Das WingTsun System

Zuletzt geändert: 26. Oktober 2020
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Ich möch­te hier einen Über­blick über das Wing­T­sun Sys­tem geben, der mei­nem der­zei­ti­gen Ver­ständ­nis ent­spricht. Wing­T­sun erlernst Du am bes­ten in einer Wing­T­sun Kampf­kunst­schu­le unter der Anlei­tung eines fach­kun­di­gen Lehrers. 

Aller Anfang ist leicht, und die letz­ten Stu­fen wer­den am schwers­ten und sel­tens­ten erstiegen 

Goe­the

Du kannst die Wing­T­sun Basics recht ein­fach und schnell erler­nen, es zu meis­tern ist aber ziem­lich schwer. Es ver­langt lan­ges und aus­dau­ern­des ler­nen, um letzt­lich zur Meis­ter­schaft zu gelan­gen. War­um ich das so sehe, ver­su­che ich dir in die­sem Doku­ment näher zu bringen. 

Dem Lai­en erschei­nen häu­fig die vie­len Din­ge, die er über Wing­T­sun liest und hört sehr ver­wir­rend. Dabei ist WT recht klar struk­tu­riert. In die­sem Doku­ment beschrei­be ich wor­aus Wing­T­sun  besteht, und wel­che Zie­le mit den ein­zel­nen Bau­stei­nen ver­folgt wer­den. Das hier nie­der­ge­schrie­be­ne ist mei­ne Sicht auf die Din­ge, und weder voll­stän­dig, noch feh­ler­frei. Wing Tsun zu ler­nen, bedeu­tet per­ma­nent zu ler­nen, sich anzu­pas­sen und zu ver­än­dern, und so ist auch die­ser Leitfaden. 

Was ist WingTsun?

  • Wing­T­sun ist chi­ne­si­sches Boxen. Es ist eine Kampf­kunst, ich nen­ne es auch Bewe­gungs­kunst. Das bedeu­tet es schult und schärft das Kör­per­ge­fühl und die Sinne. 
  • Wing­T­sun ist eine Kriegs­kunst, das bedeu­tet dar­auf aus den Geg­ner zu zer­stö­ren: Ihm die Sin­ne zu neh­men, die Augen, den Atem. Klingt bru­tal, ist es in letz­ter Kon­se­quenz auch. Im Wing­T­sun lernst du jeden Zen­ti­me­ter dei­nes Kör­pers als Waf­fe zu benutzen.
  • Wing­T­sun ist vom Grund­satz her angrei­fend, da man mit Abwehr allei­ne kei­nen Kampf gewin­nen kann. Es geht dar­um, mit auf dich ein­wir­ken­den Kräf­ten umzu­ge­hen die viel grö­ßer sind als dei­ne eigenen.
  • Wing­T­sun ist wis­sen­schaft­lich, das bedeu­tet es folgt der Ver­nunft. Bewe­gun­gen müs­sen einen Sinn erge­ben, und ein Ziel ver­fol­gen. Das Argu­ment die Bewe­gung wird „aus Tra­di­ti­on“ so gemacht, weil es halt schon immer so war, genügt nicht.
  • Wing­T­sun ist stilfrei. Das bedeu­tet die Kon­zep­te kön­nen auf alle mög­li­chen Kampf­kunst­ar­ten ange­wen­det werden.
  • Wing­T­sun ist öko­no­misch. Es geht spar­sam mit den eige­nen Kräf­ten um. Das Sys­tem passt sich an den Men­schen an, und nicht umgekehrt.
  • Im Lehr­buch steht, das im Wing­T­sun jeder nur erdenk­li­che Angriff, und die fol­gen­den mög­li­chen Reak­ti­on des Angrei­fers auf die Wing­T­sun Gegen­an­grif­fe im Vor­feld durch­dacht wer­den, ähn­lich wie im Schach. Aber die­ser Ver­gleich hinkt mei­ner Mei­nung nach. Denn wäh­rend auf dem Schach­brett Ord­nung herrscht, und bei­de Kon­tra­hen­ten nach den glei­chen Regeln spie­len ist der Kampf auf der Stra­ße geprägt vom Cha­os, und das ist eben NICHT vor­her­seh­bar oder plan­bar, und der schlimms­te Angrei­fer den es gibt ist jemand der nichts kann, und womög­lich wie von Sin­nen ist. Die­se zwei Gedan­ken erschei­nen auf den ers­ten Blick als nicht ver­ein­ba­re Gegen­po­le: Der Wing­T­sun Kämp­fer muss letz­ten Endes das Cha­os beherr­schen, und das mit Metho­den des Schach­spiels. Geht das? Klingt span­nend, nicht?
  • Wing­T­sun besteht aus ver­schie­de­nen Ele­men­ten oder Säu­len. Die vier Wich­tigs­ten sind:
    1. Mot­tos, Kon­zep­te und Prinzipien
    2. die For­men
    3. Gefühl­s­trai­ning
    4. und die Anwendungen

