Bildbetrachtung in a Nutshell
Ich betrachte eine Fotografie oder ein Gemälde. Was sehe ich da? Was erzählt mir das? Wie kann ich das analysieren und einordnen? Das ist eine Recherche im Rahmen meines Kunststudiums.
Unsere Sinne
- Tastensinn (haptisch) - Haut
- Sehen (visuell) - Augen
- Hören (auditiv) - Ohren
- Riechen (olfaktorisch) - Nase
- Schmecken (gustatorisch) - Zunge
- Gleichgewichtsinn (vestibulär)
- Temperatursinn (Thermorezeption)
- Tiefensensibilität (Körperempfindung)
Alle Sinne zusammen helfen uns bei der Wahrnehmung der Welt. Ein Sinn alleine kann leicht getäuscht werden. Kunstwerke können generell mit allen Sinnen erfasst werden.
Das Gehirn spielt natürlich dabei DIE zentrale Rolle, da es all die Informationen, die über unsere Sinne aufgenommen werden, verarbeitet, interpretiert und in ein zusammenhängendes Bild umwandelt. Das Gehirn konstruiert unsere Realität aktiv mit, anstatt die Welt nur passiv abzubilden. Es ist kein bloßer Empfänger, sondern ein Interpreter, der Rohdaten in eine für uns sinnvolle Erfahrung verwandelt. Das Ganze ist selbstredend komplex und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:
- Sinneswahrnehmung und Signalverarbeitung - Unsere Sinnesorgane nehmen Reize aus der Umwelt auf – Licht, Schall, Druck, Temperatur – und wandeln sie in elektrische Signale um. Diese Signale werden über Nervenbahnen an spezialisierte Bereiche im Gehirn weitergeleitet, zB. der visuelle Kortex für das Sehen oder der auditive Kortex für das Hören.
- Filterung und Priorisierung - Das Gehirn filtert ständig Informationen. Es kann nicht alles verarbeiten, was auf uns einströmt, weshalb es auf Basis von Aufmerksamkeit, Relevanz und Erfahrung entscheidet, worauf es sich konzentriert. Zum Beispiel blendet es Hintergrundgeräusche aus, wenn wir uns auf ein Gespräch fokussieren - der so genannte “Cocktailparty-Effekt”.
- Interpretation durch Erfahrung und Gedächtnis - Was wir wahrnehmen, wird stark von früheren Erfahrungen und gespeichertem Wissen geprägt. Das Gehirn vergleicht neue Reize mit bekannten Mustern. Ein klassisches Beispiel sind optische Täuschungen: Das Gehirn “füllt Lücken” oder interpretiert Bilder basierend auf Erwartungen, was manchmal zu Fehlwahrnehmungen führt.
- Emotionen und Kontext - Emotionale Zustände beeinflussen die Wahrnehmung. Wenn wir ängstlich sind, könnten wir Bedrohungen überbewerten - zB. ein Schatten als Gefahr wahrnehmen. Auch der kulturelle oder soziale Kontext spielt eine Rolle – ein Geräusch kann in einer Situation als angenehm, in einer anderen als störend empfunden werden.
- Plastizität und Anpassung - Das Gehirn ist plastisch, das heißt, es passt sich an Veränderungen an. Menschen, die einen Sinn verlieren - zB. Sehvermögen, können andere Sinne schärfen, weil das Gehirn Ressourcen umverteilt. Diese Anpassungsfähigkeit zeigt, wie dynamisch unsere Wahrnehmung ist.
- Subjektivität - Da jedes Gehirn geformt durch Genetik, Umwelt und persönliche Geschichte einzigartig ist unterscheidet sich die Wahrnehmung von Person zu Person. Farben, Schmerz oder Schönheit werden individuell erlebt.
- …
Dazu kommen noch psychologische Filter, die aus mentalen Prozessen, Persönlichkeitsmerkmalen, Glaubenssystemen und unbewussten Mechanismen bestehen. Sie sind nur schwer zu umgehen, da sie tief in unserer Denkweise und Gefühlswelt verwurzelt sind. Sie machen die Wahrnehmung nicht nur subjektiv, sondern auch hochgradig dynamisch – sie kann sich je nach Gemütszustand, Lebensphase oder sogar Tageszeit verändern. Das Zusammenspiel der Filter zeigt, wie stark das Gehirn unsere Realität nicht nur abbildet, sondern aktiv gestaltet.
