Preiskalkulation in der Fotografie

Zuletzt geändert: 1. November 2020
Geschätzte Lesezeit: 2 min

Über das The­ma Preis­kal­ku­la­ti­on in der Foto­gra­fie wird offen­sicht­lich nicht so ger­ne berich­tet. Wo man sich auch umhört, macht zwar nie­mand groß ein Geheim­nis draus, gibt sich offen, ver­rät letzt­lich aber doch nur wenig bis nix. Die Infor­ma­ti­on­la­ge ist sehr dünn, was auch dar­an liegt, das so eine ganz indi­vi­du­el­le Kal­ku­la­ti­on oft nicht 1 zu 1 über­trag­bar ist. Natür­lich gilt auch immer das olle Sprich­wort “Über Geld spricht man nicht”. Ich hab trotz­dem mal eini­ges zusam­men getra­gen, das dir viel­leicht hilft dei­ne Prei­se zu finden. 

Generelles

  1. Ange­bo­te sau­ber auf­schlüs­seln.
  2. Ange­bo­te per­sön­lich erklä­ren.
  3. Nen­ne dein Ange­bot Kos­ten­vor­anschlag — nicht Angebot.
  4. Kein Gewer­be anmel­den, son­dern als Frei­be­ruf­ler unter­wegs sein.
  5. Vor­sichts­hal­ber von Anfang an Vor­steu­er aus­wei­sen — meist 19%, es gibt aber unter­schied­li­che Sät­ze je nach Produkt.

Preisbildung

Die Prei­se sind von vie­len Fak­to­ren abhän­gig, dar­un­ter fällt mit Sicherheit: 

  • Der Bekannt­heits­grad des Fotografen
  • Die Qua­li­tät der Arbeit
  • Gibt es ein Alleinstellungsmerkmal?
  • Gibt es viel Kon­kur­renz vor Ort wenn ich lokal arbeite?

Am Bes­ten schaut man sich also mal im Inter­net um, was ande­re so für ihre Arbeit ver­lan­gen, und ver­sucht das mit dem eige­nen Ange­bot in Ein­klang zu bringen. 

Wel­che Gen­res bedie­ne ich, und was ist mei­ne foto­gra­fi­sche Handschrift? 

  1. Künst­le­ri­sche, insze­nier­te Foto­gra­fie (Kunst) -> Prei­se für Prints
  2. Por­trait­fo­to­gra­fie
  3. Repor­ta­gen (Stun­den und Tagessätze)

Man soll­te aber auch dar­auf vor­be­rei­tet sein für ande­re Gebie­te ange­fragt zu wer­den, und eine seriö­se Ant­wort parat haben. 

Es ist viel­leicht auch rat­sam, auch die umge­kehr­te Rech­nung auf zu machen, und die Fra­ge “wie viel Geld brau­che ich im Monat zum Leben” — und wie viel Zeit inves­tie­re ich dafür — in den Vor­der­grund zu stel­len. Ich errech­ne also zuerst ganz ehr­lich wie viel Geld ich benö­ti­ge, um über die Run­den zu kom­men. Dann schaue ich was ich alles tun kann, um den Betrag aufs Jahr gerech­net mit Foto­gra­fie zusam­men zu bekom­men. Falls sich da eine grö­ße­re Deck­un­glü­cke gibt, hab ich eh ein Pro­blem, und mein Busi­ness ist nicht wirk­lich tragfähig. 