Was fasziniert mich am WingTsun?

Auf der einen Sei­te ist es die Bewe­gungs­kunst, die logi­sche Ein­fach­heit und Selbst­ver­ständ­lich­keit der Bewe­gun­gen, die einen aber trotz­dem moto­risch her­aus­for­dern. Das feh­len jeg­li­cher Akro­ba­tik- und Show­ef­fek­te, das es einem ermög­licht WT auch noch im hohen Alter zu prak­ti­zie­ren ist dabei als Neben­ef­fekt zu nen­nen. Die Wis­sen­schaft­lich­keit der Kon­zep­te, Mot­tos und Stra­te­gien die Wing­T­sun aus­ma­chen, und die Kör­per und Geist glei­cher­ma­ßen for­dern. Die prak­ti­sche Anwend­bar­keit, und auf der ande­ren Sei­te die phi­lo­so­phi­schen Aspek­te hin­ter dem Sys­tem. All das ist ein­fach fas­zi­nie­rend zu erler­nen und zu erleben. 

Abkürzung im WingTsun?

Vie­le Men­schen kri­ti­sie­ren, das es so lan­ge dau­ert bis man Wing­T­sun erlernt hat, und suchen nach Abkür­zun­gen. Ver­mu­ten, das dies nur dazu dient den Schü­ler mög­lichst lan­ge an die Schu­le zu bin­den, um ihm das Geld aus der Tasche zu zie­hen. Die­se Fra­ge hat mich auch ne Zeit lang beschäf­tigt. Mitt­ler­wei­le habe ich einen lan­gen Weg zurück­ge­legt, und bin zu fol­gen­der Erkennt­nis gelangt: 

  • Ich den­ke die­ser Weg ist nötig, um das wirk­li­che Wesen des Wing­T­sun zu ergrün­den und zu ver­ste­hen. Wer nicht bereit ist ihn zu gehen, und nach Abkür­zun­gen sucht, wird immer nur die Ober­flä­che sehen, in Tech­ni­ken den­ken, und sich in aus­wen­dig gelern­ten Tech­nik­kom­bi­na­tio­nen ver­lie­ren. Für den, der sich dar­auf ein­lässt ver­än­dert Wing­T­sun mit der Zeit sein Wesen, und den eige­nen Kör­per, und damit auch das Den­ken und Han­deln. Man denkt nicht mehr in Tech­ni­ken, oder ein­zel­nen Sek­tio­nen. Die Din­ge wach­sen zusam­men, es wird Teil von einem.
  • Das Kör­per­ge­fühl ver­än­dert sich. Man wird wei­cher, beweg­li­cher, fle­xi­bler, passt sich auto­ma­tisch an. Alles wird pure, instink­ti­ve Reak­ti­on. Man ver­steht auf ein­mal die Zusam­men­hän­ge, wo für den Anfän­ger noch Erklä­run­gen nötig waren.
  • Wich­tig für den Weg ist der rich­ti­ge Leh­rer. Ein Leh­rer, der es ver­steht sich  mit der Zeit über­flüs­sig zu machen. Der einen vom einen Ufer des Flus­ses abholt, und auf der ande­ren Sei­te absetzt.

