Komplementärfarben & Kontraste in der Malerei

Zuletzt geändert: 6. November 2020
Geschätzte Lesezeit: 3 min

Es gibt eine Men­ge Kon­tras­te in der Male­rei, die ich hier mal zusam­men fas­se, und nach­fol­gend näher betrachte: 

  1. Kom­ple­men­tär­kon­trast
  2. Simul­tan­kon­trast
  3. Warm-Kalt-Kon­trast
  4. Bunt­kon­trast (Far­be-an-sich)
  5. Hell-Dun­kel-Kon­trast
  6. Qua­li­täts­kon­trast
  7. Bunt-Unbunt-Kon­trast
  8. Quan­ti­täts­kon­trast

Farben & Komplementärfarben

Alles beginnt mit den Far­ben, und deren Kom­ple­men­tär­far­ben

Kom­ple­men­tär­far­ben lie­gen sich im Farb­kreis gegen­über. Sie löschen sich gegen­sei­tig aus, wenn sie mit­ein­an­der gemischt wer­den. Bei Kör­per­far­ben ent­steht Grau­schwarz, bei Licht­far­ben wei­ßes Licht. 

Farb­kreis nach Johan­nes Itten
Farb­kreis nach Küp­pers

Je nach Farb­theo­rie unter­schei­den sich die Anga­ben wel­che die jewei­li­gen Kom­ple­men­tär­far­ben sind. Zum Bei­spiel sind bei Itten Gelb und Vio­lett kom­ple­men­tär, gemäß Küp­pers wären es Gelb und Blau. (Sie­he auch https://de.wikipedia.org/wiki/Farbkreis)

Licht- und Körperfarben

Lichtfarben — additive Farbmischung (RGB)

Die Mischung von Rot, Grün und Blau (RGB) erfolgt durch Licht. Die Schnitt­men­ge ist ein wei­ßes Licht. Die­se Farb­mi­schung fin­det sich bei Moni­to­ren, Fern­se­hern, usw. 

Körperfarben — subtraktiven Farbmischung (CMYK)

Ent­steht bei Pig­ment­mi­schung, zB. bei Mal­far­ben von Cyan (Tür­kis), Magen­ta (Pink), Gelb & Schwarz (CMYK). Von den Pig­men­ten wer­den nur bestimm­te Wel­len­län­gen reflek­tiert. Dru­cke­rei­en ver­wen­den CMYK. 

Addi­tiv und sub­trak­tiv bezieht sich dar­auf, ob Wel­len­län­gen kom­bi­niert (addi­tiv) oder her­aus­ge­fil­tert (sub­trak­tiv) werden. 

Wirkung von Komplementärfarben

Far­ben kön­nen einen Raum grö­ßer oder klei­ner erschei­nen las­sen – für Kon­zen­tra­ti­on sor­gen, beru­hi­gend aber auch sti­mu­lie­rend wir­ken. Kom­ple­men­tär­far­ben erwe­cken oft den Ein­druck von Bewe­gung, Leb­haf­tem,… Durch die Gegen­sätz­lich­keit stei­gern sich die­se Far­ben neben­ein­an­der gestellt, zu maxi­ma­ler Leucht­kraft und maxi­ma­ler Licht- und Farbwirkung. 

Man unter­schei­det in der Farbenlehre… 

  • Pri­mär­far­ben sind die Grund­far­ben: Rot, Gelb, Blau
  • Sekun­där­far­ben ent­ste­hen durch die Mischung der Pri­mär­far­ben: Grün, Vio­lett, orange
  • Ter­tiärfar­ben ent­ste­hen durch die Mischung einer Sekun­där­far­be mit einer Pri­mär­far­be: Blau­grün, Blau­vio­lett, Pur­pur­rot, Oran­ge­rot, Dun­kel­gelb, Hellgrün

Komplementärkontrast

Kom­ple­men­tä­re Farbenpaare: 

Wir­kung

Der Kom­ple­men­tär­kon­trast wirkt durch die oft unge­bro­che­nen und rei­nen Farben… 

  • Kraft­voll
  • Dyna­misch
  • Schrill
  • Laut
  • Bewegt
  • Leb­haft
  • Bunt
  • Voll­stän­dig
  • Abge­schlos­sen

Simultankontrast

Die Far­be wird von ihrer Umge­bungs­far­be beeinflusst. 

