Begriffsbestimmung

Zuletzt aktualisiert am 7. Februar 2024 17 Minuten

“Der Horizont mancher Menschen ist ein Kreis mit Radius Null, Sie nennen das dann Ihren eigenen Standpunkt.” (Albert Einstein)

Konflikt

Ein Konflikt ist die Spannung, die existiert, wenn Menschen miteinander konkurrieren oder gegensätzliche, sich gegenseitig ausschließende Ziele haben (Du willst mich verprügeln, ich habe aber keine Lust dazu). Konflikte bewirken:

  • Instabilität und Konfusion
  • Abnahme von Rationalität
  • Aufbau von Emotionalität
  • Stress und Unzufriedenheit

In der Arbeitswelt kommen noch hinzu:

  • Störung der Zusammenarbeit
  • Vergeudung von Ressourcen

Dein erster Gedanke wird jetzt sein, das ein Konflikt was übles ist. Konflikte zwischen Menschen treten dauernd auf. Du darfst sie aber nicht als Übel ansehen, sondern musst sie als Chance begreifen. Ein Konflikt dient Dir dazu Probleme aufzuzeigen. Konflikte…

  • verhindern Stagnation
  • führen zu Erkenntnissen, (hoffentlich) zu Selbsterkenntnis
  • finden Lösungen
  • regen Interesse und Neugierde an
  • sind die Wurzel von Veränderungen

Für unsere Selbstverteidigung ist es wichtig zwischen inneren und zwischenmenschlichen Konflikten1 zu unterscheiden. Gedanken und Gefühle unter denen ein Mensch leidet machen innere Konflikte. Spannungssituationen, an der zwei oder mehr Personen beteiligt sind, nennt man zwischenmenschliche Konflikte.

Woran erkennst Du einen inneren Konflikt?

  • Du bist in einer Situation angespannt und belastet
  • Du malst Dir aus: was passiert wenn …
  • Du bist verunsichert und ungewiss
  • Du erlebst einen Druck, diese Störungen zu überwinden

Woran erkennst Du einen zwischenmenschlichen Konflikt?

  • Du nimmst schärfer wahr was trennt/unterscheidet
  • Du kommunizierst verzerrt und irreführend, und täuschst ggf. bewusst
  • Es herrscht misstrauen, Argwohn, offene Feindseligkeit
  • In der Arbeitswelt arbeitet jeder für sich, und nicht mehr für die gemeinsame Aufgabe

Gewalt

Sie ist eine elementare Strategie in der Natur ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Meist empfinden wir Gewalt als etwas böses. Gewalt ist aber weder gut oder böse, noch gerecht oder ungerecht. Das wird sie erst durch die Wahrnehmung der ausübenden Kreatur, und des Opfers. Für den Begriff Gewalt gibt es verschiedenste Definitionen. Zusammenfassend kann man sagen, das Gewalt jede Aktion ist, die darauf abzielt Sachen, Tiere, Pflanzen, andere Menschen oder sich selbst zu schädigen bzw. beschädigen oder zu verletzen. Allen Arten von Gewalt ist gemeinsam, das Grenzüberschreitungen stattfinden.

Alltägliche (sexuelle) Belästigung, Gewalt Erleben vorwiegend Frauen, und sie ist oft nur schwer zu erkennen. Alles, was gegen Deinen Willen bzw. ohne deine ausdrückliche Zustimmung geschieht, kann als sexualisierte Gewalt erlebt werden. Letztlich entscheidet dein individuelles Erleben wo die Grenze überschritten wird:

  • Die tägliche Anmache auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Kneipe oder im Freundes- und Familienkreis, zum Beispiel durch taxierende Blicke, anzügliche Bemerkungen bzw. Witze, auf die Pelle Rücken,…
  • Der sanfte Druck in der Freundschaft, dem die Frau nach gibt, um den Mann nicht zu verlieren.
  • Aufgedrängte Küsse und ungewollte Berührungen
  • Werbung, Literatur, Film, Musik, Pornographie, Internet usw.
  • Die Darstellung der Frau als Objekt zur Befriedigung männlicher Bedürfnissen
  • Finanzielle Kontrolle und Beschneidung sozialer Kontakte
  • Jede Einschränkung der freien Entfaltungsmöglichkeiten, die durch geschlechtsspezifische Sozialisation von Mädchen und Frauen begünstigt wird… (Diskriminierung, Rassismus)
  • Mobbing, Stalking
  • Vergewaltigung

