, Herr Müller!“
Abwehr: „Tatsächlich, alles hört auf mich." 

oder: „Ich gebe die entscheidenden Signale.”

Angriff:  “Sie sind ein Marionette des Chefs!”

Abwehr: “Sie meinen, es braucht viel Fingerspitzengefühl, um mich zu führen?“ 

Angriff: „Sie sind nicht teamfähig!“

Abwehr: „Sicher, ich kann heikle Aufgaben selbständig erledigen!”
6SpiegelDiese Technik ist auch bei der Dolmetscher-Technik einsetzbar. 

Angriff: „So einen dummen Vorschlag hätte ich von Ihnen nicht erwartet!“

- Spiegeln durch sachliches Beschreiben „Sie sind recht skeptisch. Der Vorschlag gefällt Ihnen nicht.“, oder “Mein Vorschlag ärgert Sie?”

- Spiegeln durch Interpretation
Sie meinen damit, es fehle an einem Informationskonzept?" 
- Spiegeln, verbunden mit einem Appell
Sie finden, es muss ein Konzept erarbeitet werden?" 
- Spiegeln auf der Ebene des Gegenübers (Ich-Ebene)
„Sie meinen, Sie seien ausgeklammert worden?" 
- Spiegeln auf der Ebene des Angesprochenen (Du- Ebene) „Sie finden, ich hätte Sie informieren müssen?" 
- Spiegeln auf der Wir- Ebene „Sie meinen, wir hätten unterschiedliche Ansichten über die Information der Mitarbeiter?”
- Spiegeln auf der Informations- Ebene (betrifft die Fakten)  „Sie meinen, eine Teamsitzung pro Woche sei zu wenig?”
7Beschreiben und “Zurück zu Sache”Mit dieser Technik lässt Du unfaire Gegner ins Abseits laufen. Angenommen, es wird über Dich gewitzelt (Frisur, Hautfarbe, Kleider usw.) Bei derartig unfairen Ablenkungsmanövern lohnt es sich, den unzulässigen Einschub zu beschreiben, um im Anschluß daran zum Alltagsgeschäft zurückzukehren, als wenn nichts geschehen wäre. Beispiel:

Während der Sitzung bemerkt jemand:  „Vor den Ferien hatten Sie noch eine bessere Figur.”

Antwort auf der „Info-Ebene“: „Sie machen sich Gedanken über meine Figur.“ Dann sofort auf der Sachebene weiterfahren: „Ich muss noch etwas zu den Kosten des Projektes…. sagen:….“
8VertagungDiese Technik lohnt sich, wenn Du dich überrumpelt fühlst. Du vertagst die Antwort. Du bittest um Bedenkzeit.

„Sie werden verstehen, dass ich Ihnen zu dieser Bemerkung morgen meinen persönlichen Kommentar abgebe.“

„Sie sind gewiss einverstanden, dass ich in der nächsten Sitzung diese Bemerkung ausführlich kommentiere.“

„Ich werde gerne nach der Sitzung unter vier Augen meine persönliche Meinung dazu sagen.“ 

Angriff: „Herr …, Sie sind wirklich ein einfältiger Fachidiot!“ 

Abwehr: „Ich sage Ihnen morgen, wie ich über Ihren Standpunkt denke.“
9UmkehrDu drehst den Spiess um. Diese Technik hat zwar Unterhaltungswert, Du kannst Dir damit jedoch leicht Feinde schaffen. Rechne bei dieser Technik mit einer Retourkutsche.

Diese Technik beruht darauf, den zentralen Begriff durch Gegenbegriffe zu ersetzen. Bei der Umkehrtechnik musst  Du Neues hinzufügen. Die Antwort erfolgt im Echo - Prinzip. Formulierungen müssen als Echo übernommen werden. Wichtig ist, dass die Erwartung durchbrochen wird.

Ein klassisches Beispiel zu dieser Technik: 

Bei einer Abendgesellschaft bekam der britischen Premier Winston Churchill von einer Lady Astor ein nicht gerade überschwängliches Kompliment: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift geben!“ Churchill konterte: „W_enn ich Ihr Mann wäre, würde ich es nehmen.“_ Dann folgte die erwartete Retourkutsche: „Herr Churchill, Sie sind ja völlig betrunken!“ Churchill kontert hierauf: „Der Unterschied zwischen mir und Ihnen ist: Wenn ich morgen aufwache bin ich nüchtern, Sie sind aber immer noch hässlich.“

Beispiel: Eine Sekretärin müht sich mit dem Manuskript ihres Chefs ab. Sie geht zu ihm und sagt: „Ich kann Ihre Schrift schlecht lesen.“ Darauf sagt der Chef: „Ich gebe Ihnen drei Wochen, um meine Handschrift erkennen und entziffern zu lernen.“ Darauf sagt die Sekretärin: „Ich gebe Ihnen eine Woche, so schreiben zu lernen, dass ich es entziffern kann.“
10Rückfrage
(Siehe auch Gegenfrage)
Gegenfragen können entgiften. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Rückfragen den Ball zurückzuspielen. 

„Was meinen Sie mit inkompetent?“

Du kannst auch die Frage zurückgeben?

„Was sollte ich tun, damit Sie zufrieden sind?“ 

Du kannst den Vorwurf bezweifeln:

„Worauf basiert Ihre Unterstellung?“, „Wer sagt das?“

 Du kannst eine aggressivere Gegenfrage stellen:

„Wieso drehen Sie mir das Wort im Mund um?“

Verbunden mit Humor:

Frage: „Warum betrügen Sie Ihre Frau?“

Gegenfrage: „Welche meiner Frauen meinen Sie?“ 

Standard-Rückfragen Techniken sind generell einsetzbar: „Leiden Sie darunter?“, „Was wollen Sie damit sagen?“

„Ist das Ihr Problem?“
11Weghör und HörfehlerDas gezielte Weghören ist bei Ehepartnern oder gegenüber Chefs nicht zu empfehlen. Diese Technik ist simpel, aber sie muss geübt werden. Es besteht dabei die Gefahr, dass sich der Angreifer das nächste Mal damit revanchiert. Diese Technik kann sogar die Kommunikation völlig lahm legen. Sie ist tolerierbar:

- Bei ganz dummen Sprüchen
- Bei starken Provokationen
- Wenn ein weiterer Dialog sinnlos ist.