Beispiele für psychologische Filter:
- Kognitive Verzerrungen / Cognitive Biases - Das Gehirn neigt dazu, Informationen auf eine Weise zu verarbeiten, die nicht immer objektiv ist.
- Bestätigungsfehler / Confirmation Bias - Wir nehmen eher Informationen wahr, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen, und ignorieren Widersprüchliches.
- Verfügbarkeitsheuristik - Dinge, die uns leicht in den Sinn kommen (zB. durch Medienberichte), erscheinen wahrscheinlicher oder wichtiger, als sie tatsächlich sind.
- Anker-Effekt - Die erste Information, die wir erhalten, beeinflusst unsere Wahrnehmung nachfolgender Informationen stark.
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- Emotionale Filter - Emotionen färben die Wahrnehmung erheblich. In einem depressiven Zustand kann die Welt grau und hoffnungslos wirken, während Freude sie heller und lebendiger erscheinen lässt. Angst kann dazu führen, dass wir Bedrohungen überinterpretieren, wie zB. ein harmloses Geräusch als Gefahr wahrnehmen.
- Erwartungen und Vorannahmen - Was wir erwarten, beeinflusst, was wir sehen oder hören. Ein Placebo-Effekt ist ein gutes Beispiel: Wenn wir glauben, dass etwas hilft, kann unser Gehirn positive Veränderungen wahrnehmen, selbst wenn objektiv nichts passiert ist.
- Selbstbild und Identität - Wie wir uns selbst sehen, filtert unsere Wahrnehmung. Jemand mit geringem Selbstwert könnte Komplimente als unaufrichtig abtun, während jemand mit starkem Selbstbewusstsein sie eher akzeptiert.
- Motivation und Ziele - Unsere aktuellen Bedürfnisse oder Absichten lenken die Aufmerksamkeit. Ein Hungriger nimmt Essensgerüche intensiver wahr, ein Verliebter achtet mehr auf Signale der Zuneigung.
- Psychologische Abwehrmechanismen - Nach Freud und anderen Theorien schützt das Gehirn uns vor unangenehmen Wahrheiten durch Mechanismen wie Verdrängung (Ignorieren schmerzhafter Realitäten) oder Projektion (Zuschreiben eigener Gefühle auf andere). Das verzerrt, wie wir Situationen wahrnehmen.
- Persönlichkeitsmerkmale - Extrovertierte könnten soziale Interaktionen positiver wahrnehmen, während introvertierte Menschen sie als anstrengend empfinden. Neurotizismus kann die Neigung verstärken, negative Aspekte zu überbetonen.
- Aufmerksamkeitsfokus / Tunnelblick - Psychologische Zustände wie Stress oder Multitasking können die Wahrnehmung einschränken. Unter Stress bemerken wir Details vielleicht nicht, die uns sonst auffallen würden.
- …
Ein Interessantes Buch über den aktuellen Stand der Wissenschaft ist Der Egotunnel .
All das darf man gern für die weitere Betrachtung im Hinterkopf behalten.
Wahrnehmung
Unsere Wahrnehmung der Welt ist trotzdem extrem beschränkt. Von gesamten vorhanden Spektrum:
- Hören wir den Frequenzbereich zwischen 20 Hz und 20 kHz
- Sehen wir etwa 430 THz bis 770 THz - also sichtbares Licht der Wellenlängen von ca. 400 nm bis 700 nm
das bedeutet:
- Akustisch nehmen wir ~0,002 % wahr, also 99,998 % nicht.
- Optisch nehmen wir ~0,000000034 % wahr, also 99,999999966 % nicht.
Das sind gerade mal 0,003 Prozent des gesamten Frequenzspektrums - 99,99 % entziehen sich unserer Wahrnehmung.
Unsere Sinne erfassen also nur winzige Bruchteile der uns umgebenden physikalischen Realität. Wir sind quasi blind, auch wenn diesen Bereich durch technische Hilfsmittel mittlerweile ordentlich erweitert haben.
Wir sind zwar beschränkt, aber haben uns trotzdem erfolgreich in unserer Nische etabliert - zusammen mit weiteren Lebewesen, die die Welt durchaus anders wahrnehmen als wir.