Sexualisierte Gewalt ist jede Art von Belästigungen oder Bedrohungen durch Männer. Sexuelle Nötigung, Übergriffe im öffentlichen Raum, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Ob auf der Straße, am Arbeitsplatz oder in der eigenen Wohnung, in U-Bahnen, Parks oder am Telefon, Du bist alltäglichen Zudringlichkeiten immer und überall ausgesetzt. Es kommt so häufig vor, und man(n) findet es fast normal. Du reagierst peinlich berührt, es ist Dir unangenehm. Du ärgerst Dich oder empfindest sogar Wut… und dann denkst Du vielleicht, Du bist übersensibel oder zickig. Es ist genau so, wie Du es empfindest! Es sind Männer aller Alters- und Berufsgruppen, die auf diese Art ihren Willen und ihre Macht mit Gewalt ausleben. Häufig sind es auch Ehemänner, Partner, Freunde oder Bekannte. Frauen werden auch von ihnen psychisch oder physisch bedroht, geschlagen, misshandelt oder vergewaltigt. Ihr eigenes Wollen, ihr Ja oder Nein, wird missachtet und damit ihre Person, ihre Menschenwürde. Häusliche Gewalt ist weltweit betrachtet häufiger als Malaria, Krebs oder Verkehrsunfälle. Ist Liebe im Spiel wird es für die betroffene Frau besonders schwer. Aber ich schweife ab, rudern wir mal ein wenig zurück. Folgende Arten von Gewalt kann man unterscheiden.

physische Gewalt

Du kannst immer dann von Gewalt sprechen, wenn jemand andere Menschen oder Tiere verletzt, Gegenstände beschädigt oder zerstört. Diese Art von Gewalt nehmen wir deutlich war und erkennen Sie als solche. Fachleute sprechen in einem solchen Fall von physischer, körperlicher Gewalt.

psychische Gewalt

Eine andere Form der Gewalt ist die psychische Gewalt. Sie ist oft nicht so offensichtlich, und kann durch Worte, Blicke, Gesten oder Handlungen bzw. bestimmtes Verhalten ausgeübt werden. Klassische Beispiele sind Mobbing am Arbeitsplatz, Bullying in der Schule, Rassismus bzw. Diskriminierungen jedweder Art. Ignorierst Du z.B. jemanden, hänselst ihn, oder lästerst über einen Arbeitskollegen. Verweigerst Du deinen Kindern die Zuneigung, oder drohst ihnen Schläge an, dann handelt es sich um psychische also seelische Gewalt. Ein Einbruch in Abwesenheit zum Beispiel ist auch eine Form der psychischen Gewalt.

Strukturelle Gewalt

Bei struktureller oder indirekter Gewalt tritt keine Person unmittelbar in Erscheinung, der Dir direkten Schaden zufügt. Du nimmst sie deshalb meist nicht unmittelbar als Gewalteinwirkung wahr. Diese Form der Gewalt geht von gesellschaftlichen Normen und Regeln aus. Gesetze, die durch staatliche Gewalt und Gerichte ausgeübt werden. Fühlbar wird strukturelle Gewalt für Dich, wenn Du mit deinem Auto zu schnell durch eine Blitzanlage der Polizei fährst. Wenn Du als Ausländer diskriminiert wirst. Wenn Du im Geschäft etwas mit nimmst ohne den Händler zu bezahlen. Wenn Du in die Schule gehen musst, die Schulpause zu bestimmten Zeiten ist, ja der gesamte Stundenplan dich zwingt bestimmte Dinge zu bestimmten Zeiten zu lernen. Wenn Du Steuern zu entrichten hast, dein Arbeitgeber dich mehr arbeiten lässt ohne dir dafür mehr Geld zu geben, oder dein Arbeitskollege befördert wird obwohl er noch nicht so lange im Team ist. Wenn Du im Krankenhaus gegen deinen Willen zwangsernährt wirst, oder dir bestimmte Medikamente vorenthalten werden. Strukturelle Gewalt hat viele Gesichter, sie ist in das Gesellschaftssystem eingebaut und äußert sich in ungleichen Machtverhältnissen und folglich in ungleichen Lebenschancen: Wikipedia:Strukturelle Gewaltexternal link .