1. “bewusstes Missverstehen”: “Wie bitte?” (So tun, als hätte man es akkustisch nicht verstanden)
2. Bedeutung oder Worte umformen, Begriffe austauschen: Sie sind eher Umfallexperte.” (Statt Unfallexperte)
12StandardzitatWir kontern mit einem echten lateinischen Zitat.

1. “Fama est” (Es ist ein Gerücht)
2. “Ineptis” (Dummes Zeug)
3. “Male sit tibi” (Soll Sie doch der Henker holen)
3. “Suum cuique” (Jedem das Seine)
14Präventiv
15Passt immer
16Kompliment
17Moment mal
18Grossvater
19Lieber..als
20Ummünz
21Übertreibung
22Ball in unerwartete Richtung zurückschlagen
23Genauigkeit
24Wortassoziation
25Bildhaftes Assozieren
26Wörteraustausch
27“Trifft - mich“
28“Paradoxe Höflichkeit”
29Kompliment
30Entpersonalisierung
31Stumme Gesten
32Themawechsel
33Zweisilben
34Klartext
35Spielregel-Klärung
36Metaebene
37Stop
38Bumerang
39Gegenteil
40Vergleich
41Nutzen aus einem Vorwurf ziehen
42Tiervergleiche
43AblenkungstaktikBei einer witzigen abfälligen Bemerkung zu Ihrem Äusseren oder zu Ihrer Person ist es wichtig: keine Revanche zu begehen und die Fassung nicht zu verlieren. Spiegeln sie die Taktik und lenken Sie das Gespräch auf das Kernthema.

1. Das ist ein plumpes Ablenkungsmanöver. Bleiben wir beim Thema…..
2. Das ist alles? Beim Thema X geht es mir um….
44Giftzunge entlarvenEine Bösartigkeit überzeichnet, und in Frageform zurückspiegeln.
45SelbstbewusstseinAngriff: “Du weisst alles besser!"
Reaktion: “Gut, dass Du das erkennst.”
46TatsachenAngriff: “Sie reden ganz schön laut!”.
Reaktion: “Daran werden Sie sich gewöhnen müssen.”
47UnterstellungAngriff: “Sie widersprechen sich dauernd."
Reaktion: “Falsch. Warum hören Sie nicht richtig zu?”
Tabelle 2: Schlagfertigkeitstechniken

Effektives Verhalten

Fügen wir nun alle Teile am klassischen Beispiel „Mann belästigt Frau“ zusammen. Nicht immer handelt es sich bei einem Angreifer um einen Unbekannten, sehr oft kommt der Angreifer aus dem Freundes oder Bekanntenkreis. In diesem Fall kann sich der potentielle „Angreifer“ in einer an sich harmlosen Situation durch passives, zaghaftes Verhalten animiert fühlen „einen Schritt“ weiter zu gehen. Ist zudem Alkohol im Spiel, kann eine Situation leicht eskalieren.

Es ist wichtig rechtzeitig Grenzen zu setzen.

Ist der Angreifer ein Fremder, dann wird er dich zunächst testen, und dann gezielt aussuchen, wenn Dich für Ihn als typisches „Opfers“ qualifiziert hast. Aussehen oder Alter spielen dabei meist keine Rolle, es geht dem Angreifer darum Macht über dich auszuüben.

Gefährliche Situationen im Vorfeld zu erkennen ist meist gar nicht so einfach. Viele Situationen, besonders im Freundeskreis, empfindest Du oft gar nicht Angriffe.

Dazu kommt noch, das viele Männer auch heutzutage noch glauben, das Frauen „ja“ meinen, wenn sie VIELLEICHT sagen, und das sie „vielleicht“ meint, wenn sie NEIN sagen. Das eine Frau nein meint, wenn sie nein sagt, kapieren viel Männer nicht. Dieser Irrglaube kann Dir auch heute noch das Leben schwer machen.

Um so wichtiger ist ein entsprechendes selbstbewusstes und effektives Auftreten. Setze die richtigen Körpersignale um deine Forderungen glaubwürdiger zu machen und ihnen mehr Nachdruck zu verleihen. So könntest du vielleicht eine Tat schon im Vorfeld verhindern. Zeig, das du kein Opfertyp bist!

Im Folgenden habe ich die wichtigsten Merkmale für effektives und ineffektives Verhalten tabellarisch aufgeführt. Stell dich mal vor einen Spiegel und spiele die Verhaltensweisen durch. Mit welchem Auftreten fühlst Du dich besser?

Waseffektivineffektiv
BlickkontaktDirekt in die Augen schauen, ohne zu starren.

Alternativ den Blickkontakt auf Nasenbein oder Ohr richten.
Blick abwenden,

Augen niederschlagen,

Blickkontakt vermeiden.
KörperhaltungSchultern zurück

Blickrichtung geradeaus
Schultern hängen lassen,

Kopf einziehen,

ängstliches Zurückweichen.
Atmenruhig und tief atmenflach, unregelmäßig, oder gar nicht atmen.
Klare AusspracheKurze, klar verständliche Botschaften übermitteln: Lass mich in Ruhe, geh weg, verschwinden Sie! - ggf. ist das Sie dem Du vorzuziehen…

Dabei ruhig und laut sprechen.
Leise, erstickende Stimme



undeutliche, zaghafte Aussprache.
MimikErnst drein blickenunsicher Lächeln.
GestikRaum beanspruchen. Die Hände reden dezent mit.Nervös mit den Händen spielen

, fahrige Gesten.

Im sitzen Beine übereinander schlagen. Arme vor dem Körper verschränkt. Im Schoß eingeklemmt.
Tabelle 3: Effektives & ineffektives Verhalten

Wann beginnt die Selbstverteidigung?

Das ist eine der am häufigsten gestellten Fragen am Anfang jeden Kurses.