- Siehe auch Fotografie & die Sache mit der Realität | Docs
- Siehe auch Künstlerische Qualität | Docs
Das menschliche Auge
Das Auge spielt bei der Betrachtung von Kunst natürlich eine zentrale Rolle:
kann Gegenstände in unterschiedlicher Entfernung scharf sehen.
kann sich anpassen an Helligkeitsschwankungen.
kann Farben wahrnehmen.
kann Augenfehler haben.
ist anfällig für optische Täuschungen.
- Richtungstäuschungen
- Größentäuschungen
- Formentäuschungen
- Kontrasttäuschungen
- Farbtäuschungen
Sehen ist mehr als die optische Abbildung von Gegenständen auf der Netzhaut.
- Verarbeitung im Gehirn: Erfahrungen und Stimmungen spielen eine Rolle.
- Verschiedene Personen, können unterschiedliche optische Wahrnehmungen vom selben Gegenstand haben.
Die hell-dunkel Stäbchen sind lichtempfindlicher als die farbempfindlichen Zäpfchen -die erst bei mehr Licht ansprechen). Deshalb sehen wir im dunkeln alles eher grau.
Farbwahrnehmung
- Farben sind Lichtwellen
- Farben sind Empfindungen
- „Farbe ist nicht in erster Linie ein physikalisches, sondern psychologisches Phänomen" - Josef Albers (1888 – 1976)
- Komplementärfarben, Körperfarben -> Dazu habe ich einen ganzen Artikel verfasst .
Figur-Grund-Beziehung
- Figur - Positivform. Ein sich vom Hintergrund abhebendes Objekt.
- Grund - Negativform.
- Das Gehirn bemüht sich, Formen aus seinem flächigen oder räumlichen Umfeld herauszulösen und zu verstehen.
- Es gibt mehrdeutige Figur-Grund-Beziehungen (zB. Rubinschen Becher )
Gesetz der guten Gestalt / Gesetz der Prägnanz
- Gestaltgesetze von Max Wertheimer (1880 – 1943) und Wolfgang Metzger (1899 – 1979)
- Das Auge des Betrachters fasst Gesehenes zu komplexen Formen zusammen. Prägnante Elemente prägen sich besser ein und teilweise überdeckte Objekte sind in ihrer vollständigen Form vorstellbar.
Gestaltung
Bildwahrnehmung
- Die Wahrnehmung des Menschen sucht erstens nach einer visuellen Ordnung und zweitens nach Raumtiefe.
- Verbundenes, Nahes oder Ähnliches fassen wir zusammen.
- Wir versuchen das eigentlich flache Bild als dreidimensionalen Raum zu lesen (von Figur und Grund über Vorder-, Mittel-, Hintergrund bis zu komplexen ineinandergreifenden Raumkonzepten).
- Raumtiefe kann durch Grössenabstufung, unterschiedliche Anordnung in der Bildhöhe, Überdeckung, etc. entstehen.
- Die Wahrnehmung des Menschen sucht erstens nach einer visuellen Ordnung und zweitens nach Raumtiefe.
Formale Gestaltungsprinzipien, Grammatik der Bildsprache
Querformat wirkt ruhig, gesetzt, eher passiv, Hochformat aktiver, dynamischer.
Symmetrie wirkt ausgewogen, monumental, evtl. langweilig; Der Punkt ist statisch, wie festgemacht. Asymmetrie bewirkt Spannung, deutet auf Bewegung.
Waagrechte und Senkrechte bringen Ruhe und wirken flächig. Diagonalen und andere Schrägen wirken dynamischer und können auch auf Raumtiefe verweisen.
Regelmässige Anordnungen oder Reihen erzeugen Rythmus und Distanz. Überlagerungen bewirken Dichte, Spannung, Gewicht. Sie wirken tendentiell organischer und lebendiger als eine regelmässige Anordnung.
Ein Streben von links unten nach rechts oben wird in der westlichen Welt positiv gedeutet. Der Blick oder die Bewegung nach rechts weist in die Zukunft. Ein Streben von rechts oben nach links unten wird negativ gedeutet. Der Blick oder die Bewegung von Rechts nach links weist in die Vergangenheit.
Die optische Mitte liegt über der mathematischen Mitte. Mittig ausgerichtete Bildkompositionen wirken monumental aber auch monoton. Um dies zu verhindern, können prägnante Elemente wie Horizont oder Gesicht zB. in den goldenen Schnitt gesetzt werden. Das wirkt harmonisch, ausgewogen und trotzdem nicht langweilig.
Personen oder Dinge können angeschnitten werden.