Viel­leicht gibt es Abkür­zun­gen. Aber der Schü­ler im WT ist wie eine Frucht, die den gan­zen Pro­zess von der Befruch­tung, über das lang­sa­me her­an­wach­sen, über das Rei­fen am Baum durch­lau­fen muss, um wirk­lich gut zu wer­den. Dabei ist auch wich­tig, in wel­cher Erde die Pflan­ze steckt. Das vol­le Aro­ma ent­fal­tet sie nur wenn alles stimmt. Kür­ze ich den Weg ab, in dem ich die Frucht zum Bei­spiel zu früh pflü­cke, und im Lager­haus rei­fen las­se, oder ver­su­che den Pro­zess durch Che­mie zu beschleu­ni­gen, wird die Frucht sich im Geschmack ver­än­dern, viel­leicht fade, ver­wäs­sert schmecken. 

Ich spü­re das an mir sel­ber zB anhand der For­men. Jetzt als 1. TG läuft die 1. Form sehr rund, und ohne nach­zu­den­ken. Die 2. Form ver­än­dert lang­sam ihren Cha­rak­ter und wird leben­di­ger, dyna­mi­scher, durch das set­zen ande­rer Akzen­te, die ich auch durch das erler­nen­der drit­ten Form bekom­men habe. In der drit­ten Form füh­le ich mich wie ein Anfän­ger der zum ers­ten den ers­ten Satz der Siu Nim­Tao durch­läuft. Alles ist irgend­wie bekannt, aber doch voll­kom­men neu. 

WT zu ler­nen ist ein Genuss, es ist ein Pro­zess bei dem der Weg das Ziel ist. 

Zu den Begriffen

Wenn man Wing­T­sun lernt, wird man — wie in jeder Kampf­kunst — einer Men­ge Wör­ter begeg­nen, die einem erst mal fremd erschei­nen. Es macht aber Sinn sie zu erler­nen. Des­halb ist das hier auch eine Auf­lis­tung der wich­tigs­ten Begrif­fe. Das Ver­ständ­nis wächst im Lau­fe der Zeit, durchs Ken­nen­ler­nen der dahin­ter lie­gen­den Kon­zep­te und Bewegungen. 

  • Schreib­wei­se
    • Begrif­fe kön­nen in ver­schie­den Publi­ka­tio­nen anders geschrie­ben sein. Die Unter­schie­de ent­stan­den durch die Über­set­zung vom Chi­ne­si­schen ins Deut­sche. Bei­spiel: Sao oder Sau. Die Schreib­wei­se ändert sich, die Bedeu­tung bleibt gleich.
  • Aus­spra­che
    • Das S in Sao wird scharf gespro­chen. Durch die eng­li­sche Umschrift, spricht man Jum-Sao nicht Jumm-Sao son­dern Dschamm-Sao.
  • War­um chi­ne­si­sche Begrif­fe verwenden?
    • Mit den chi­ne­si­schen Wör­ter las­sen sich gan­ze Bewe­gungs­fol­gen kurz und knapp beschreiben.
    • Erleich­tert die Kommunikation.
    • Pri­ma für Mitschriften.

Übersicht über das WingTsun System

Wing­T­sun ent­wi­ckel­te sich ja bekannt­lich in Chi­na. Daher ist es uner­läss­lich sich zu min­des­tens grund­le­gend mit dem Dao­is­mus zu befassen. 