Wie Du bereits gelesen hast umfasst der Begriff „Selbstverteidigung“ für mich die Phasen Prävention, De Eskalation, Kampf und Nachsorge. Du hast also im Vorfeld bereits Präventivmaßnahmen getroffen, um gar nicht erst in eine für Dich unangenehme Situation zu kommen. Konfrontiert Dich ein Mitmensch dennoch in seiner Welt der psychischen und physischen Gewalt, dann wirst Du versuchen die Situation zu de eskalieren, und den Ort zu verlassen. Gelingt das nicht, dann steht Dir ein Kampf bevor.

Übernimm für dich die Verantwortung!!! Setze frühzeitig Grenzen!!!

Die Grenze

Also nochmal: Mögliche Signale für Grenzüberschreitungen sind: Hitze, Unruhe, Herzklopfen, fühle mich schlecht, flaues Gefühl im Bauch, Unruhe, ich schaue weg, ich spüre mich nicht mehr, ich kann nicht mehr für mich sorgen. 

Der Kopf ist langsam. Die Intuition, das Bauchgefühl ist schneller!! …aber: Intuition ist eine leise Stimme!

Der Täter wir sich heran reden. Er wird dich in ein Gespräch verwickeln, er wird deine  Kommunikationsfähigkeit, deine soziale Ader  und ggfs. deine Hilfsbereitschaft ausnutzen. ZB. Mein Kind ist weggelaufen, meinem Hund geht es schlecht,…

  • Was hindert mich daran, meine Grenzen zu ziehen? 
  • Was unterstützt mich darin, als Mann oder als Frau?
  • Frauen würden ihre Kinder verteidigen, sich selber aber nicht! Warum?

Meist wird unter Selbstverteidigung der Moment verstanden, in dem der Mitmensch Deine   Grenze überschreitet. Eine Grenzüberschreitung findet immer dann statt, wenn Du dich in der Nähe einer anderen Person irgendwie unwohl (siehe oben), oder angegriffen fühlst. Hierbei spielen räumliche, psychische und physische Aspekte eine Rolle. Es muss sich erstmal nicht unbedingt um einen physischen Angriff (begrapschen, festhalten, schlagen …) handeln. Ein Blick, eine Distanzunterschreitung, eine dumme Anmache oder ein in Deinen Augen bedrohliches Auftreten genügen schon.

Du musst also zwischen einer räumlichen Grenze, einer physischen Grenze und einer psychischen Grenze unterscheiden. Deine Selbstverteidigung beginnt…

…wenn Du das Gefühl hast bedroht zu werden!

Der Abstand, den die Person von Dir hat (egal in welcher Richtung) spielt dabei eine wesentlich Rolle. Ein Blick von der anderen Straßenseite wird von dir vielleicht nicht als Angriff empfunden. Steht dir die Person direkt gegenüber, vielleicht schon. Bist Du in einer schlechtem psychischen Verfassung, dann sieht die Situation vielleicht wiederum ganz anders aus. In  Tabelle 4 auf Seite 23 findest Du einige weitere Faktoren.

WerFaktoren
Eigene Person- Individuelle Vorerfahrungen
- Persönliche mentale Verfassung
- Sich nähernde Person- Wie sieht die Person aus, die sich nähert
- Was strahlt sie aus
- Umfeld- An welchem Ort treffe ich die Person
- Zu welcher Uhrzeit treffe ich die Person
- Bin ich alleine, oder sind andere Personen anwesend, die mir helfen könnten
Tabelle 4: Faktoren für das Gefühl angegriffen zu werden

Der Mindestabstand den der Angreifer nicht unterschreiten darf, ist der Abstand in dem dich seine Körperwaffen - in der Regel die Arme - erreichen können, denn dann bist Du unmittelbar bedroht.

Auch wenn Dir eine Situation erst einmal nicht bedrohlich erscheint: Sorge immer dafür das dein „Gesprächspartner“ einen gebührenden Abstand von Dir hält. Tut er es von sich aus, dann lässt das wenigstens auf eine gute Kinderstube schließen, denn er hat Manieren.

Wie auch immer. Überschreitet eine Person deine persönliche „Grenze“, musst Du dich verteidigen. Zunächst verbal, und durch beschwichtigende Gesten. Versuche die Situation zu de eskalieren. Mache dem potentiellen Angreifer und den umstehenden Zeugen klar, das Du dich bedroht und angegriffen fühlst, und zwar bevor Du zuschlägst.

Alles was das Selbstbewusstsein stärkt ist gut

Im nächsten Kapitel wird es für dich ernst. Jemand überschreitet Deine Grenze, oder die Grenze eines Mitmenschen. Du musst De Eskalieren. Hier kannst Du das bisher gelernte in die Praxis einbringen.

Deeskalation

Vorbemerkung

De-Eskalation ist ein wichtiger Bestandteil Deiner Selbstverteidigung. Ziel der De-Eskalation ist es, eine brenzlige Situation so zu entschärfen, das Du keine Gewalt anwenden musst, oder das eine gewaltsame Auseinandersetzung abgebrochen wird. Es ist deine Aufgabe während einer De Eskalation, das potenzielle Opfer – dich selbst oder eine dritte Person – aus der gefährlichen Situation herauszuholen! Dein Ziel ist die körperliche Unversehrtheit aller Beteiligten – auch und vor allem der Eigenen. Es gibt zwei Situationen in denen Du de-eskalieren willst. In der ersten bist Du selbst das Opfer. In der anderen versuchst Du  zwei zerstrittenen Parteien auseinander zu bringen.

Je weiter eine Auseinandersetzung fortgeschritten ist, desto schwieriger ist es allerdings, sie durch De-Eskalation zu beenden. Je früher Du versuchst aus der Eskalation auszusteigen, desto höher ist Chance der De- Eskalation. Du musst allerdings merken, wann die Spirale der Gewalt einen Punkt erreicht hat, an dem eine De Eskalation nicht mehr möglich ist. Du befindest Dich dann in der Vorkampfphase. Für De-Eskalation gibt wie immer es keine Patentrezepte, oft ist mehr als eine Lösung möglich.

Zeugen

Zeugen sind sehr wichtig für die Nachbereitung einer Selbstverteidigung! Möchtest Du im nach hinein nicht als Aggressor dastehen, musst Du sie von vornherein in deine Verteidigungsstrategie einbeziehen. Die meisten Zeugen schauen zu spät, und bekommen deshalb oft ein falsches Bild von der Situation. Mit vielen geht im nach hinein die Fantasie1 durch. Sie lassen Dinge weg, oder erfinden Dinge hinzu. Sie berichten aus ihrer subjektiven Sicht, was sie gesehen/wahrgenommen haben wollen.