- Erweitert den Bildraum über die Bildfläche hinaus.
- Erleichtert ein “Eintauchen” in die dreidimensionale Welt des Bildes.
Der Zwischenraum spielt für die Bildkomposition / Bildordnung eine Rolle.
- Viele Zwischenräume wirken unruhig
- Wenige Zwischenräume wirken ruhig.
- Stichwort Restform!

Perspektive
Perspektive konstruieren: Punktperspektive & Parallelperspektive
Was erzeugt auf einer zweidimensionalen Fläche einen Raum? Es wirken weiter entfernt…
- Kleinere Elemente
- Höher gestellte Elemente
- Überdeckte Elemente
- Kürzere Linien
- Feinere Linien
- Zusammenlaufende Linien
- Unscharfe Elemente ( Sfumato )
- Schlagschatten formt den Raum
- Eigenschatten formt den Raum
- Farbperspektive: Kalte, trübe und helle Farben
- Luftperspektive: schwächere Kontraste
Bildimmersion
Rezeption
- Fremdes Gedanken-, Kulturgut aufnehmen, übernehmen.
- Vorstellung durch eigene Erfahrungen?
Immersion
- Eintauchen in eine eigene Welt.
- Der Betrachter ist während dessen verletzlich und manipulierbar.
- Audio und Interaktivität kann das zusätzlich unterstützten.
Drei Schichten (Bildräume) der Immersion
- Materielle Schicht (Elemente: Ölfarbe, Monitorpixel,…)
- Bildnerische Schicht (Elemente: Punkt, Linie, Fläche,…)
- Ikonische Schicht (Elemente: Reale oder erfundene)
- Jede Schicht funktioniert autonom.
- Alle Elemente zeigen formale Eigenschaften: Farbe, Form und Textur, teils auch Gewicht, Geruch, Temperatur, wenn auch nur ikonisch oder synästhetisch.
- Die Elemente einer Schicht wirken im Zusammenspiel mit anderen Elementen über die eigene Bildschicht hinaus. Ein Bild entfaltet sich erst dann in seiner vollen Bedeutung..
Immersive Dichte
- Beschreibt die Zusammensetzung und Intensität der verschiedenen Schichten.
- Man kann einen Schwerpunkt setzen.
- Der ist abhängig von historischen oder kulturellen Bedingungen, Darstellungsfunktion, Absicht und individuellen Interessen.
Die Form
Der Punkt
Die Linie
- kennzeichnet Formen, und definieren so Objekte.
- kann als eigenständiges Element in einem Bild vorkommen.
- kann als Form für einen bestimmten Gegenstand selbst stehen (zB. einen Pfahl, Speiche, Sonnenstrahl).
- kann die Umrissform einer Fläche, eines Körpers oder eines Raumes kennzeichnen.
- Durch den Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Objekt und Hintergrund kann eine linienhafte Kontur/Umriss erscheinen.
- Linienformen
- gerade, gebogen, gewellt oder geknickt, dünn oder dick, gleich oder ungleich breit, von einer oder beiden Seiten begrenzt, durchgängig oder gestrichelt, unterbrochen, geometrischen oder organischen Ursprungs.
- Linienwirkung
- senkrecht (vertikal) = stehend, fest, stabil
- waagerecht (horizontal) = liegend, ruhig, statisch
- irgendwie schräg = unruhig, dynamisch, richtungweisend
- diagonale = aufsteigend, fallend
- rund, gebogen = aufnehmend, offen bzw. beschützend, geschlossen
- rechtwinklig = konstruktiv, exakt
- winklig = technisch, konstruiert
- organisch, frei = natürlich, lebendig
- wellenförmig = bewegt, unruhig
- dünn = zart
- breit = fest, hart, stabil
- auslaufend - dünner werdend = lebendig, unruhig
- Linienfunktion
- Formen kennzeichnen und so Objekte definieren.
- Eigenständiges Element in einem Bild.
- Als Form für einen bestimmten Gegenstand stehen (Sonnenstrahl, Antenne, Speiche,…)
- Kennzeichnet die Umrissform einer Fläche, eines Körpers oder eines Raumes.
- Durch Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Objekt und Hintergrund kann eine linienhafte Kontur (Umriss) erscheinen.
- Schraffuren: Viele feine, kurze dicht beieinander stehen Linien - genannt Striche, können die Oberflächenbeschaffenheit eines Körpers oder eine Struktur widerspiegeln.