Rassismus

Ganz aktuelles Thema. Da sollte ich etwas drüber schreiben, und wie sich das hier einordnet.

Ursachen der Gewalt

Warum wird jemand gewalttätig? Diese Frage hat schon Generationen von Psychologen beschäftigt. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das den Rahmen dieser Unterlage sprengen würde. Folgende Stoffsammlung liefert Dir ein paar Denkanstöße… Erziehung/Erfahrung, Prägung, soziales Umfeld, Armut, Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Intoleranz, Egoismus, Angst, hohes Aggressionspotential durch aufgestauten Alltagsärger, verletztes Ehrgefühl, suche nach den eigenen Grenzen bei Jugendlichen, Alkohol, Drogenmissbrauch, Rassismus. Oft auch eine Mischung der Faktoren. Zusammen fassend: Physische Gewalt entsteht aus psychischer oder struktureller Gewalt.

Sozialisation, Rollenbilder

Gewalt ist als fester Bestandteil unseres Alltags offen oder versteckt – präsent. Ein großer Teil dieser Gewalt wird von der Gesellschaft akzeptiert oder ignoriert. Von der Werbung und Unterhaltungsbranche bis hin zu Medien, Politik und öffentlicher Meinung. Sie wird als normale Umgangsform angesehen, als Kavaliersdelikt abgetan, als auflagen steigernde Schlagzeile in der Boulevardpresse genutzt.

Was prägt unser Rollenbild?

Werbung, Erziehung, Tradition, Vorbilder, gesellschaftliche Normen,… Frauen erleben die Welt anders als Männer. Rollenbilder entstehen durch Bewertung und Erziehung in unserer Gesellschaft. Was braucht es, um in der Gesellschaft als Frau, oder Mann zu gelten? Die gesammelten Attribute sollen nicht bewertet werden!

MannFrau
stark
selbstbewusstzickig
überlegenverständnisvoll
geradlinigangepasst
schweigsamkann zuhören
Macherredet viel
keine Gefühle zeigensanft
Geldschön
körperlich größerkörperlich kleiner
beschützendgeduldig
versorgendhäuslich
Statussymboletreu
aggressivwill begehrt werden? Freiwild
Macht

Frauen sind diplomatisch (kleine klaren Worte). Sie üben ihre Macht eher versteckt, subtil aus. „Männer regieren die Welt. Frauen regieren die Männer“.

„Handbuch für die gute Ehefrau“ (1955)

Beispiel für Rollenbilder:

In einer Familie zählen nur die Bedürfnisse von einem einzigen, und das ist der Ehemann - jedenfalls wenn es nach der britischen Zeitschrift “Housekeeping Monthly” geht, die in ihrer Ausgabe vom 13. Mai 1955 zusammenfasst, wie eine gute Ehefrau sich ihrem Mann gegenüber zu betragen hat und damit gleichzeitig ein düster-skurriles Sittenbild von Partnerschaft in den 50er Jahren zeichnet:

Verwöhne IHN!

Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, evtl. schon am Vorabend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.

Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfter Leute zusammen.

Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.

Dieses Bild wirkt auch heute noch nach.

Beispiele aus der Werbung Wenn Du das nächste mal Werbung betrachtest, achte bewusst auf folgende Details. Körperhaltung der weiblichen Models: Kopf schief, Hand abgeknickt, Knicksfuß, Fußspitzen tippen nur auf den Boden, Hüfte schief. Haltung der männlichen Models: Beine durchgedrückt, Hände in die Hüfte gestemmt, Kopf gerade, cool. Folgende Werbe-Kampagnen, die zum Teil nach Protest wieder vom Markt genommen wurden erfüllen diese Rollenbilder.

