Künstlerische Qualität

Zuletzt geändert: 14. Juni 2021
Geschätzte Lesezeit: 5 min

Wie defi­niert sich künst­le­ri­sche Qua­li­tät? Was bedeu­tet Kunst, und was ist bedeu­ten­de Kunst. Wer bestimmt heu­te über­haupt was Kunst ist? Wo wer­de ich in die­sem The­men­kom­plex ein­ge­ord­net, und wo ord­ne ich mich selbst ein? Die­se, und wei­te­re Fra­gen ver­su­che ich hier Stück für Stück zu beleuchten… 

Was bedeutet Kunst

  • Jede ent­wi­ckel­te Tätig­keit, die gegrün­det ist auf 
    • Wis­sen
    • Übung
    • Wahr­neh­mung
    • Vor­stel­lung
    • Intui­ti­on
    • Zum Bei­spiel Heil­kunst, Kunst der frei­en Rede,…
  • Ergeb­nis­se geziel­ter mensch­li­cher Tätig­keit, die nicht ein­deu­tig durch Funk­tio­nen fest­ge­legt sind
  • Kunst ist ein mensch­li­ches Kulturprodukt
  • Das Ergeb­nis eines krea­ti­ven Prozesses
  • Das Kunst­werk steht meist am Ende des Pro­zes­ses, kann aber seit der Moder­ne auch der Pro­zess sel­ber sein
  • Heil­kunst: Etwas unbe­schreib­li­ches, wie ein „Wun­der“ zu begreifen
  • Kampf­kunst: Beson­de­re Körperbeherrschung
  • “Kunst kommt von Können”
  • Kunst ist Indi­vi­dua­li­tät und der Aus­bruch aus gesell­schaft­li­chen Regeln
  • Kunst ist eine Ware, die ver­kauft wer­den will
  • Der Begriff „Kunst“ lässt sich nicht ein­deu­tig erklä­ren oder definieren.

Wozu dient Kunst

  • Dem Inter­es­se und dem sinn­li­chen Vergnügen
    • des Auf­trag­ge­bers (frü­her)
    • des Betrach­ters (heu­te)
  • Der geis­ti­gen Betrach­tung / Reflexion
  • Jeder der was auf sich hält, ist kul­tu­rell bewan­dert — Kunst­re­li­gi­on
  • Kunst möch­te…
    • auf­rüt­teln
    • kri­ti­sie­ren
    • pro­vo­zie­ren
    • ver­stö­ren
    • Beklem­mun­gen auslösen
    • Wahr­hei­ten aufzeigen
    • Rich­tung weisen
    • Stellt sich die Fra­ge, ob Kunst nicht auch ein­fach nur “schön” sein darf?
  • Kunst hat im all­ge­mei­nen kei­nen funk­tio­na­len, son­dern einen kul­tu­rel­len Nut­zen.

Was bedeutet künstlerisch

  • de.wikipedia.org/wiki/Künstlerischer_Ausdruck
  • Hat die Eigen­schaft “Kunst”… die Kunst betreffend
  • Steht in Bezie­hung zu “Kunst” oder “Künstler*in”… einem Künst­ler gemäß
  • Spie­le­ri­sche Herangehensweise
  • Inno­va­ti­ve Herangehensweise
  • Die Ver­wen­dung (tra­di­tio­nel­ler) hand­werk­li­cher Techniken
  • Die Absicht ein Werk im Kunst­markt zu etablieren

Was bedeutet Qualität

Wann ist man ein*e Künstler*in

Da gibt es ein­mal die Rea­li­tät, und das gesell­schaft­li­che Bild vom Künst­ler­da­sein. Künst­ler sein hat nix mit erfolg­reich oder erfolg­los zu tun. 