Formen

  • Siu-Nim-Tao — Klei­ne Idee — Form (8 Sätze)
    • Saam-Pai-Fut — drei­ma­li­ge Ver­eh­rung Bud­dhas im 3.Satz SNT
  • Cham-KiuSuchen­de Arme Form bzw. Brü­cken Arme (8 Sätze)
  • Biu-DjieSto­ßen­de Fin­ger Form (8 Sätze) 
  • Muk-Yan-Chong / Mok-Yang-Jong — Holz­pup­pen­form (8 Sätze)
    • Chong — Holzpuppe
  • Luk-Dim-Boon-Kwan — Langstockform
  • Bart-Cham-Dao — Die 8 Wege der Doppelmesser

Chi-Sao

  • Chi-Sao — Kle­ben­de Hän­de — Kle­ben­de Arme, Reflex­trai­ning, Sensibilisierend
  • 19 Chi-Sao Sektionen
    • 7 Sek­tio­nen in der Siu-Nim-Tao und Cham-Kiu
    • 4 Biu-Djie Sektionen
    • 8 Chi-Sao Holzpuppensektionen

Dan-Chi — Einarmiges Chi-Sao

Dan-Chi, kurz für Dan-Chi-Sao oder Chi-Dan-Sao. 

  • Poon-Sao — rol­len­de Hän­de, Chi-Sao Grundzyklus
  • Chi-Gerk — Chi-Sao für die Bei­ne (…sie­he Mui-Bou)
  • Chi-Kwan — Kle­ben­der Stock
  • Tak­ti­les Reaktionstraining

Lat-Sao

  • Lat-Sao — Part­ner­form, Freikampf
  • Pak-Sao Zyklus
  • Kampf­an­wen­dun­gen
  • Nuk-Sao — Stand­kampf, Freikampfübung
  • Gleich­zei­tig­kei­ten
  • Opti­sches Reaktionstraining

Techniken / Bewegungen

  • Biu-Tze-Sao / Biu-Sao — Fin­ger Technik
  • Bong-Sao — Schwingenarm
  • Chang-Sao — Spatenhand
  • Ding-Jarn — Ellbogenstoß
  • Fak-Sao — Fegend schla­gen­der Arm
  • Fook-Sao — Brückenarm
  • Gaun-Sao / Gan-Sao — Schnei­den­der Arm, Abwehr gegen tie­fen Angriff
  • Gum-Sao — Drü­cken­de Hand
  • Huen-Got-Sao — rotie­ren­de, schnei­den­de Hand
  • Huen-Sao — Zirkelhand
  • Ju-Che­ung — seit­li­cher Handflächenstoß
  • Jum-Sao — sin­ken­der Ellenbogen
  • Jut-Sao — Schockhand
  • Kau-Sao — Zirkelarm
  • Kwa­an-Sao — rotie­ren­de Arme
  • Noi-Bong-Sao — inne­rer Bong-Sao

Kuen / Faust

  • Kuen-Sao — Fauststoß
  • Kuen-To — (klei­ne & gro­ße) Boxform
  • Kwai-Jarn — 45° Ell­bo­gen von oben, aus Biu Tze
  • Kwun-Sao — Rotie­ren­de Arme
  • Lan-Sao — Rie­gel­ar­me, aus Cham-Kiu (…sie­he Pie-Jarn?) 
  • Lap-Sao — Grei­fen­de und/oder zie­hen­de Hand, kur­zer, schar­fer Zug
    • Zer­stört das Gleich­ge­wicht und die Struk­tur des Gegners.
  • Lau-Sao — Schöp­fen­der Arm
  • Lin-Wan-Kuen — Kettenfauststöße
  • Mang-Geng-Sao — Nackenzugtechnik
  • Man-Sao — vor­de­re Hand, suchen­de Hand 
  • Muk-Yan-Chong-Fa — Holzpuppentechniken
  • Pak-Sao — Schla­gen­de Hand, Abwehr mit der Handfläche
  • Pie-Jarn — Dop­pel­ter hori­zon­ta­ler Ellen­bo­gen aus Chum-Kiu, Hacking Ell­bow (Sie­he Lan-Sao) ??
  • Shat-Geng-Sao / Saat-Geng-Sao — Kehlkopfschlag
  • Tan-Sao — Hand­flä­che-oben-Hand, abglei­ten­de Hand, split­ten­de Hand 
  • Tok-Sao — Heben­de Hand 
    • Geg­ner am Ell­bo­gen anhe­ben, um ihn zu schla­gen oder aus dem Gleich­ge­wicht zu bringen.
  • Tut-Sao — Befrei­en­de Arme
  • Wu-Sao — hin­te­re Hand, schüt­zen­de Hand (Arm)
  • Yat-Chi-Kuen — Ver­ti­ka­le Faust