- Darstellung von Bewegungen, Richtungen und Geschwindigkeiten.
- Schmückende, ornamentale Funktion.
Flächenformen
- eckig oder rund.
- symmetrisch oder asymmetrisch.
- durch Punkte, Linien oder angrenzende Flächen begrenzt.
- Nur von Umrissform bestimmt (leer), mit nur einer Farbe gefüllt oder unterschieden durch Strukturen / Muster / etc.
- Ganzheitliche oder Teilflächen.
- Geometrisch (konstruiert), organisch (von der Natur abgeleitet) oder frei entwickelt.
Geometrische Flächenformen
- Grundformen (Sekundärform): Kreis (Trapez), Dreieck (Dreirund), Quadrat (Vierrund)
- Durch Addition und Subtraktion von Primär- und Sekundärformen entstehen weitere komplexe Flächenformen geometrischen Ursprungs.
Organische Flächenformen
- Sind von Pflanzenformen oder Lebewesen abgeleitet.
- Werden gern für ornamentale Zwecke verwendet und dabei häufig gestalterisch vereinfacht (stilisiert).
- Charakteristische Merkmale und Gesetzmäßigkeiten der Naturform sollten erhalten bleiben.
Körperformen
- Umfassen drei Dimensionen: Länge, Breite und Höhe.
- Geometrische Körperformen
- Würfel, Kegel, Kugel, Zylinder, Pyramide mit dreieckiger oder viereckiger Grundfläche.
- Primärformen lassen sich zu komplexen Gebilden kombinieren.
- Organische Körperformen können nicht mit exakten Begriffen definiert werden.
- Plastische Wirkung
- durch Hell-Dunkel-Modulation mittels Farbdifferenzierung
- durch Linien als Umriss oder Strichbündelung.
- Räumliche Bezüge entstehen durch perspektivische und nichtperspektivische Darstellungsverfahren.
- Nichtperspektivische Darstellungsverfahren
- Überdeckung der Körper
- Größenverhältnisse: groß = vorne, klein = hinten
- Lageverhältnisse: unten = vorne, oben = hinten
- Helligkeitsabstufung im Raum
- Perspektivische Darstellungsverfahren
- Parallelperspektive
- Zentralperspektive
Untersuchung der Form und ihre Wirkung
Quantität
- Untersucht die Abhängigkeit zu anderen Bezugspunkten in ihren Mengen- und Größenverhältnissen, und als Teil zum Gesamten: groß – klein, viel – wenig, voll – leer, dick – dünn, lang – kurz, etc.
- An der Größe lässt sich ihre Wichtigkeit ablesen (Bedeutungsmaßstab).
- Bei unterschiedlichen Mengen von Bildformen wird die Wirkung im Gesamtzusammenhang gewertet.
Qualität
- Versucht die Eigenart der Formen genau zu charakterisieren.
Begrenzung / Abgegrenzung
- Scharfe Abgrenzung: präzise, klar, hart, sauber, grafisch.
- Diffuse Abgrenzung: verschwommen, weich, bewegt, ungenau, verwaschen, malerisch.
Richtungsbezüge
- Einzelne Linien, Flächen und Körper weisen immer einen Richtungsbezug auf.
- Richtungen und möglichen Wirkungen auf den Betrachter erklären sich aus der „Linien- & Flächenwirkung“.
Oberflächenbeschaffenheit
- Von den einzelnen Formen ablesbare Oberflächengestaltung, wie Stofflichkeit.
- Arbeitsspuren des Malers auf dem Bild.