Ziele der Gewalt

Gewalt hat immer ein Ziel. Ein Ziel kann sein, das der Gegner sein Ziel nicht erreicht. Ein Tier in der freien Wildbahn will satt werden, und wenn es geht selbst nicht gefressen werden. Du als vernunftbegabte Kreatur an der Spitze der Nahrungskette hast natürlich andere Ziele und Probleme. Du willst ein Handy, kannst dir aber keins leisten. Sven dagegen hat ein Handy. Also wagst Du einen Vorstoß: „Hey, gib mir dein Handy. Ich muss mal telefonieren“. Sven: “Nö, Du.“. Du, gar nicht einverstanden mit der Reaktion, haust Sven unvorbereitet aus dem Hemd, und greifst das Handy ab. Du fühlst dich super, bist jetzt stolzer Besitzer eines Handys. Gewalt war offensichtlich eine erfolgreiche Lösung für dein Problem. Ziel von Gewalt kann es sein Gewalt zu entkommen, oder Macht und Besitz über Dinge oder Personen zu erhalten, oder zu festigen.

Aggression

Aggression und Gewalt ist für uns oft ein und das selbe. Oft reden wir von Aggression, meinen aber Gewalt, oder umgekehrt. Der Begriff Aggression ist negativ belegt, ein aggressiver Mensch ist gleichbedeutend mit gewaltbereit, oder gewalttätig.

Aggression bedeutet zunächst einmal nur das Gegenteil von Passivität und Zurückhaltung. Aggression ist ein inneres Gefühl, eine Energie, oder ein Drang, der Dich unruhig werden lässt und nach Aktivität schreit. In Dir brodelt es förmlich. Du hast nun verschiedene Möglichkeiten diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen, und aktiv zu werden.

Eine dieser Möglichkeiten ist Gewalt auszuüben, es sind aber auch andere Ventile wie zum Beispiel Sport, laut Musik hören oder Gespräche führen möglich.

Aggression ist ein normaler Bestandteil der menschlichen Gefühlswelt, Es ist also ein Gefühl, das dir sagt, das etwas nicht in Ordnung ist. Du wirst sauer, weil jemand deine Grenze überschritten hat: Er hat dich beleidigt, gekränkt, deinen Gerechtigkeitssinn angesprochen. Aggression ist also durch aus etwas Gutes, sie dient dir als Sensor. Reagiert dein Gegenüber leicht gereizt, dann hast Du seine Grenze verletzt!

Eskalation

Eskalation bedeutet, das sich eine Situation immer mehr zuspitzt, bis sie außer Kontrolle gerät. Man spricht auch von einer Spirale, die sich immer weiter dreht. Wird zwischen zwei Personen in Gang gesetzt, indem einer den anderen herabsetzt, und dieser wiederum in verschärfter Form zurück schlägt. Friedrich Glasl beschreibt in seinem Eskalationsmodell drei Ebenen mit jeweils drei Stufen:

1. Ebene, Win-Win Situation

Stufe 1, Spannung: Triffst Du auf einen Menschen der in einer Sache einen anderen Standpunkt vertritt. Entsteht eine Spannung zwischen euch, die ihr noch nicht als Konflikt wahrnehmt: „Hey, das ist ja toll! Du hast meinen Ball wiedergefunden“. „Wie? Dein Ball…“ Stufe 2: Debatte: Wie dein Kontrahent auch, beginnst Du dir Strategien zu überlegen, um dein Gegenüber von deiner Meinung zu überzeugen. Ihr beharrt aber beide auf jeweils eurem Standpunkt. Ihr versucht euch Gegenseitig unter Druck zu setzen. Stufe 3: Taten statt Worte: Ihr erhöht den Druck aufeinander, brecht das Gespräch ab. Die Kommunikation kommt zum erliegen, der Konflikt verschärft sich schneller.

2. Ebene: Win-Lose Situation

Stufe 4, Koalitionen: Es geht jetzt nicht mehr um die Sache an sich. Du willst den Konflikt um jeden Preis gewinnen, nur damit dein Gegenüber verliert. Du suchst Dir gleichgesinnte, die Deine Meinung untermauern können und versuchst deinen Gegner zu denunzieren. Stufe 5, Gesichtsverlust: Du versuchst die Integrität bzw. Glaubwürdigkeit deines Gegners zu vernichten, indem Du ihm schreckliche Dinge unterstellst. Stufe 6, Drohstrategien: Du versuchst die Situation durch Drohungen zu kontrollieren. Je glaubwürdiger die Drohung, umso besser. „Der Ball ist mir, oder du kriegst das in sie Fresse!“ , und zeigst dabei deinen Schlagstock her.

