Mein Lesestoff 2021

Zuletzt geändert: 1. Juni 2021
Geschätzte Lesezeit: 4 min

Klei­ne Lis­te lesens­wer­ter Bücher zu ver­schie­dens­ten The­men, und ein paar Gedan­ken dazu… 

Influencer: Die Ideologie der Werbekörper

Influ­en­cer sind ein Phä­no­men unse­rer Zeit, sie sind Zeit­geist und Zeit­zei­chen. Imho gelun­ge­ne, kri­ti­sche und durch­aus auch pole­mi­sche Ana­ly­se der Influencerwelt. 

Men­schen über drei­ßig ken­nen oft nicht ein­mal ihre Namen, für jün­ge­re Jahr­gän­ge sind sie Top­stars: Influ­en­cer. Jun­ge Erwach­se­ne und sogar Kin­der fil­men sich beim Schmin­ken, auf Rei­sen oder beim Sport und tei­len ihre Tipps über sozia­le Medi­en mit ihren Fans. Dabei plat­zie­ren sie geschickt Pro­dukt­hin­wei­se und ver­die­nen so ihren Lebens­un­ter­halt – oder gar ein Vermögen. 

Für Ole Nymo­en und Wolf­gang M. Schmitt sind die Influ­en­cer sym­pto­ma­ti­sche Sozi­al­fi­gu­ren unse­rer Zeit. In der Abstiegs­ge­sell­schaft schei­nen noch ein­mal Auf­stiegs­träu­me wahr zu wer­den, der Spät­ka­pi­ta­lis­mus hübscht sein Gesicht mit Fil­tern und Pho­to­shop auf, mit einer revo­lu­tio­nä­ren Form der Wer­bung kom­plet­tie­ren Insta­grammer und You­tuber das Geschäfts­mo­dell des kom­mer­zi­el­len Inter­nets. Bei aller aus­ge­stell­ten Moder­ni­tät, so Nymo­en und Schmitt, beein­flus­sen die Influ­en­cer jedoch noch in einer wei­te­ren Hin­sicht den Zeit­geist: Indem sie rück­wärts­ge­wand­te Rol­len­bil­der, Kon­su­mis­mus und rigi­de Kör­per­nor­men pro­pa­gie­ren, leis­ten sie einem kon­ser­va­ti­ven Back­lash Vorschub. 

Die Unwirtlichkeit unserer Städte

Das Buch habe ich mir im Zuge einer Recher­che zu einem Foto­pro­jekt besorgt. War­um sind unse­re Städ­te so wie sie sind? War­um sind sie nicht men­schen­ge­rech­ter, menschenfreundlicher? 

Die in die­sem Band gedruck­ten Arbei­ten unter­su­chen herr­schen­de Pro­gram­me und For­men der Städ­te­pla­nung und kri­ti­sie­ren deren irra­tio­na­len Cha­rak­ter. Der Autor weist nach, daß ohne einen zurei­chen­den Begriff von den gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen, unter denen geplant wird, und ohne eine Neu­ord­nung des Grund- und Boden­be­sit­zes Pla­nung nicht mög­lich ist. 

Der Heros in tausend Gestalten

Das hab ich im Rah­men mei­ner Recher­chen zum The­ma Sym­bo­le und Meta­phern ange­schafft. Ein Tip von mei­nem Sohn Maxi­mi­li­an (dan­ke).

Apol­lo, der Frosch­kö­nig aus dem Mär­chen, Wotan, Bud­dha und zahl­rei­che ande­re »Hel­den« aus Volks­sa­gen und Reli­gio­nen ? sie alle las­sen sich auf den einen Heros zurück­füh­ren, den Ursprung aller Mythen. Und gleich­zei­tig stel­len sie ver­schie­de­ne Ver­sio­nen und Aus­for­mun­gen des Hel­den­ty­pus dar. Durch umfas­sen­de Ver­glei­che und Deu­tun­gen bringt Camp­bell die Eigen­hei­ten, die Gemein­sam­kei­ten und die Unter­schie­de die­ser zeit­lo­sen Sym­bo­le ans Licht. »Der Heros in tau­send Gestal­ten« ist ein unum­gäng­li­ches Stan­dard­werk der Mythen­for­schung ? ein Hand­buch über die Hel­den der Mensch­heits­ge­schich­te und deren Bedeu­tung, das auch dem inter­es­sier­ten Lai­en die Geschich­te des Heros ver­ständ­lich nahebringt. 

Hörensagen

Was soll ich sagen: Ein The­ma das mich sehr beschäf­tigt, spä­tes­tens seit Trump mit sei­nen alter­na­ti­ven Fak­ten um die Ecke kam, und seit­dem so eini­ge in mei­nem Freun­des­kreis die Main­stream-Medi­en kom­plett ableh­nen, gleich­zei­tig aber den alter­na­ti­ven Medi­en voll­kom­men kri­tik­los ver­fal­len sind: Lüge gleich Wahr­heit, Wahr­heit gleich Lüge, und Glau­ben gleich Wis­sen — wer blickt da noch durch — und von “Fein­den” umzin­gelt sehen sie sich auch noch. Das macht mich einer­seits trau­rig, ande­rer­seits bors­tig und unbe­quem, weil ich Ein­spruch erhe­be wann immer es mir sinn­voll erscheint. Das Buch ist für jeden inter­es­sant der für sich mal Klar­heit in das The­ma brin­gen will. 