Bildaufbau
- Grundstrukturen eines Bildes
- Gliederung des Formats
- Gerichtetheit von Form- und Bildelementen
- Bildachsen und Komposition
- Ordnungsprinzipien des Bildaufbaus
- Reihung
- Rhythmus
- Gruppierung
- Ballung
- Streuung
- Symmetrie
- Asymmetrie
- Struktur
- Raster
- Schwerpunkt
- Kontraste
- Dynamik
- Statik
- Proportion und goldener Schnitt
Bildraum
- Mittel der Raumdarstellung
- Raum- und Körperdarstellung durch Licht- und Schatten
- Parallelprojektion
- Zentralperspektive
- Farb- und Luftperspektive
- Mehrdeutige räumliche Illusion
Bildfarbe
- Was ist Farbe
- Ästhetische Farbenlehre
- Goethes Farbenlehre
- Farbstudien und Farbmischungen
- Die Dimensionen der Farbe
- Physische und psychische Wirkung der Farben
- Symbolik der Farben
Bildspannung
- Bildspannung durch Kontraste
- Bildspannung in der Beziehung der Anordnung
- Einstellungsgrößen (Film)
- Perspektiven (Film)
- Einstellungslänge (Video)
Bildform
- künstlerische Form (KF)
- Bildformen
- Gestaltungsmerkmale der KF
- Extrem hoher Grad der Nachahmung (zB. naturalistische Darstellung)
- Hoher Grad der Nachahmung (zB. realistische Darstellung)
- Mittlerer Grad der Nachahmung (zB. impressionistische Malerei)
- Niedriger Grad der Nachahmung (zB. expressionistische Malerei)
- Die freie künstlerische Form (zB. abstrakte Malerei)
Gattungen der Malerei
- Historienbild
- Porträt
- Landschaftsmalerei
- Genremalerei / Sittenbild
- Stillleben
Bildanalyse, Interpretation, Bildvergleich
Bildanalyse frei nach dem semiotischen Modell
Percept - Erster Eindruck, Gefühl, wie wirkt das Kunstwerk auf mich.
- Spontane, subjektive, emotionale Reaktionen…
- Was gefällt/ missfällt mir?
- Was fällt mir besonders auf?
- Welche Stimmung breitet sich vom Bild ausgehend auf mich aus?
- Woran denke ich?
Vorstellung des Bildes - Daten und Fakten.
Titel des Bildes
Datum der Enstehung/ Epoche, ursprüngliche Funktion
Name und wichtigste Daten des Künstlers
Angabe des Sujets (Landschaft, Stilleben, Porträt,…)
Format (Hoch- oder Querformat), Größe
Technik, Bildträger
Auftraggeber, Früh- oder Spätwerk d. Künstlers
Wo befindet sich das Bild? - Standort/Museum
Syntaktik - Form des Bildes, sachliche optische Beschreibung des sichtbaren Bestandes.
Motiv (was abgebildet ist)
Farbe
Kontraste
Material
Technik
Licht/ Schatten (Plastizität)
Räumlichkeit/ Perspektive
Komposition
Organisation der Bildfläche (Linien/ Flächen)
- Gedachte Linien und Bewegungslinien
- Ausgesprochene Linien: (Linie, Struktur, Kontur,…)
- Markante Flächen im Bildaufbau
- Weitere Formgegensätze
- Bildoberfläche, Malweise
Verhältnis von Gestaltbild zu Umweltbild
- Erscheinungsgetreu
- reduziert
- abstrahiert
- autonom
- naturalistisch
- idealistischrealistisch
- …
weitere Merkmale der Gestaltungsgesetze (siehe ganz weit oben)
Duktus
- Handschrift des technischen Mittels: Pinsel, Stift, Radiernadel, …
- Handschrift des Malers/ Zeichners: deutlich, zurückgenommen, vehement, glatt, nervös, …
Bis hier hin noch keine Deutung des Bildes!
Semantik - Deutung der einzelnen Zeichen.
Was sehe ich - Beschreibung der Bildgegenstände
- Wie stehen die Dinge zueinander. Lassen sich Ordnungen, Gruppierungen, Beziehungen finden?
- Geordnete Beschreibung: Gliederung der Bildinhalte in Leserichtung des Bildes, Vorder- Mittel- u. Hintergrund, Haupt- und Nebenszenen.
- Wertfreie Beschreibung der Bildinhalte. Noch keine Deutung! Art und Menge der dargestellten Gegenstände und Personen, Mimik, Gestik, Körpersprache, Bekleidung, Requisiten, Architektur, Räume, Landschaften, Landschaftsausschnitte, konkrete oder reduziert/ abstrahierte Formen, …)
Verhältnis Bild - Betrachter
- Aufsicht, Untersicht, Augenhöhe?
- Erkennt man die Dinge aus Nahsicht oder Fernsicht?
- Existiert eine Identifikationsbrücke? (zB. Rückenfigur)
- Nehmen die Bildgestalten Blickkontakt zum Betrachter auf? (Nähe - Distanz)
- Ist der dargestellte Raum betretbar? Führt ein Weg in die Bildtiefe oder ist der Zugang versperrt?
wie deutet man das Gesehene?