„Bei einer Geschichte gibt es immer vier Seiten: Deine Seite, ihre Seite, die Wahrheit und das, was wirklich passiert ist.” (Rousseau)

Für die Selbstverteidigung ist dieses Zitat um eine fünfte Seite zu ergänzen: „…und das, was das Gericht entscheidet.“.

Schaffe immer klare Verhältnisse. Sorge dafür, das andere erkennen das DU das Opfer bist. Beziehe umstehende in das Geschehen ein, indem Du sie direkt ansprichst: „Helfen Sie mir.“, „Rufen Sie die Polizei“, „Dieser Mann belästigt mich“.

Grundsätzliche Regeln der De Eskalation

Es gehört nicht zu Deinen Aufgaben den Konflikt zu analysieren, zu kommentieren oder zu vermitteln. Grundsätzlich musst Du Körperkontakt mit dem Aggressor vermeiden, was allerdings nicht immer möglich ist. Wie immer Du auch vorgehst, der Eigenschutz ist das wichtigste. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln:

  • Höchst wachsam und aufmerksam sein.
  • Auf Eigenschutz achten.
  • Anonymität aufheben. Umstehende einbeziehen.
  • Nicht analysieren, nicht kommentieren nicht vermitteln.
  • Körperkontakt vermeiden.
  • Sachlich bleiben, nicht beleidigen.
  • Keine Partei ergreifen.
  • Lass dem Aggressor immer einen Fluchtweg offen, er muß sein Gesicht wahren können!
  • Erlaube ihm zu fliehen, wenn er es möchte und behalte ihn im Auge.

Sitzen bleiben versus aufstehen

Wenn der Aggressor sitzt, bleib auch sitzen. Wenn Du aufstehst könnte er das als Kampfansage interpretieren. Wer sitzt wirkt kleiner, und ist anscheinend in einer etwas schlechteren Position bei einem Kampf.

Du kannst allerdings auch einfach sitzen bleiben, wenn der mies gelaunte Typ aufsteht, oder sich nähert. Damit signalisierst Du den umstehenden, das Du das Opfer bist. Dem Typ signalisiert Du, das du keine Angst hast. Du weist, das du zur Not deine Kampftechniken auch im Sitzen anwenden kannst! Auf der anderen Seite bewegst Du Dich so nicht auf Augenhöhe mit dem Aggressor, und auch er wird Dich als Opfer betrachten, und nicht als gleichwertigen „Verhandlungspartner“ wahrnehmen (du erniedrigst Dich quasi freiwillig vor Ihm). Wenn Du unsicher bist, steh auf! Dein Leitsatz sollte sein:

Du übernimmst die Regie der Situation !
Du handelst aktiv ohne den Helden zu spielen !

De Eskalation als potentielles Opfer

Dein Ziel ist es die Gefahrenzone verlassen. Im Kapitel Prävention hast Du gelernt, dich durch selbstbewusstes Auftreten mit Hilfe von Stimme, Blick, Gestik (Körpersprache) abgrenzen und die räumliche Distanz wahren kannst. Jetzt ist es an der Zeit dieses Wissen in der Praxis anzuwenden.

Du musst unbedingt den intimen Rahmen der Auseinandersetzung sprengen und Öffentlichkeit herstellen. Mach deiner Umwelt klar, das Du das Opfer bist, signalisiere Unbeteiligten das du Hilfe benötigst. Beziehe Sie mit ein. Organisiere Deine Hilfe, indem Du Anweisungen gibst. Es geht darum den Handlungsspielraum zu erweitern, eine kraftvolle Entscheidung zu treffen.

räumlich

  • Halte Deine Distanz!
  • Drehe dem Aggressor niemals den Rücken zu, geh nicht weg.
  • Gehe nicht auf die Person zu und berühre sie nicht.
  • Wenn er auf dich zukommt, gehe zurück und bestehe auf Distanz. Wenn er nicht reagiert bist Du kurz vor dem Kampf. Berührt er dich beginnt der Kampf…

Körpersprache

  • Vermeide eine herablassende und arrogante Haltung.
  • Mach keinen ängstlichen oder unsicheren Eindruck, Nicht grinsen!
  • Bleibe in Kontakt… nicht die Arme sinken lassen, Blick wegdrehen, wegsehen.
  • Erhebe zunächst nicht deine Stimme, Spreche zunächst ruhig und mit gemäßigter Stimme (so laut wie nötig, das es Zeugen auch mitbekommen) mit dem Aggressor. Steigere die Lautstärke wenn nötig.
  • Signalisiere nicht, dass Du einen Angriff erwartest - sonst könnte er stattfinden (Selbst erfüllende Prophezeiung).
  • Starre ihm nicht permanent in die Augen. Halte den Blick (auf das „3. Auge“ sehen). Durch nervöses hin und her sehen, geht die Kraft die man ausstrahlt weg.
  • Beobachte Brust, Augen, Schultern. Heftige Bewegungen der Brust oder ein zucken im Schultergürtel künden aggressive Reaktionen an.
  • Bleib locker, spanne Deine Muskeln nicht an.
  • Du selbst wirkst nach außen hin ruhig und entspannt, und strahlst Ruhe und Sicherheit aus.
  • Stabiler Stand, Raum einnehmen
  • Zeige keine wie auch immer gearteten Gefühle.

verbal

  • Schenke dem Aggressor Aufmerksamkeit, provoziere keine Meinungsverschiedenheiten, wende die Limo-Strategie,  die Platte mit dem Sprung, das dreifache NEIN oder die Abwehrsätze an.
  • Spreche keine Drohungen aus, schon gar nicht, wenn Du Sie nicht wirklich durchsetzen kannst.
  • Bleib sehr sachlich, und cool, auch wenn der Aggressor sich aufregt. Das kann allerdings auch als Provokation und Arroganz aufgefasst werden.
  • Bleibe höflich aber bestimmt.