3. Ebene: Lose-Lose Situation

Stufe 7, Begrenzte Vernichtung: Du nimmst deinen Gegner nicht mehr als Mensch wahr, willst ihm nur noch irgendwie Schaden zufügen, auch wenn Du dabei selbst verletzt wirst. Solange der Schaden den Du davon trägst nur geringer ist, feierst Du das als Erfolg.
Stufe 8, Zersplitterung: Deine Aktionen haben nur noch einen Sinn, nämlich den Gegner zu zerstören. Stufe 9, Gemeinsam in den Abgrund: Du nimmst die eigene Vernichtung in Kauf, Hauptsache du besiegst den Gegner.

Selbstbehauptung

Selbstbehauptung steht für „Sich selbst behaupten“, und kennzeichnet das das Aufrechte tragen des Hauptes, was bedeutet, sich in Alltagssituationen nicht unterkriegen zu lassen.

Selbstverteidigung

Darunter wird meist nur der körperlich, technische Aspekt verstanden. Sammelbegriff für alle Maßnahmen Die Du durchführst um deine seelische und körperliche Gesundheit und dein Leben (Selbsthilfe, Selbstschutz) oder das einer anderen Person (Nothilfe) zu schützen.

Ablauf einer Konfrontation

Da wir immer bestrebt sind alles und jedes in Schubladen zu stecken bzw. Kategorien einzuteilen, werde auch ich einen Versuch unternehmen diesem Verlangen nachzukommen. Betrachten wir uns also nachstehende Grafik:

 Am Anfang steht immer ein Aggressor. Eine Person, die in einer nicht näher beschriebenen Form emotional aufgeladen ist. Woher diese Aufladung kommt, interessiert Dich als potentielles Opfer zunächst nicht besonders.

Kontaktaufnahme

Zuerst wird es zu einer Kontaktaufnahme zwischen dem Täter und Dir als potentiellem Opfer kommen. Die Mindestkontaktaufnahme, die erfolgen kann ist ein Augenkontakt den Du vielleicht gar nicht besonders wahrnimmst (im wahrsten Sinne des Wortes ein „Augenblick“). Er kann auch durch eine unbewusste oder unbedachte Geste entstehen.

Überraschender Angriff

Im schlimmsten Fall erfolgt sofort ein überraschender Angriff. Die Faust jedenfalls landet einfach und ohne Vorwarnung in deinem Gesicht, weil Du einfach zur falschen Zeit am falschen Ort warst.

Provokation

Eine zweite Variante ist die Provokation. Der Angreifer möchte, dass das Du zuschlägst - oder zu mindestens einen Versuch in dieser Richtung unternimmst, damit er einen Vorwand hat seinerseits zuzuschlagen. Am Ende wird er behaupten, er hätte sich nur gewehrt. Die beiden zuvor betrachteten Situationen sind typische „Kneipen“- Schlägereien, wie sie sich zwischen Männern abspielen.

Opfertest

Die dritte Variante der Kontaktaufnahme ist der Opfertest. Geht der Täter geschickt vor, merkst Du gar nicht das Du getestet wirst.

Der Täter kann das Dich als potentielles Opfer beobachten, und Deine Lebensgewohnheiten aus spähen, um so einen geeigneten Zeitpunkt für einen Übergriff auszuwählen. Die Körpersprache, und das Verhalten in einem Gespräch zeigen dem Täter ob Du tatsächlich als Opfer geeignet bist. Diese Art von Täter geht sehr planmäßig vor, und hat ein hohes Sicherheitsbewusstsein. Er möchte auf gar keinen Fall ertappt werden.