Kalkulation

Was soll­te eine Preis­kal­ku­la­ti­on für eine Auf­trags­fo­to­gra­fie ent­hal­ten? Kal­ku­lie­ren soll­te man Auf­wän­de für… 

  • Vor­ge­spräch
  • Rei­se­kos­ten
  • Foto­ses­si­on
  • Nach­be­rei­tung (RAW-Ent­wick­lung, Retu­sche, Prints…)
  • Ggfs. Ver­pa­ckung und Versandkosten
  • Assis­tenz
  • Visa
  • Models
  • Abschrei­bung für Geräte

  • Kos­ten für Versicherungen
  • Die Kos­ten für das anfer­ti­gen der Bil­der, also das rei­ne Handwerk.
  • Die Kos­ten für das Foto Release / die Nut­zungs­rech­te wer­den sepa­rat betrach­tet. Es macht immer­hin einen Unter­schied ob das Foto im Album einer Pri­vat­per­son klebt, ob es auf einer Web­sei­te erscheint oder in einer Groß­auf­la­ge gedruckt, und damit Geld ver­dient wird.
  • Dann soll­te man zwi­schen Pri­vat­per­so­nen und gewerb­li­chen Kun­den unterscheiden.

  • Man soll­te Stun­den­sät­ze und Tages­sät­ze parat haben und wis­sen was sie beinhalten.
  • Umsatz­steu­er / Mehr­wert­steu­er natür­lich auch berücksichtigen.

Stundensatz / Tagessatz

Das sind nur exem­pla­ri­sche Preise. 

Nut­zungs­rech­te gehen sepa­rat. Alle Prei­se zzgl. 19% Mwst. 

private Fotografie

  • Stun­den­satz : 100 bis 150 Euro pro Stunde
  • Tages­satz 8h (8:00 — 12:00) : 800 — 1.200 Euro

gewerbliche Fotografie

Im Preis ent­hal­ten sind die Bedarfs­er­mitt­lung und Bera­tung, die ziel­ori­en­tier­te Kon­zep­ti­on mit zwei bis drei Bei­spie­len und Scribbles sowie die Vor­auswah­len und Nachbesprechungen. 

  • Stun­den­satz aus­sen: 180 Euro
  • Stun­den­satz Stu­dio: 100 Euro
  • Tages­satz: 1500 Euro
  • Retu­sche ab 25 Euro
  • Nut­zungs­recht ab 50 Euro

Releases / Nutzungsrechte

Bei den Relea­ses / Nut­zungs­rech­ten könn­te man Unter­schei­den zwischen: 

  • Inter­net
  • Prints (Auf­la­ge bis…)

Grobe Richtlinie nach MFM Liste

  • hal­be Hono­rar­hö­he, die zur Erstel­lung des Bil­des dem Kun­den berech­net wur­de: Ein­fa­che Nut­zung, regio­na­les Medi­um, begrenz­te Nut­zungs­dau­er (1Jahr), klei­ne Auf­la­ge bzw. Ver­brei­tung. Anmer­kung: ich wür­de hier zwi­schen Print und Inter­net unter­schei­den. Inter­net hat eigent­lich  immer eine gro­ße Ver­brei­tung… oder das halt an den Zugriffs­zah­len fest machen? 
  • vol­le Hono­rar­hö­he, die zur Erstel­lung des Bil­des dem Kun­den berech­net wur­de: Ein­fa­che Nut­zung, deutsch­land­weit, ein Jahr, gro­ße Auf­la­ge bzw. Verbreitung. 
  • vol­le bis drei­fa­che Hono­rar­hö­he: Aus­schliess­li­che Nut­zung, zeit­lich, räum­lich, inhalt­lich unbegrenzt.

Hier gibt es sicher noch ande­re Sze­na­ri­en, die Ein­fluss auf den Preis haben soll­ten. Im Gewerb­li­chen kann es zB. auch pas­sie­ren das der Kun­de die RAWs mit­nimmt. Man foto­gra­fiert also nur, und gibt die Spei­cher­kar­ten ab. 

Veröffentlichungshonorare Fotografengewerbe Österreich

Mit dem online “Hono­rar­rech­ner” vom Rechts­schutz­ver­band für Öster­rei­chi­sche Foto­gra­fen lässt sich auch für Deutsch­land eine wei­te­re Abschät­zung vornehmen: 

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