  • Gesell­schaft­li­ches Bild
    • Künstler*innen erschaf­fen Dinge
    • unter­hal­ten
      • haben eine Bühne
      • Publi­kum
      • Öffent­lich­keit
      • oder stre­ben danach
    • haben einen Künstlernamen
    • sind ver­schwen­de­risch
      • arm — wenn unbekannt
      • reich — wenn berühmt
      • arro­gant
      • exzen­trisch
      • eigen­bröt­le­risch
      • lau­nisch
      • umtrie­big
      • lei­den­schaft­lich
      • chao­tisch
      • pro­mis­kui­tiv
      • nar­ziss­tisch
      • cho­le­risch
      • depres­siv
      • süch­tig
    • Der Beruf des Künst­lers ist 
      • “spi­ri­tu­el­le Berufung”
      • er gilt als genial
      • frei
      • mit der Fähig­keit beseelt, sei­ne Krea­ti­vi­tät auszudrücken
    • „Hin­ter jedem gro­ßen Künst­ler ver­steckt sich eine gro­ße Tragödie“
  • Die Rea­li­tät
    • Pro­fes­sio­na­li­tät (z.B. Berufsverbandszugehörigkeit)
    • künst­le­ri­sche Qualifikation
    • Tie­fer­ge­hen­de, hoch­qua­li­ta­ti­ve Kunst­tech­ni­ken beherrschen
    • Beschäf­ti­gung mit kon­kre­ten bild­ne­ri­schen Fra­gen, und Tech­ni­ken, und ihrer Wahr­neh­mung und Darstellung
    • Aus­ein­an­der­set­zung mit…
    • und der ein oder ande­re Punkt aus dem gesell­schaft­li­chen Bild…
  • Der künst­le­ri­sche Weg
    • Bewah­re dei­ne kind­li­che Neu­gier und den Entdeckungsdrang. 
      • “Als Kind ist jeder ein Künst­ler. Die Schwie­rig­keit liegt dar­in, als Erwach­se­ner einer zu blei­ben“ — Picasso
    • Umgib dich mit posi­ti­ven Menschen
    • Ler­ne, Ler­ne, Ler­ne… auch von ande­ren Künstlern
    • Erken­ne kon­struk­ti­ve Kri­tik und set­zen dich mit ihr auseinander
    • Ent­wi­cke­le dich mensch­lich wei­ter. „Unser Leben muss grö­ßer sein als unse­re Kunst“ —  Julia Came­ron
    • Ken­ne dei­ne Grenzen
    • Kon­zen­trie­re dich auf das WAS der Kunst, nicht auf das WIE
    • Samm­le und Struk­tu­rie­re dei­ne Ideen
    • Respek­tie­re alle dei­ne Talen­te. Fokus­sie­re dich erst mal auf eins, aber ver­su­che auch die ande­ren zu Erken­nen, Beach­ten & auszuleben.

Kriterien künstlerischer Qualität

Wie defi­niert sich künst­le­ri­sche Qua­li­tät? Wel­che Kri­te­ri­en gibt es? 

  • Künst­le­ri­sche Qua­li­tät besteht aus einem Bün­del ver­schie­de­ner, inein­an­der ver­zahn­ter Kriterien. 
  • Selbst wenn eini­ge der Kri­te­ri­en nicht zu tref­fen, kann ein Kri­te­ri­um ent­schei­den und man kann trotz­dem von Kunst sprechen.
  • Die ein­zel­nen Kri­te­ri­en sind zeit- & kon­text­ab­hän­gig: “Heu­te pfui, mor­gen hui!”
  • Dazu kommt der sub­jek­ti­ve Fak­tor bei der Bild­be­trach­tung: Jeder nimmt Kunst unter­schied­lich wahr, jeder wird anders angesprochen.
  • Grund­fra­ge: Hat das Bild Kräf­te / Ener­gien, die anspre­chen, die Impul­se geben, die etwas im Betrach­ter ansto­ßen und Refle­xio­nen in Gang setzen?
  • Hat der Künst­ler es ver­stan­den, die Vor­aus­set­zun­gen zu materialisieren?
    1. Eigen­stän­di­ges schöp­fe­ri­sches Handeln
    2. Gestal­te­ri­sche Qua­li­tät und signi­fi­kan­te Form — Kom­po­si­ti­on und Bild­auf­bau; Not­wen­dig­keit der ein­zel­nen Bildteile
    3. Strin­genz und Kon­se­quenz inner­halb der Tei­le der vor­ge­stell­ten Arbeit
    4. Eige­ne Gestal­tungs­kon­zep­ti­on und eigen­stän­di­ge Position
    5. Maß an exis­ten­zi­el­ler und gesell­schaft­li­cher Relevanz
    6. Inno­va­ti­ve Aspek­te wie Erfin­dungs­reich­tum, Mut und Orginaltität
    7. Ange­mes­sen­heit der künst­le­ri­schen Mit­tel — Ein­heit von Inhalt und Form; medi­enim­ma­nen­te Kriterien
    8. Funk­tio­na­le Aspek­te bei ange­wand­ter Kunst und Design
    9. Beherr­schung der tech­ni­schen Mittel
    10. Umfang der Arbeit
    11. Prä­sen­ta­ti­on und Auf­be­rei­tung der Arbeit
    12. Vor­trag und Ver­tei­di­gung — Trans­pa­renz des Werkprozesses

Anfor­de­run­gen an die heu­ti­ge Kunst: Sym­bio­se aus Design, Sys­temKri­tik und Aktivismus… ? 

Wer bestimmt was bedeutende Kunst ist

Der Kunst­markt, der Kunst­markt, der Kunst­markt… …hab ich schon Kunst­markt gesagt? 