Ein Opfertest kann aber auch kürzer ausfallen…

Formen psychischer Gewalt

Mobbing, Bullying

Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen (mob:Pöbel, mobbish :pöbelhaft) und bedeutet Anpöbeln, Fertigmachen. Von Mobbing kannst Du sprechen, wenn du über längere Zeit Psychoterror von einer oder mehreren Personen ausgesetzt bist. Psychoterror hat das Ziel, Dich durch böswillige Handlungen, wie zum Beispiel Verleumdungen, hinterhältige Anspielungen, Drohungen, Demütigungen, Quälereien oder sexuelle Belästigungen, fertig zu machen. Mobbing beginnt schleichend. Zuerst nimmst Du die dummen Sprüche, und die kleinen Gehässigkeiten auf die leichte Schulter. Doch mit der Zeit mehren sich die Angriffe, Arbeitskollegen/Mitschüler beginnen sich von dir zu distanzieren, unterschlagen dir gegenüber Informationen, verbreiten Gerüchte und Lügen. Du verlierst Ansehen und Respekt. Der oder die Mobber können Dich auf die folgenden Arten angreifen:

  • Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen
  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen
  • Angriffe auf die Qualität der Arbeits-/Schul- bzw. Lebenssituation
  • Angriffe auf die Gesundheit

Formen physischer Gewalt

Angriff/Übergriff

Die Formen des eigentlichen Angriffs sind vielschichtig. An dieser Stelle hilft kein Reden, Bitten, Betteln mehr. Oft musst Du um Deine Gesundheit oder sogar um Dein Leben kämpfen.

Prügel, Schläge

Prügel, oder Schläge gegen Schutzbefohlene (Kinder), Wehrlose Schwächere (Erwachsene), als Fortsetzung eines Steitgespräches zu Durchsetzung der eigenen Meinung, als Erziehungsmaßnahme/ Bestrafung, oder einfach so („Mir hat´s ja auch nicht geschadet“, „Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen“, …).

Vergewaltigung

Die brutalste Form der Gewalt gegen Frauen ist die Vergewaltigung. Vergewaltigung ist ein Verbrechen an Leib und Seele und verstößt gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Vergewaltigung ist strafbar. Über das wirkliche Ausmaß wissen wir wenig… aber statistisch gesehen geschieht weltweit alle drei bis fünf Minuten eine Vergewaltigung.

In vielen Fällen schweigen die Frauen darüber – mit Rücksicht auf Familie und Freunde oder aus Beschämung und Angst. Und oft hält sich auch ihr persönliches Umfeld zurück. Unsicherheit im Umgang mit betroffenen Frauen kann dafür ein Grund sein. Es wird wenig über solche Übergriffe gesprochen. Das Unrechtsbewusstsein ist gering ausgebildet. Eine Vergewaltigung erfolgt selten durch Fremde, eher durch Bekannte, nahe oder ferne Verwandte, oder Familienmitglieder. Vorausgegangen ist in der Regel ein mehr oder weniger ausgiebiger Opfertest.

NIEMALS trifft das Opfer eine Schuld! Egal, was Du getan, gesagt, oder nicht getan, und nicht gesagt hast. Der Vergewaltiger trägt IMMER die alleinige Schuld – Vergewaltigung ist ein Verbrechen, und die Verantwortung für die Tat liegt allein bei ihm! Jede Deiner Reaktionen ist angemessen und richtig!

Während einer Vergewaltigung gibt es kein „richtiges“, „falsches“ oder „typisches“ Verhalten, sondern rein intuitive, instinktive Reaktionen, Schutzmechanismen. Sie haben nur ein Ziel: Diese Extremsituation zu überleben. Manche Frauen sind starr vor Angst und lassen die Vergewaltigung scheinbar teilnahmslos über sich ergehen. Einige wehren sich körperlich oder verbal. Andere verhalten sich eher „entgegenkommend“, um so die Gefahr für ihr Leben zu verringern. Meist erleben die Frauen tiefgreifende Ängste, häufig auch Todesangst, und einen völligen Kontrollverlust über ihren Körper und ihren Willen.

Schlägerei

Das Ergebnis einer erfolgreichen Provokation mündet immer in einer Schlägerei - meist unter hormongesteuerten Männern verbreitet.

Raubüberfall

Der Raubüberfall fällt etwas aus dem Rahmen. Hier ist primäres Ziel durch Bedrohung, oder Ausübung von Gewalt Wertgegenstände zu erbeuten. Er kann alle oben beschriebenen Varianten enthalten.