Semantische Kontextanalyse - Geeignet für komplexe Bilder, für einfache eher nicht.
- 1. Benenne die Bildelemente
- Jedes einzelne Bildelement laut benennen - nicht beschreiben!
- Was ist darauf zu sehen?
- Benenne alles, auch Untergrund und Hintergrund.
- Dadurch benutzen wir das Seh-, Sprach- und Gehörzentrum des Gehirns.
- 2. Beschreibe die Objekte
- Beschreibe jedes einzelne Element wie es ist, und wie es wirkt - in Bezug auf Technik und Gestaltung.
- Interessant ist hier die Wirkung und Anmutung - das kann „emotional“, gefühlt sein.
- Vorsichtig sein mit Annahmen wegen Priming - vermeide Schlüsse.
- 3. Suche das Gegenteil - Drehachse
- Suche zu jedem Objekt das Gegenteil im Bild. Worin besteht die Drehachse?
- Es kann durchaus mehrere Drehachsen im Bild geben, manchmal wiederholt sich auch eine oder mehrere Drehachsen mehrfach.
- Beispiel: Frau <— Geschlecht —> Mann
- Das Gegenteil von Frau ist Mann. Die Drehachse ist das Geschlecht.
- Das ist eher ein Kunstgriff, und nichts was unser Gehirn intuitiv von alleine macht. So arbeitet unser Gehirn nicht. Es gilt aber das unbewusst bzw. Intuitiv und spontan zu sehen, und nicht sich das bewusst und mühsam zu konstruieren.
- Normal ist man an der Stelle fertig. Falls man die Bedeutung nicht gefunden hat geht es hiermit weiter:
- 4. Bilde semantische Felder des Gegenteils
- Was ist das semantische Feld des benannten, beschrieben, und ins Gegenteil verkehrten Objekts?
- 5. Bilde semantische Felder
- Zu jedem ersonnenen Begriff das einfachsemantische Feld bilden. Sprich: Begriffe sammeln.
- 1. Benenne die Bildelemente
Pragmatik - Bildinterpretation, wozu verleitet mich das Bild.
Absicht des Künstlers/ Funktion
Wer sagt was, zu wem, durch welches Medium, in welcher Absicht, unter welchen Umständen, und mit welcher Wirkung?
Ist der Titel des Bildes stimmig und nachvollziehbar?
Interpretation
Eine Interpretation ist eine Mischung aus subjektiver Bewertung, Beobachtetem und Analysiertem. Das Augenmerk richtet sich auf das ganze Kunstwerk, nicht auf einzelne Aspekte.
Einen möglichen Bedeutungsgehalt ergründen.
Maßgebliche Elemente des Bedeutungsgehaltes:
Das Sujet
Art der Darstellung - dh. der Einsatz der bildnerischen Mittel
- Auswahl, Anordnung und Abstimmung der Mittel
- Charakteristisch für eine jeweilige Epoche
- Individueller Stil des Künstlers
- Umgang mit Farbe: (lasierend – deckend – pastos usw.)
- Formale Aspekte: Richtungen (Horizontale, Vertikale, Diagonale, Schrägen),
- Figuren (Dreieck, Kreis, Quadrat)
- Flächen ( wenige – viele, kleine – große, regelmäßige – unregelmäßige, begrenzte – diffuse)
- Farben (reinbunt – getrübt, hell – dunkel, monochrom – chromatisch, valeuristisch, komplementär).
Die davon ausgehende Stimmung.
Die Bedeutung
- für den Künstler
- im historischen Kontext
- in unserer heutigen Zeit
aktuelle, zeitbezogene Interpretation formuliert
- persönliche Sichtweisen
- Hypothesen
- Vermutungen
Alles, was über ein Bild gesagt wird, muss am Bild belegt werden.
Alles was in der Analyse der bildnerischen Mittel herausgearbeitet wurde, muss komplett & widerspruchsfrei mit dem Bildsinn im Einklang stehen.
Alte Kunstwerke werden heute anders empfunden, gesehen und gedeutet.
- werkimmanent
- ikonographische Bedeutungen
- Welche Aussage trifft das Bild?
- Welche Intention verbindet der Künstler damit?
Deutung der Bildsprache
- Bildsymbole
- Metaphern
- Bildzusammenhänge
- Bildwirkungen
- Bedeutungsebenen
- …
Was war das Abbildungsinteresse des Künstlers?
