Über Wahrheit und Meinung

Zuletzt geändert: 29. Oktober 2021
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Momen­tan gibt es ja die­sen Trend den Begriff “Wahr­heit” zu kapern, um zu defi­nie­ren, oder auch zu zer­stö­ren. Alter­na­ti­ve Fak­ten wird das dann unter ande­rem genannt. Dazu habe ich das fol­gen­de Zitat aus dem Jahr 1950 gefunden: 

Der wohl her­vor­ste­chends­te und auch erschre­ckends­te Aspekt der deut­schen Rea­li­täts­flucht liegt jedoch in der Hal­tung, mit Tat­sa­chen so umzu­ge­hen, als han­de­le es sich um blo­ße Mei­nun­gen. […] Auf allen Gebie­ten gibt es unter dem Vor­wand, daß jeder das Recht auf eine eige­ne Mei­nung habe, eine Art Gentleman’s Agree­ment, dem zufol­ge jeder das Recht auf Unwis­sen­heit besitzt – und dahin­ter ver­birgt sich die still­schwei­gen­de Annah­me, daß es auf Mei­nun­gen nun wirk­lich nicht ankommt. Dies ist in der Tat ein erns­tes Pro­blem, nicht allein, weil Aus­ein­an­der­set­zun­gen dadurch oft­mals so hoff­nungs­los wer­den […], son­dern vor allem, weil der Durch­schnitts­deut­sche ganz ernst­haft glaubt, […] die­ser nihi­lis­ti­sche Rela­ti­vis­mus gegen­über Tat­sa­chen sei das Wesen der Demo­kra­tie. Tat­säch­lich han­delt es sich dabei natür­lich um eine Hin­ter­las­sen­schaft des Nazi­re­gimes. Man hat es hier nicht mit Indok­tri­na­tio­nen zu tun, son­dern mit der Unfä­hig­keit und dem Wider­wil­len, über­haupt zwi­schen Tat­sa­che und Mei­nung zu unterscheiden.“ 

von Han­nah Arendt aus dem Buch “Besuch in Deutschland”

Klar, die­ses Phä­no­men war und ist nicht auf Deutsch­land beschränkt, trotz­dem — oder gera­de des­we­gen — fin­de ich die­ses alte Zitat unglaub­lich aktuell. 

  • “Besuch in Deutsch­land” — Han­nah Arendt (amazon.de)
  • Sie­he auch “Die zwei­te Schuld” — Ralph Gior­da­no (wiki­pe­dia)
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