Abziehen

Abziehen bzw. Abzocken sind verharmlosende Begriffe aus der Jugendsprache für Erpressung, räuberische Erpressung, oder einfach Raub. Ein potentielles Opfer wird von einem Jugendlichen, bzw. einer Gruppe meist zunächst durch eine harmlos erscheinende Eröffnung dazu gebracht mit der Gruppe in einen harmlosen Dialog zu treten. In dessen Verlauf wird dann ein Grund konstruiert wird, das Opfer zunächst verbal anzugreifen. Im weiteren Verlauf wird dann durch gezielte Provokation die Lage so verschärft, das das Opfer aus der Situation nicht mehr heraus kommt. Am Ende werden dann in der Regel Gegenstände oder Geld eingefordert. Das Erbeuten von Gegenständen steht aber nicht unbedingt im Vordergrund. Oft geht es nur darum durch Erniedrigung und fertig machen des Opfers eigene Defizite wie z.B. fehlendes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Erst im späteren Verlauf einer Täterkarriere, wenn die Masche oft genug erfolgreich angewandt wurde, rückt der materielle Aspekt in den Vordergrund. Täter und Opfer kennen sich oftmals mehr oder weniger gut aus der Schule.

Taschendiebstahl

Ist für mich nur eine Variante des Raubüberfalls. Nur, das der Täter verdeckt zuschlägt, und das Opfer im besten Fall nicht merkt, das es um sein Eigentum erleichtert worden ist. Taschendiebe handeln seltenst alleine, sondern immer zu mehreren, wobei einer ablenkt, mindestens einer sichert und einer klaut.

Instrumente der Selbstbehauptung

Aus den vorab gemachten Angaben lassen sich die folgenden Instrumente zur Selbstbehauptung bzw. Selbstverteidigung ableiten.

Prävention

Du willst mit geeigneten Maßnahmen verhindern, das Du überhaupt zu einem Opfer wirst. Es geht darum Dich selbst zu kennen, die eigenen Verhaltensweisen, Körpersprache, Beobachtung der Umwelt etc.

De Eskalation

Wie kannst Du Gewalt von dir oder anderen abwenden, ohne selber Gewalttätig werden zu müssen? Wie verhinderst Du die Eskalation einer kritischen Situation?

Kampf

Wie kannst Du dich wehren, wenn eine De Eskalation nicht mehr möglich ist. Effektive Techniken für Erwachsene werden in den Kapiteln ▷“Fehler: Referenz nicht gefunden„ ab Seite Fehler: Referenz nicht gefunden, und den darauf folgenden Kapiteln behandelt.

Nachbereitung

Was muss oder solltest Du tun wenn du Dich, wie auch immer, in einer kritischen Situation erfolgreich behaupten konntest, oder auch nicht (was ich nicht hoffen will). Dabei geht es um die medizinische, juristische und psychologische Bewältigung der Folgen. Die nachfolgender Grafik fasst alle Instrumente zusammen, und ordnet sie den Ebenen, auf denen Sie angewendet werden sollen zu.

 Für eine optimal Selbstbehauptung musst Du dich auf allen Ebenen (verbal, körpersprachlich, räumlich und körperlich) sicher bewegen können, sowie alle Instrumente beherrschen. Die Größe des Kreises liefert Dir Auskunft über die Bedeutung (kaum, wichtige, entscheidende) der Ebene in der einzelnen Phase - wie ich sie Einschätze. Wie gut schätzt Du deine Fähigkeiten in den einzelnen Bereichen ein?

Mach entsprechende Kringel in die Grafik. Vergleiche diese mit Deinen eigenen Defiziten und Stärken, dann weist Du wo Du den Schwerpunkt für deine Ausbildung setzen musst. In diesem Kapitel hast Du gelernt wie Konflikte verlaufen, und die Instrumente der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung kennen gelernt. Du weist, das Du über bestimmte Fähigkeiten verfügen musst, um dich erfolgreich behaupten zu können. Du kennst Deine eigenen Stärken und Schwächen, und weist worauf du hin arbeiten musst, um Dein persönliches Ziel zu erreichen.


  1. Fachleute unterscheiden noch zwischen Annäherungs-Annäherungs Konflikten, Vermeidungs-Vermeidungs Konflikte und Annäherungs-Vermeidungs Konflikten. J.Galtung unterscheidet noch zwischen der individuellen Ebene, und der kollektiven Ebene. ↩︎