  • Der Ort des Ver­kaufs / Kunst­händ­ler, Kuratoren, …
  • Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­en
  • Die Mei­nungs­ma­cher der Branche

Wie bemisst sich der Wert von Kunst

Das hängt im Grun­de ganz davon ab, wo du her­kommst. Ich wür­de sagen ein/der Groß­teil der Kunst­schaf­fen­den sor­tiert sich ganz links in der Ska­la im Dis­count- und Nied­rig­preis­be­reich ein. Gut zu wis­sen — aber auch ein wenig ernüch­ternd — wo man steht. 

Kunst ist heu­te weni­ger Wert. Es gibt infla­tio­när viel Kunst. 

Der Kunst­markt am rech­ten Ende, ist ein win­zig klei­ner, geprägt von eini­gen super­rei­chen Samm­lern, umwabert von nebu­lö­ser Preis­ge­stal­tung jen­seits von gut und böse. Am lin­ken Ende der Ska­la ist der anony­me Mas­sen­markt. Ins­ge­samt ist der Markt — nicht zuletzt durch das Inter­net — im Umbruch. Social-Media ist hier Trend­scout, Ver­triebs­ka­nal, Mar­ke­ting-Werk­zeug, und Aus­stel­lungs­raum zugleich, zielt aber auf ein welt­wei­tes Publi­kum. Die prä­sen­tier­ten Infor­ma­tio­nen sind Mil­li­se­kun­den­wa­re. Den Gegen­pol dazu bil­det der loka­le Markt. Die Stadt, Gemein­de, Regi­on, das man ver­sucht sei­ne Arbei­ten dort bekannt zu machen. Das kann mehr oder weni­ger ein­fach sein, je nach dem ob es eine leben­di­ge Kunst­sze­ne am Ort gibt, oder eben nicht. In Ber­gisch Glad­bach — mei­nem Hei­mat­ort — ist das zum Bei­spiel eher müh­se­lig bis zweck­los. Mög­lich­kei­ten könn­ten sein: 

  • Level 1 — Die Basics
    • Selbst­prä­sen­ta­ti­on im Inter­net. Das ist imho die Basis für jeden, der was zu prä­sen­tie­ren hat. Kann und soll­te man machen. Erreicht alle und gleich­zei­tig nie­man­den. Ich befin­de mich hier. 
  • Level 2 — Der Local Hero
    • Gale­rien / Galerist*inn*en, Kunst­han­del, Kunst­mes­sen, Kunst­ver­ei­ne / Kunst­för­der­ver­ei­ne, Läden, Pra­xen, ande­re öffent­li­che Aus­stel­lungs­flä­chen. Hier bist du noch — wie die Staub­sauger­ver­tre­ter damals — sel­ber unter­wegs und putzt Tür­klin­ken. Das ist im Grun­de die etwas ange­staub­te, gera­de nicht so tren­di­ge old­school Vari­an­te von Level 3, mit ört­li­cher Bindung.
  • Level 3 — Der Bubble-Star 
    • Aggres­si­ves, und vir­tuo­ses Bespie­len der bekann­ten Social-Media Kanä­le. Mehr digi­ta­le Selbst­ver­mark­tung geht heu­te nicht. Das erfor­dert aber eini­ges an Zeit und Auf­wand, oder Geld. Du kannst damit eine eige­ne Com­mu­ni­ty auf­bau­en. In die­ser Fil­ter­bla­se kannst du es bis zum Star brin­gen, und wirst zu befreun­de­ten Pod­casts ein­ge­la­den. Immer­hin Dar­über hin­aus könn­te die Bedeu­tung wei­ter­hin gegen null ten­die­ren. Hier gibt es immer­hin Geld zu verdienen. 
  • Level 4 — Der Olymp
    • Loka­le, natio­na­le, inter­na­tio­na­le Muse­en — Das ist der Olym­pus Mons, oder der Maria­nen­gra­ben der Sze­ne — je nach Betrach­tungs­win­kel. Level 4 ist im Grun­de uner­reich­bar für Kunst aus dem Dis­count Bereich. Du bist Wert und Anla­ge­ob­jekt. Man schmückt sich gern mit dir, und wer­tet sich und sein Ego mit dei­nen Wer­ken auf. Du wirst ins Fern­se­hen ein­ge­la­den, bist in den Medi­en prä­sent, und auch sonst bekannt… Man wird irgend­wann einen Film über dich dre­hen. So in der Art 

Die meis­ten Ange­bo­te zie­len natür­lich auf kom­mer­zi­el­le Ver­wer­tung von Kunst ab. 