Wenn sich die Aufregung des Aggressors bis an die Grenze zum Angriff steigert, befindest Du dich bereits in der Vorkampfphase:

  • Finde dich mit seinem Gefühlszustand ab. Du kannst eh nix mehr dran ändern.
  • Du bist höchst Wachsam!
  • Bleibe bei deiner (sachlichen) Haltung.
  • Setze eine undurchdringliche Miene auf („Pokerface“).
  • Wie oben: Kommt er auf dich zu, gehe zurück und bestehe auf Distanz. Wenn er nicht reagiert bist Du kurz vor dem Kampf. Berührt er dich … Kämpfe.

Beispiele, Übungen

Im Bus

(Siehe nächste Auflage)

Auf der Straße

(Siehe nächste Auflage)

In der Kneipe

(Siehe nächste Auflage)

De Eskalation als unparteiische/r Dritte/r

Wann?

Wann greifst Du als Unbeteiligte/r de-eskalierend ein?

Erste Voraussetzung für Dein Eingreifen ist, das Du die Situation überhaupt wahrnimmst, und als gefährlich interpretierst.

Als nächstes musst Du unbedingt eine Risikoabschätzung vornehmen. Du musst wissen: Wenn du jemandem de eskalierend zu Hilfe eilst, begibst Du dich in große Gefahr. Wie Du dich auch entscheidest, Du handelst!

Versuche herauszufinden wer das Opfer, oder der Unterlegene ist. Versichere dich das er Deine Hilfe auch will. Es kann passieren, das sich zwei Streithähne gegen dich verbünden, getreu dem Motto: „Der Feind meines Feindes ist auch mein Feind“!

Falls Du Kosten und Nutzen des Eingreifens für Dich positiv bewertet hast, musst Du nur noch deine Angst überwinden und einen Plan zum Eingreifen haben. Hier hast Du mehrere Möglichkeiten.

Wie?

Organisiere Hilfe

Wenn Du dich nicht in der Lage sieht, selbst unmittelbar einzugreifen, stellst Du Öffentlichkeit her und organisierst Hilfe.

Konzentriere Dich auf den Täter

Beim Eingreifen kannst Du dich auf den Täter konzentrieren bzw. ihn/sie zum Aufhören bringen wollen. Es kann aber auch sinnvoll sein, sich nicht auf das Verhalten des Täters zu konzentrieren, sondern auf das Opfer. Wenn du ihn zum aufgeben überreden willst stell dich möglichst im rechten Winkel zum Opfer auf. Das zwingt ihn dazu seine Aufmerksamkeit zu splitten da er jetzt zwei Personen beobachten muss, und erhöht unbewusst seine Bereitschaft aufzugeben.

Konzentriere dich auf das Opfer

Versuche das potenzielle Opfer aus dem Umfeld des Täters in einen sicheren Bereich zu bringen. Trenne sie räumlich, sodass sie sich nicht mehr gegenseitig sehen (hören) können. Das geht natürlich meist nicht ohne Körperkontakt. Geringer Körpereinsatz ist hier deshalb erlaubt, darf aber nicht in körperbetonte, verletzende Gegengewalt ausarten. Achtung: Das augenscheinliche Opfer kann sich im Nachhinein als Täter entpuppen, und umgekehrt. Kennst du wirklich die ganze Geschichte (Knallzeugeneffekt)? Vermeide also auf jeden Fall Schuldzuweisungen und Beleidigungen.

Ein Handlungsleitfaden
  • Löse den so genannten Arenaeffekt auf, wenn vorhanden. Beschäftige die Zuschauer, indem Du ihnen Aufgaben gibst (siehe nächster Punkt).
  • Aktiviere weitere unparteiische Helfer. Organisiere Hilfe.
  • Achte auf den Selbstschutz!
  • Bleib ruhig
  • Stelle dich in die Nähe der deiner Meinung überlegenen Person - seitlich und mindesten eine Armlänge entfernt. Halte deine Distanz aufrecht.
  • Stelle den Blickkontakt her (Anstarren vermeiden)
  • Rede die Konfliktparteien mit Namen an
  • Bleibe Neutral, ergreife auf gar keinen Fall Partei für eine Seite.
  • Vermeide Beleidigungen und Schuldzuweisungen
  • Manche Situationen ermöglichen es (angemessene) Sanktionen anzukündigen und durch zuziehen.
  • Interveniere kommunikativ, paradox/kreativ - mach was unerwartetes.
  • Versuche, die Gegner räumlich zu trennen.

Zwei Jugendliche haben „Stress“ miteinander

An erster Stelle steht der Selbstschutz. Vermeide das du selbst verletzt wirst. Organisiere deshalb die Hilfe. Weise zB. einen vertrauensvoll wirkenden Zeugen an Hilfe zu holen. Spreche den Zeugen mit Namen an!

Gib mit lauter, deutlicher, fester Stimme (ohne zu Schreien) klare Anweisungen: Rufen Sie bitte die Polizei an, oder helfen Sie mir. Löse eine evtl. herumstehende Gruppe von Schaulustigen auf.

Willst Du nach einer Risikoabschätzung selber aktiv eingreifen, dann hast Du mehrere Möglichkeiten:

Beschäftige Dich mit den Kämpfenden. Was immer Du tust, kündige es vorher an. Versuche ein Gespräch in Gang zu bringen, und die Streithähne zu trennen.

Konzentriere Dich zB. auf den dominierenden Kämpfer, spreche Ihn mit Namen an, und sage „Stopp“, „Genug“, „hör auf“, „deine Freundin wartet auf Dich“. Mach ggf. durch andere Geräusche auf dich aufmerksam (Klatsche in die Hände).

Du kannst dich auch auf den schwächeren Kämpfer konzentrieren. Schiebe Ihn von der Seite aus der Gefahrenzone des anderen Kämpfers.

Nähere dich nicht von hinten, oder versuche einen Kämpfenden von hinten festzuhalten!

Du näherst dich von der linken Seite, du bist der einen Person zugewendet, ohne die Andere aus den Augen zu lassen. Dreh dem anderen nicht den Rücken zu. Es besteht immer die Gefahr, das sich die zwei Streithähne gegen dich verbünden!