Wir betrach­ten zwei iden­ti­sche graue Qua­dra­te auf ver­schie­de­nen Unter­grün­den. Das Qua­drat auf grü­nem Hin­ter­grund, wirkt etwas röt­lich und hel­ler. Das Qua­drat auf gel­ben Hin­ter­grund wirkt küh­ler und bläulich. 

Warm-Kalt-Kontrast

Far­ben wer­den unse­rem Emp­fin­den nach in war­me und kal­te Far­ben ein­ge­teilt. Kom­bi­niert man Warm- und Kalt­far­ben so erhält man einen Warm-Kalt-Kontrast. 

  • Zu den war­men Far­ben gehö­ren Gelb, Oran­ge und Rot — sie wir­ken aktiv, anre­gend und belebend.
  • Zu den kal­ten Far­ben gehö­ren Grün, Blau und Vio­lett — wer­den als kühl und distan­ziert empfunden. 

Durch Mischen lässt sich die Tem­pe­ra­tur der Far­ben beein­flus­sen. Beispiel: 

  • Gibt man zu Grün etwas Gelb, so wirkt die­ses wärmer. 
  • Gibt man zu Grün etwas Blau, so wirkt es kälter. 

War­me Far­ben erwe­cken den Ein­druck in den Vor­der­grund zu tre­ten. Kal­te Far­ben wei­chen in den Hin­ter­grund. Der Kalt-Warm-Kon­trast wird häu­fig in der Land­schafts­ma­le­rei eingesetzt. 

Wir­kung

  • Räum­lich­keit
  • Schafft Atmo­sphä­re
  • War­me Far­ben tre­ten in den Vordergrund
  • Kal­te Far­ben wei­chen zurück

Buntkontrast (Farbe-an-sich)

Es wer­den rei­ne Far­ben / Pri­mär­far­ben kom­bi­niert. Ver­rin­gert man die Hel­lig­keit bzw. Sät­ti­gung der Far­ben, wir­ken sie nicht mehr schrill und aufdringlich. 

Wir­kung

Der Farb­ton steht im Vor­der­grund. Damit las­sen sich Span­nun­gen und Farb­wir­kun­gen auf­bau­en, die den Betrach­ter unmit­tel­bar ansprechen. 

  • Span­nung
  • Signal
  • War­nung
  • Leuch­tend
  • Kraft­voll
  • Bunt
  • Laut

Hell-Dunkel-Kontrast

Hel­le und dunk­le Far­ben wer­den gegen­über­ge­stellt. Bei den Far­ben weiß und schwarz erhält man den höchs­ten Kontrast. 

Die Kom­bi­na­ti­on Magen­ta und Grün wei­sen den gerings­ten Hel­lig­keits-Kon­trast auf
und sind somit z. B. für Tex­te unge­eig­net. Blau und Gelb hin­ge­gen haben einen
star­ken Kon­trast und eige­nen sich auch für die Textgestaltung. 

Wir­kung

  • Star­ker Eindruck
  • Dunk­le Far­ben rücken in den Vordergrund
  • Hel­le Far­ben zie­hen sich zurück
  • Wech­sel­wir­kung zwi­schen Licht und Schatten

Qualitätskontrast

Sät­ti­gungs­kon­trast, Intensitätskontrast. 

Wird durch Unter­schie­de in der Farb­qua­li­tät her­vor­ge­ru­fen. Ent­steht zwi­schen leuch­ten­den, gesät­tig­ten und trü­ben, stump­fen Farben. 

Wir­kung

Rei­ne Far­ben wir­ken so bril­lan­ter. Abtö­nen las­sen sich Far­ben durch Mischen mit… 

  • Weiß
    • Rei­ne Far­ben mit Weiß gemischt > Pas­tell­tö­ne, wir­ken hel­ler und käl­ter
  • Schwarz
    • Far­ben mit Schwarz gemischt wir­ken düs­ter und fahl
    • Man­che Far­ben (Gelb,…) erge­ben mit Schwarz gemischt ande­re Farbtöne. 
    • Schwarz nur sehr bewusst zum Mischen verwenden.
  • Grau (Weiß + Schwarz)
    • Farb­tö­ne sind immer trü­be. Ent­we­der gleich hell, hel­ler oder dunk­ler, je nach sw Mischungsverhältnis.
  • Kom­ple­men­tär­far­be
    • Trü­bung rei­ner Farben
    • Bei pas­sen­dem Misch­ver­hält­nis ent­steht ein gebro­che­nes Grau.
    • Wenig zumi­schen der Kom­ple­men­tär­far­be -> gedämpf­te Ver­si­on des ursprüng­li­chen Tons.
  • Unter­streicht Farbintensität
  • Die Wir­kung ob inten­siv oder stumpf ist abhän­gig vom Umfeld.
  • Leuch­ten­de Far­ben stre­ben nach vor­ne => Dient ua. zur Ver­stär­kung der räum­li­chen Wirkung