Der Kunstmarkt also

  • Der Han­del mit der Kunst ist ein Mil­li­ar­den­ge­schäft.
  • Kunst­han­del ist durch­aus eli­tär, spe­zi­ell im obe­ren obers­ten Preissegment. 
  • Es gilt als Tabu, Kunst als Ware zu betrach­ten — was im Grun­de schi­zo­phren ist, da Kunst von den sel­ben Leu­ten wie Ware behan­delt wird.
  • Der Kunst­kom­pass (Kunst­markt­kom­pass)- Hit­lis­te / Rang­lis­te der Kunst (sei 1970), umfasst ca 30.000 Künstler.
    • Die Qua­li­tät von Kunst ist nicht mess­bar, die Reso­nanz in der Kunst­welt ist messbar. 
    • Bewer­tet und mit Punk­ten gewich­tet wer­den u.a.
      • Ein­zel­aus­stel­lun­gen in den über 200 inter­na­tio­nal bedeu­ten­den Muse­en und Kunstinstituten
      • Grup­pen­aus­stel­lun­gen, davon gibt es mehr als 120 die wich­tig sind
      • Rezen­sio­nen in renom­mier­ten Kunstmagazinen
      • Ankäu­fe füh­ren­der Muse­en 
    • Prei­se und Auk­ti­ons­er­lö­se wer­den nicht berück­sich­tigt — was ich ver­nünf­tig finde.
  • Kunst­markt frü­her: Belohnt wird, wer eine künst­le­ri­sche Idee zuerst umsetzt.
  • Kunst­markt heu­te: Belohnt wird, wer es schafft (online) die größ­te Auf­merk­sam­keit zu bekom­men. Man muss nicht mehr ers­ter sein, man kann sogar der letz­te sein, der die Idee umsetzt. Das Online-Mar­ke­ting besorgt den Rest.… was imho auch dazu führt dazu das scham­lo­ser denn je kopiert und pla­gi­iert wird. Kopiert wird alles was als erfolg­ver­spre­chend befun­den wird.

Zwei Fra­gen trei­ben Käu­fer, Händ­ler, und letzt­lich auch Künst­ler um: 

  1. Ist das gute Kunst?
  2. Ist das Kunst­werk sei­nen Preis wert?

Womit wir wie­der bei der Aus­gangs­fra­ge wären… 

Die Grenzen der Kunst

…oder: “Was ist kei­ne Kunst”? Ein paar Gedan­ken zum dran rei­ben

  • Kunst, Moral & Ethik?
    • Kunst ist frei.
    • Kunst ist erst­mal wertfrei.
    • Kunst darf alles
    • Ist mora­li­sche Inte­gri­tät ein Faktor?
      • zB. wenn Opfer objek­ti­viert werden? 
      • Darf eine Rol­le spie­len, mit wel­cher Inten­ti­on Kunst statt­fin­det? Ist eine Grenz­über­schrei­tung dann okay, wenn die Moti­va­ti­on nur edel genug war? 
      • Kommt es auf die Moti­va­ti­on an, mit der Kunst gemacht wird?
      • Kunst muss nicht mora­lisch ein­wand­frei sein?
      • Der Mensch spie­gelt sich in der Kunst, da gehört das Unethi­sche nun mal dazu?
      • Ich kann das nicht gut fin­den, und ableh­nen, ist dann aber trotz­dem Kunst?
      • Kunst könn­te sogar auf kri­mi­nel­le Art und Wei­se ent­ste­hen. Der Künst­ler wan­dert dann ggfs. in den Knast, aber sei­ne Kunst bleibt Kunst? In Dik­ta­tu­ren wer­den Künst­ler ja schon mal ger­ne kri­mi­na­li­siert — beson­ders wenn die Kunst kri­ti­sche, poli­ti­sche Aus­sa­gen macht. Ich spie­le hier auf ech­te kri­mi­nel­le Hand­lun­gen — wie zB. Kör­per­ver­let­zung, Dieb­stahl, Sach­be­schä­di­gung, etc. an…
    • Pro­fi-Künst­ler pro­vo­zie­ren kal­ku­liert und durch­dacht. Das bringt Auf­merk­sam­keit am Markt, und stei­gert die Bekanntheit.
    • Nicht alles was pro­vo­ziert ist unmo­ra­lisch, aller­dings ist alles Unmo­ra­li­sche eine Provokation.
  • Gute Kunst, schlech­te Kunst, kei­ne Kunst?
    • “Das kann mein Dackel auch!” — Man­che Kunst muss man ver­ste­hen wol­len, oder können?
    • Ich wür­de viel­leicht unter­schei­den zwi­schen deko­ra­ti­ver Kunst und pro­vo­ka­ti­ver Kunst. Kunst ist aber beides.
    • Trennt Kunst­fer­tig­keit, und erkenn­ba­rer Auf­wand die Kunst vom Hand­werk
War der Artikel hilfreich?
Nich so 0 4 von 4 fanden den Artikel hilfreich.
Ansichten: 139
Nächster Artikel: Ausstellung / Hängung planen Basics