Schiebe deinen linken Arm vor die eigene Brust, und dann nach vorne in Richtung Kämpfer. Führe sie an seiner Brust vorbei auf die andere Seite,  sodass deine linke  Hand seinen rechten Arm kontrolliert.  Deine rechte  Hand kontrolliert  seinen linken Arm auf Höhe des Ellenbogens.  Deine Finger liegen locker auf dem  Arm des Kämpfers auf. Schiebe den Kämpfer mit gleichmäßigem Druck nach hinten.

Du hast auch die Möglichkeit zwischen die Streithähne zu gehen. Nähere dich von der Seite, keinesfalls von hinten. Am besten ist es wenn Du Hilfe von mehreren Personen bekommst.

Die Grenzen der De Eskalation

Die Grenze der De Eskalation ist dann erreicht, wenn Du erkennst, oder das Gefühl hast, das dein Gegenüber jede Sekunde seinen physischen Angriff startet. Indizien dafür sind:

  • Er hält, nach mehrmaliger Aufforderung die Distanz nicht ein.
  • Er berührt dich
  • Er greift in die Tasche
  • Er holt zum Schlag aus

Der Kampf

Vorkampf

Als Vorkampf wird die Situation unmittelbar vor einem Kampf bezeichnet. Alle Aspekte des Vorkampfes wurden in den vorausgegangenen Kapiteln behandelt. In der Tabelle 1: Do´s and Dont´s im Vorkampf findest Du nochmal eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln für die Vorkampfphase.

Do´sDont´s
- Klare verbale Willensäußerung
- Umstehende Zeugen einbeziehen
- Den Angreifer nie1 aus den Augen lassen
- Unsicherheit durch Körpersprache ausdrücken
- Persönlich werden. Den Angreifer beleidigen
- Mit Deinen SV-Künsten angeben
Tabelle 1: Do´s and Dont´s im Vorkampf

Kampf

Im schlimmsten Fall hat alle Prävention und De Eskalation nicht gefruchtet. Es ist Dir nicht gelungen den Ort des Geschehens zu verlassen, der Fluchtweg ist vielleicht abgeschnitten. Der Moment des Kampfes ist gekommen. Falls Du dich dummerweise in einer einsamen Nebenstraße ohne „Öffentlichkeit“ befindest kann es sinnvoll sein schnell in eine Gegend zu flüchten, in der sich andere Personen aufhalten. Aber Vorsicht! Wenn der Angreifer schneller ist als Du kann er Dir in den Rücken fallen! Wenn das nicht fruchtet, bleibt Dir nur noch die konsequente Anwendung von (Gegen)Gewalt.

Wenn Du kämpfst, hast Du bereits verloren.

Do´sDont´s
- Stets den Schwachpunkt des Angreifers ausnutzen
- Technik konsequent anwenden
- Auf eine (wirkungslose) Technik folgt direkt die nächste Technik
- Zuerst den Kontakt zum Angreifer suchen
- Zuerst, und inkonsequent angreifen
- Dem Angreifer den Rücken zudrehen
- Nicht weglaufen
- Aufgeben - es geht ums überleben!
Tabelle 2: Do´s and Dont´s im Kampf

Deine Waffen2 sind im wesentlichen deine Fäuste (Hände), Ellenbogen, Knie und Füße. Du setzt deine Waffen am besten gezielt gegen die schwächsten Stellen am Körper des Angreifers ein. Deine Krallen, und dein Gebiss kannst Du natürlich auch einsetzen. Bedenke dabei aber das Kratzen und Beißen mit Risiken behaftet ist, im Zeitalter von Aids sollte man sich schon überlegen in wen oder was man beißt.

In den Medien wird der Mann in der Regel muskelbepackt, durchtrainiert und unbesiegbar dargestellt. Die Realität sieht meist anders aus. Für deine Selbstverteidigung ist es besser, du siehst den Mann als Ansammlung von Schwachstellen, die es konsequent auszunutzen gilt.

Am effektivsten sind Schläge und Druckpunkte an Kopf und Hals. Dort ist der Angreifer am verwundbarsten. Der Kopf stellt quasi die Kommandozentrale des Angreifers dar, ein bewusstloser Angreifer tut dir nichts mehr.

Wichtige Ziele sind außerdem die Gelenke bzw. der Bänderapparat an Armen und Beinen. Mit gebrochenen, ausgekugelten oder überdehnten Gliedmaßen kann der Angreifer dich nicht mehr verfolgen, greifen oder schlagen. Generell gilt, das Du dich auf große Ziele beschränkst, die auch gut zu treffen sind.

Deine Strategie

Achte auf Abstand und Stellung zum Gegner ▷Siehe auch „Error: Reference source not found“  auf Seite Error: Reference source not found. Schlage hart und „brutal“ zu. Führe mehrere Aktionen hintereinander aus. Halte den „Vorwärtsdruck“ aufrecht, bis der Angreifer aufgibt oder handlungsunfähig ist. Es gilt, ihm die Sinne oder/und den Bewegungsapparat zu rauben.Durch die Mehrfachaktionen und den Vorwärtsdruck nimmst Du dem Gegner den Raum sich zu „sammeln“, und seinen Angriff fortzusetzen.

Nach dem Kampf

Dein Verhalten nach dem Kampf ist abhängig von der Situation.

Hattest Du die Öffentlichkeit einbezogen, ist die Polizei vielleicht schon unterwegs. Bist Du verletzt? Hat vielleicht schon jemand den Krankenwagen angerufen. Oder bist Du alleine in der Nacht unterwegs? Zieht sich der Angreifer zurück, warte nicht bis er zurück kommt. Verlasse den Ort des Geschehens - Du weist nicht ob er bewaffnet, oder mit Freunden, oder beidem zusammen zurückkommt. Sichere Beweisstücke und hinterlasse keine persönlichen Gegenstände. Bist Du zu Hause überfallen/angegriffen worden dann verändere den Tatort nicht.

Zusammenfassung:

  • Organisiere Hilfe (rufe zB. einen Krankenwagen), oder leiste selbst erste Hilfe, falls der Angreifer verletzt ist.
  • Sichere Beweisstücke.
  • Verlasse den Tatort.
  • Hinterlasse keine persönlichen Gegenstände.