Der Kampf um die Wirk­lich­keit ist in vol­lem Gan­ge. Wohin man sieht, brei­tet sich Wider­stand gegen die Wis­sen­schaft aus. Nahe­zu täg­lich sind wir mit Fake News, Ver­schwö­rungs­my­then und ver­zerr­ten Tat­sa­chen konfrontiert. 

Åsa Wikforss, eine der renom­mier­tes­ten Phi­lo­so­phin­nen Schwe­dens, hat die fal­schen Fak­ten dicke. Anschau­lich führt sie uns durch die Welt der Wahr­heits­fin­dung und macht begreif­lich, was Wis­sen eigent­lich ist: Was unter­schei­det Wahr­heit von Glau­ben, Mei­nung und Lügen? Und war­um kann es etwas wie alter­na­ti­ve Fak­ten gar nicht geben? Sie zeigt, wie wir die Fall­stri­cke der Mei­nungs­ma­che durch­schau­en und der um sich grei­fen­den Fak­ten­re­sis­tenz mit guten Argu­men­ten begeg­nen können. 

Für alle, die ihren Ver­stand schär­fen und sich die Wirk­lich­keit nicht ver­dre­hen las­sen wollen. 

Menschheit 2.0

Das Buch fin­de ich extrem span­nend. Wer sich für die Zukunft inter­es­siert, soll­te mal rein­ge­schaut haben. Es lie­fert reich­lich Stoff zum Nach­den­ken und Reflek­tie­ren. Aller­dings ist es ein über­for­dern­der Klop­per, der sich öfter mal in Details ver­liert — was u.a. dar­an liegt, das der Autor alles detail­liert begrün­det, und sich ab cir­ca 100 Sei­ten eini­ges wie­der­holt. Ich kann es nur in klei­nen Dosen zu mir neh­men. Das Buch ist bereits 2005 erschie­nen, seit dem hat sich natür­lich eini­ges auf dem Gebiet wei­ter, oder anders ent­wi­ckelt. Die Rea­li­tät hinkt ver­mut­lich der Pro­gno­se hin­ter­her. Mich wür­de mal der aktu­el­le Stand der Din­ge interessieren. 

Kann man sich natür­lich fra­gen, ob wir uns die Zukunft wirk­lich vor­stel­len kön­nen? Blickt man zum Bei­spiel zurück in die 50er oder 60er Jah­re, und schaut auf deren Zukunft­bil­der für das Jahr 2000 bis heu­te, erkennt man schnell wie unvor­stell­bar die Zukunft aus der jewei­li­gen Gegen­wart her­aus im Grun­de war und ist. War­um soll­te das für uns anders sein? Ich den­ke ein Grund könn­te sein, das sich die Din­ge wesent­lich schnel­ler ver­än­dern und wan­deln als damals. Davon abge­se­hen, hält die Zukunft sicher eini­ge (hof­fent­lich posi­ti­ve) Über­ra­schun­gen bereit, die wir heu­te nicht auf dem Schirm haben: “Expect die Unexpected!” 

Einer­seits ist die­ser Ver­such einer Extra­po­la­ti­on der Zukunft ziem­lich fas­zi­nie­rend und span­nend, ander­seits kann sie auch Angst machen. Ich bin ziem­lich hin und her geris­sen, und sehr gespannt ob, und wann, und wie die beschrie­be­nen Sze­na­ri­en ein­tref­fen — oder lie­ber doch nicht… 

Das Jahr 2045 mar­kiert einen his­to­ri­schen Mei­len­stein: Es ist das Jahr, in dem der Mensch sei­ne bio­lo­gi­schen Begren­zun­gen mit­hil­fe der Tech­nik über­win­den wird. Die­se als tech­no­lo­gi­sche Sin­gu­la­ri­tät bekannt gewor­de­ne Revo­lu­ti­on wird die Mensch­heit für immer ver­än­dern. Goo­g­les Chef­inge­nieur Ray Kurz­weil, des­sen wahn­wit­zi­gen Visio­nen in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten immer wie­der genau ins Schwar­ze tra­fen, zeich­net in die­sem Klas­si­ker des Trans­hu­ma­nis­mus mit bei­spiel­lo­ser Detail­wut eine bunt schil­lern­de Moment­auf­nah­me der tech­ni­schen Evo­lu­ti­on und legt dar, wes­halb die­se so bald kein Ende fin­den, son­dern im Gegen­teil immer wei­ter an Dyna­mik gewin­nen wird. Dar­aus ergibt sich eine eben­so fas­zi­nie­ren­de wie scho­ckie­ren­de Visi­on für die Zukunft der Menschheit. 

War der Artikel hilfreich?
Nich so 0 3 von 3 fanden den Artikel hilfreich.
Ansichten: 66
Nächster Artikel: Bücher über Fotografie