Bunt-Unbunt-Kontrast

Beschreibt die Gegen­über­stel­lung von bun­ten und unbun­ten — Schwarz, Weiß, Grau — Far­ben. Son­der­form des Qua­li­täts­kon­trasts. Zählt nicht zu Ittens sie­ben Farb­kon­tras­ten, ist aber im Design von Bedeutung. 

  • Bun­te Far­ben auf schwar­zem Unter­grund erschei­nen leuch­tend und beson­ders prä­sent. Gilt nicht für dunk­le Farbtöne.
  • Auf Weiß wir­ken Far­ben freund­lich. Sehr hel­le Far­ben wie zB. Gelb kom­men auf wei­ßem Hin­ter­grund aller­dings weni­ger gut zur Gel­tung. Die kom­men auf Schwarz besser.
  • Bei Far­ben auf grau­em Hin­ter­grund kommt es sehr stark auf den Hel­lig­keits­un­ter­schied der Far­ben zum Grau­ton an. Je ähn­li­cher die Hel­lig­keits­wer­te einer Far­be und des Graus sind, umso gerin­ger ist ihre Wirkung.

Quantitätskontrast

Men­gen­kon­trast, Flächenkontrast 

  • War­me, hel­le Far­ben wer­den optisch stär­ker wahr­ge­nom­men als kal­te, dunkle. 
  • Gel­be Ele­men­te sprin­gen dem Betrach­ter sofort ins Auge, vio­let­te Ele­men­te der sel­ben Grö­ße wir­ken unscheinbar.

Die Wir­kungs­kraft der Far­ben wird gelenkt, in dem sie in ihrer Flä­chen­grö­ße auf­ein­an­der abge­stimmt werden: 

  • War­me Far­ben mit hoher Leucht­kraft > klei­ner Flächenanteil. 
  • Kal­te Far­ben mit gerin­ger Leucht­kraft > gro­ßer Flächenanteil.
  • => ruhi­ge, aus­ge­gli­che­ne Wirkung

Für die Gelb/Violett Farb­kom­bi­na­ti­on bedeu­tet das für das Bei­spiel links: Damit bei­de Far­ben gleich­wer­tig wir­ken müss­te das gel­be Ele­ment noch wesent­lich klei­ner sein, als das vio­let­te Ele­ment.

Wir­kung

Ungleich wir­ken­de Far­ben erzeu­gen Span­nung und Akti­vi­tät. Flä­chen­kon­tras­te soll­ten nach beab­sich­tig­ter Wir­kung sehr bewusst und mit bedacht gewählt werden. 

Farbwirkung durch Farb-Kombinationen

Far­ben in Kom­bi­na­ti­on haben eine bestimm­te Wir­kung auf den Betrach­ter: Har­mo­nisch (1) / Akzen­tu­iert (2) / Leben­dig (3)

  1. Far­ben, die zwi­schen zwei Grund­far­ben lie­gen, wir­ken har­mo­nisch – auch kräf­ti­ge Far­ben kön­nen das bewir­ken. Die­se Far­ben ähneln sich oft stark.
  2. Ver­wen­det man Kom­ple­men­tär­far­ben, sorgt das für mehr Span­nung. Die Kom­ple­men­tär­far­be wird nur für Akzen­te verwendet.
  3. Für ein leben­di­ges Gesamt­bild, soll­ten Far­ben der­sel­ben Inten­si­tät ver­wen­det wer­den. Mit einem gleich­sei­ti­gen Drei­eck kön­nen inner­halb des Farb­krei­ses durch die Eck­punk­te 3 Far­ben gewählt werden.

Farb­kon­tras­te bezie­hen sich auf ein, zwei oder alle die­ser Faktoren: 

Sät­ti­gung
Hel­lig­keit
Farb­ton

Far­ben beein­flus­sen sich gegen­sei­tig. Durch Kon­tras­te lässt sich beim Betrach­ter der Ein­druck von Gegen­sät­zen erzeugen. 

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