Nachbereitung, Nachsorge

Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder Du hast Dich erfolgreich behaupten und verteidigen können, und bist unverletzt aus der Konfrontation herausgekommen. Oder Du warst bei deiner Verteidigung erfolglos (was ich nicht hoffe und glaube), hast aber mit seelischen und körperlichen Schäden überlebt.

Folgen einer Vergewaltigung

Viele Frauen scheuen nach einer Vergewaltigung vor einer Anzeige zurück. Sie schämen sich, weil ihnen „so etwas“ passiert ist, sie sorgen sich um mögliches Gerede oder leiden unter Schuldgefühlen. Wenn der Täter ein Bekannter oder Verwandter ist, wollen Frauen ihm oder ihrem sozialen Umfeld oft keine Schwierigkeiten machen. Viele Frauen haben auch Bedenken wegen des Strafverfahrens. Sie haben Angst davor, als unglaubwürdig dargestellt zu werden und sie fürchten die Bedrohung durch den Täter.

Manche Frauen versuchen deshalb, nach einer Vergewaltigung zunächst alleine damit fertig zu werden. Aber das ist sehr schwierig, denn es kommt immer wieder vor, dass die verdrängten Erlebnisse nach Jahren voll aufbrechen.

Ein solch einschneidendes, traumatisierendes Ereignis hat weitreichende, und einschneidende Folgen auf körperlicher, und seelischer Ebene, und kann einen Menschen vollkommen aus dem Gleichgewicht werfen.

  • *GEDANKEN
    Sorgen, Erinnerungen, Flashbacks, Alpträume, Erinnerungslücken, Minderwertigkeitsgefühle, Konzentrationsprobleme, Gedanken an Selbsttötung, viele Fragen kreisen, z.B.: Warum ich? Soll ich ihn anzeigen? Was habe ich falsch gemacht? Wäre es anders gelaufen, wenn ich…? Kommt er wieder? Wie soll ich weiterleben?…
  • *GEFÜHLSWELT
    Trauer, Angst, Schuld, Ekel, Scham, Wut, Rachegefühle, Ohnmacht, Selbstvorwürfe, Verdrängen, Wunsch nach „Normalität“, Vertrauensverlust, Unsicherheit, Selbstvertrauen , Verlust des Zuganges zur Spiritualität, Zweifel,…
  • KÖRPER
    Verletzungen, Schmerzen, Zittern, Angstsymptome, Schlafprobleme, Ess-Störungen, Selbstverletzung, Selbsttötungsversuche,…
  • VERHALTEN
    Abgrenzen, sich zurückziehen, Verlust von Freundeskreis, Sprachlosigkeit, Probleme bei Arbeit, Beziehungsprobleme, Probleme mit Sexualität, Reizbarkeit, Verbitterung, Schreckhaftigkeit,…

Sei  freundlich und geduldig mit dir selbst und lass dich nicht unter Druck setzen – weder von Dir selbst,  noch von anderen.  Der Heilungsprozess ist vielschichtig und dauert bei jedem  unterschiedlich lange. Nimm dir die Zeit, die Du brauchst, damit alle körperlichen Wunden, und seelischen Verletzungen heilen können.

  • Hole Dir Hilfe, Du hast ein Recht darauf!
  • Schweige nicht, dulde das Unrecht nicht!
  • Wende dich an Personen Deines Vertrauens und/oder an einen Notruf für vergewaltigte Frauen.
  • Du wirst  sehen, Du bist nicht allein mit diesen Problemen.

Vorurteil und Wahrheit über Vergewaltigungen

Wird eine Vergewaltigung öffentlich, ist es möglich, dass die betroffene Frau mit verletzenden Vorurteilen konfrontiert wird. Diese Vorurteile sind zwar seit Jahren eindeutig widerlegt, trotzdem halten sich bestimmte Einstellungen hartnäckig in unserer Gesellschaft.

Das VorurteilDie Wahrheit
Frauen provozieren eine Vergewaltigung durch ihre Kleidung und ihr Verhalten.  Eine Frau, die sich „aufreizend“ anzieht, die freiwillig mit einem Mann in seine Wohnung geht oder sich von ihm küssen lässt, ist selbst schuld, wenn etwas passiert. Vor allem junge und attraktive Frauen werden vergewaltigt.Jede Frau Opfer sexueller Gewalt werden. Frauen aller Altersstufen – es gibt Opfer unter 14 Jahren und über 60 Jahre, aus allen sozialen Schichten, jeden Aussehens – und in jeder Situation. Auch dann, wenn geflirtet wird– Frauen haben immer das Recht, NEIN zu sagen und zu verlangen, dass dies auch respektiert wird.
Vergewaltigungen finden fast immer überfallartig, in der Regel  nachts, draußen in dunklen und einsamen Gegenden statt.Vergewaltigungen kommen überall und zu jeder Tageszeit vor. Über die Hälfte aller Taten findet in Privatwohnungen statt.
Vergewaltiger sind Fremde, völlig Unbekannte Menschen.Zwei Drittel aller Vergewaltigungen sogenannte Beziehungstaten: Täter und Opfer kennen sich, weil der Täter der Vater, Freund, Partner, Vorgesetzte, Kollege, Nachbar ist oder in der gleichen Disco, auf demselben Fest war.
Viele Anzeigen wegen sexualisierter Übergriffe sind erfunden. Frauen lügen, um sich an den Männern für etwas zu rächen oder ihren Ruf zu wahrenDieses Argument wird oft verwendet, um den Täter zum Opfer zu machen.
Männer vergewaltigen, um ihre übermächtigen sexuellen Triebe zu befriedigen. Vergewaltiger sind psychisch kranke oder sexuell gestörte Triebtäter.Die meisten Täter nicht krank. Untersuchungen belegen, dass die meisten Täter psychisch nicht auffällig sind. Sie lassen sich auch keiner speziellen sozialen Herkunft zuordnen. Eine einheitliche Täterpersönlichkeit gibt es nicht. Die weit verbreitete Ansicht, „sexueller Notstand“ des Mannes sei ein typisches Motiv für eine Vergewaltigung, trifft außerdem in den seltensten Fällen zu. Es geht vielmehr um Macht, Bestätigung eigener Stärke, um Unterwerfung. Das sagen Vergewaltiger selbst. Dafür spricht auch die Tatsache, dass Vergewaltigung zu etwa 70 % geplant sind.
Frauen wollen vergewaltigt werden. Sie können nicht gegen ihren Willen vergewaltigt werden. Eigentlich genießen sie es, mit Gewalt „genommen“ zu werden, sonst würden sie sich wirksamer wehren.In Wahrheit ist es der Angriff auf den Körper des Opfers zugleich ein Angriff auf die Psyche. Frauen erleben Todesangst, völlige Ohnmacht, Ekel, Trauer, Wut und Schock. Und das sollen Frauen freiwillig wollen?