Was waren die Interessen der Auftraggeber?
Übergreifende Interpretation
- werktranszendent
- ikonologische Bedeutung
Was kann die Entstehung des Bildes beeinflusst haben?
- historische, kunsthistorische, stilistische, biographische oder gesellschaftliche Fragestellungen, unter Zuhilfenahme von Bildvergleichen, Werkgruppenuntersuchung, Motivketten, literarischen Quellen etc.)
Welche Aussage ergibt sich über die Person des Künstlers, die Umstände seines Schaffens, seine Einstellungen, die historischen Gegebenheiten, die Kunst seiner Zeit, die kunstgeschichtliche sowie geistesgeschichtliche Entwicklung?
Abschließende Worte
Bildvergleich
- Benutzung der oben beschriebenen Vorgehensweise.
- Unter jedem Punkt beide Bilder auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersuchen.
- Das Hauptbild zuerst untersuchen, und hinterher mit dem Vergleichsbild in Beziehung setzen.
- Überprüfung der wesentlichen Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten.
Bild-Sequenzen
Für Sequenzen von Bildern - quasi als Vorstufe zum Film eignet sich der Bildvergleich nach obigen Muster. Wir bewegen uns damit aber schon an der Grenze zur Filmanalyse.
Filmanalyse
… oder auch eine Analyse multimedialer Installationen. Da kommen alle obigen Elemente zum tragen, und dazu…
Eine formal-inhaltliche Protokollierung des filmischen Ablaufs:
- Inhaltsbeschreibung
- Problematisierung und Fragestellung
- Bestandsaufnahme mit Sequenzbeschreibungen
- Analyse und Interpretation unter Einbeziehung des
- historisch-gesellschaftlichen Kontexts
- Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
Konzentration auf einzelne Sequenzen. Aufschlüsseln von Elementen der Filmregie wie:
- Einstellung
- Kameraperspektive
- Kamerabewegung
- Licht
- Ton
- Montage
Die drei „Realitätsebenen“ der filmischen Kommunikation, Korte (1993):
Produktions-Wirklichkeit
- …
Film-Wirklichkeit
Vollständige Erfassung und Bewertung aller im Film auffindbaren Informationen.
Analyse der Einzelbilder, bzw. der in den Einstellungen gemachten Aussagen, d.h. Bildinhalt, Bildgestaltung und Bild- und Einstellungsinszenierung.
Analyse der gesprochenen Dialoge.
Analyse der eingesetzten Musik, Töne und Geräusche.
Analyse der inhaltlichen Struktur des Films - Plot (Handlungsverlauf), Charaktere, Handlungsorte, Handlungszeit, …
Analyse des Schnitts und die damit verbundene Montage der Shots.
Analyse des Schauspielens.
Rezeptions-Wirklichkeit
- Verstehen und Wirkung des Films beim Rezipienten: Persönlichkeit, Selbstwahrnehmung, Vorwissen, politische Orientierung, …
- Welche Faktoren des kulturellen Kontext kommenden zum Tragen
- Sozialer Kontext des Rezipienten - Welcher Film ist gerade “in”, …
- Publikumserfolg. Besucherzahlen, Einspielergebnis, …
- Rezeption zur Entstehungszeit des Films. Zeitgenössische Rezeption, durch professionelle Kritiker und normales Publikum.
- Aktuelle, heutige Rezeption.
Musikanalyse
Wer ist Komponist*in
- In welcher Zeit lebte er/sie?
- Gab es prägenden gesellschaftlichen Einfluss?
- Welche künstlerischen Entwicklungen haben das Stück geprägt?
Welcher Stilrichtung (Barock, Romantik, Renaissance,…)?
Wie heißt das Musikstück, und warum?
Tonumfang (Ambitus)
Melodieführung
Suche nach bestimmten Motiven
musikalische Parameter
Artikulation,
Lautstärke, …
Tonart
vorrangiger Takt
Tempo
Lässt es sich in Abschnitte unterteilen?
Gibt es Wiederholungen
Auffällige Vor-, Zwischen- oder Nachspiele
Für welche Instrumente wurde das Stück geschrieben und warum?
Wie ist der Aufbau des Stücks musikalisch umgesetzt worden.
Gibt es eine Singstimme?
Gibt es einen Text dazu?
Textverteilung (melismatisch, syllabisch)
Welche Gefühle und Empfindungen verspüre ich beim hören.