Bist Du vergewaltigt worden, dann darfst du dich auf gar keinen Fall vor einer ärztlichen Untersuchung waschen!

Ob Du augenscheinlich verletzt bist oder nicht: Lass dich vom Arzt/Ärztin deines Vertrauens, oder im Krankenhaus untersuchen (auch wegen der von Geschlechtskrankheiten, Aids, etc. ausgehenden Ansteckungsgefahr). Lass dir den Befund der Untersuchung auf jeden Fall für eine später Gerichtsverhandlung attestieren.

Hol dir zunächst Unterstützung im Familien und/oder engsten Freundeskreis, und/oder bei einer professionellen Beratungsstelle.

Wende dich an eine Selbsthilfegruppe, und/oder an eine Psychologin. Die können dir am besten bei der Bewältigung der seelischen und moralischen Folgen helfen.

Reflektion

Wenn Du dich erfolgreich behauptest hast und weitgehend ohne körperliche Blessuren aus der Konfrontation herausgekommen bist, ist eine Reflektion der Ereignisse unerlässlich. Die Situation zu reflektieren heißt lernen, besser zu werden, und mit dir selbst im Reinen zu bleiben. Es geht nicht darum, das Du Dich in Selbstmitleid versenkst, oder dein Verhalten schön redest, oder schlecht machst. Konstruktive Selbstkritik soll Klarheit schaffen, und Dir Sicherheit geben demnächst Fehler zu vermeiden. Hole Dir psychologische Betreuung, spreche mit Freunden darüber. Werde Dir selbst klar darüber was gut gelaufen ist, und was nicht. Was würdest Du in Zukunft anders machen?

Rechtsbeistand

Besorge dir eine Anwältin oder einen Anwalt. Kämpfe um dein Recht, und bring den Angreifer in den Knast! Erstatte auf jeden Fall schnellstmöglich, spätestens innerhalb eines Jahres, Anzeige, egal ob Du den Täter kennst oder nicht! Vor einer Anzeige brauchst Du dich nicht zu fürchten.

Anzeige

Geh am besten in Begleitung deines Anwalts, oder einer Freundin zur Polizei. Als Frau hast du das Recht deine Anzeige bei einer Polizeibeamtin machen zu dürfen, wenn dir das angenehmer ist. Es werden deine Personalien aufgenommen, und alle Fakten protokolliert die zur Ermittlung des Täters erforderlich sind. Du kannst deine Aussage jederzeit abbrechen, zu einem späteren Termin fortführen, oder dich von jemand anderen Vernehmen lassen, wenn Du das willst. Lese dir das Protokoll genauestens durch. Unterschreibe es nur, wenn es wirklich hundertprozentig deinen Angaben entspricht. Wenn es nicht deinen Vorstellungen entspricht, bestehst Du darauf das es geändert wird.

Vor allem als Mann sagst Du niemals freiwillig das Du Kampfsportler bist, sonst hast Du nach einer erfolgreichen Selbstverteidigung alle Meinungen gegen dich - schließlich hättest Du als „Experte“ oder „Expertin“ ihn doch mit „sanften“ Mitteln bezwingen können, statt ihn aus zu knocken. So sind Schwierigkeiten vor Gericht vorprogrammiert. Dieses Verhalten ist zwar moralisch fragwürdig, dient aber dem Selbstschutz vor Vorurteilen der Menschen die vom Kämpfen keine Ahnung haben. Wenn Du gefragt wirst, sagst Du natürlich die Wahrheit, übertreibst nicht, und bleibst bescheiden.

Verfahren

Nach dem Opferschutzgesetz kannst Du als Opfer zu jedem Zeitpunkt einen Antrag zur Beiordnung einer Rechtsanwältin/eines Rechtsanwalts bei der Staatsanwaltschaft stellen. Dieser Rechtsbeistand schützt Deine Interessen. Er kann Einsicht in die Akten nehmen und ein Auge auf den ordnungsgemäßen Verlauf des Verfahrens haben.

Wie dem auch sei. Die Polizei wird in Deinem Fall nach der Anzeige auf jeden Fall ermitteln. Danach werden Deine Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Die ermittelt nochmal selbst und entscheidet dann ob Anklage erhoben wird oder nicht.

Bei der Gerichtsverhandlung musst Du als Zeuge - in der Regel in Anwesenheit des Täters - den Tatablauf noch einmal schildern und wirst dazu befragt. Darüber hinaus bist Du aber nicht zur Untätigkeit verdammt. Du kannst selbst Einfluss auf das Verfahren nehmen, indem Du eine Zulassung als Nebenkläger/in beantragst. Du hast dann das Recht…

  • während der Hauptverhandlung ununterbrochen Anwesend zu sein.
  • selbst (oder durch deinen Rechtsbeistand) Fragen an den Täter oder die Zeugen zu stellen.
  • das Beweisantragsrecht in Anspruch zu nehmen,
  • einen Schlussvortrag, das sogenannte Plädoyer zu halten.
  • eine bestimmte Strafe zu beantragen.
  • gegen das Urteil Rechtsmittel (Berufung, Revision) einzulegen. Das machst Du natürlich nur, wenn der Täter freigesprochen wird, oder das Urteil zu milde ausgefallen ist.

  1. Die Polizei weiß das, und versucht sich aus möglichst vielen Zeugenaussagen ein realistisches Bild der Situation machen. ↩︎ ↩︎

  2. Nicht vergessen den Verstand zu benutzen! ↩︎