Ellenbogen

  • Hau-Pai-Jarn — Ellen­bo­gen­schlag nach hinten
  • Chin(Shan)-Pai-Jarn — Ellen­bo­gen­schlag nach nach vorne
  • Yik-Pai-Jarn — Ellen­bo­gen­schlag rückwärtig
  • Chan-Pai-Jarn — Ellen­bo­gen­schlag vor­wärts schneidend

Schrittarbeit

“In jedem Schritt steckt ein Tritt, und in jedem Tritt ein Schritt” 

  • Yap-Gerk — Abwehr, Schien­bein nach außen
  • Bong-Gerk — Abwehr mit dem Schien­bein nach innen
  • IRAS / Yi-Dji-Kim-Yeung-Ma-Stand
  • Wen­dung
  • Dre­hung
  • Kampf­stand
  • Ver­fol­gungs­schritt / Vorwärtsschritt
  • Kreuz­schritt
  • Zir­kel­schritt
  • Kwun-Ma — Langstockstand
  • Jik-Chang-Gök — Vorwärtstritt
  • Wang-Chang-Gök — Seitwärtstritt
  • Che-Chang-Gök — gedreh­ter Tritt
  • Ers­te Schrittkombination
  • Zwei­te Schrittkombination
  • Mui-Bou — Pflau­men­blü­ten Schritt­ar­beit (…sie­he Chi-Gerk ?)

Graduierungen / Ausbildungsstufen

  • 12 Schü­ler­gra­de (1. — 12.SG)
  • 4 Lehr­gra­de / Höhe­re Gra­de (ver­al­tet: Tech­ni­ker­gra­de) (1. — 4.HG)
  • 4 Prak­ti­ker­gra­de / Meis­ter­gra­de (5. — 8.)
  • 4 Groß­meis­ter­gra­de (9. — 12.)

Kuen Kuits — Mottos und Konzepte

  • Nase-Nase Prin­zip
  • Schwe­re Ellenbogen
  • Die wie­der­ge­bo­re­ne Kraft
  • Pflü­cke die Frucht, oder der rei­ßen­de Zwirnfaden
  • Das Zonen Prinzip
  • Kraft­prin­zi­pi­en
    1. Mach dich frei von dei­ner eige­nen Kraft.
    2. Mach dich frei von der Kraft dei­nes Geg­ners.
    3. Ver­wen­de die Kraft des Geg­ners gegen ihn selbst.
    4. Füge zu der Kraft des Geg­ners dei­ne eige­ne hin­zu.
  • Kraft­sät­ze
    1. Ist der Weg frei, sto­ße vor.
    2. Ist der Weg ver­sperrt, blei­be kle­ben
    3. Ist die Kraft des Geg­ners grö­ßer, gib nach.
    4. Zieht der Geg­ner sich zurück, fol­ge ihm.
  • wei­te­re Kuen Kuits

Familienverhältnisse

  • To-Dai ‑Anhän­ger, Schüler
  • Si-Hing — älte­rer Wing Chun Bruder
  • Si-Je — älte­re Wing Chun Schwester
  • Si-Dai — jün­ge­rer Bruder
  • Si-Mui — jün­ge­re Schwester
  • Si-Fu — väter­li­cher Leh­rer, per­sön­li­cher Lehrer
  • Si-Pak — älte­rer Bru­der vom Si-Fu
  • Si-Suk — jün­ge­rer Bru­der vom Si-Fu
  • Si-Gung — der Wing Chun Großvater
  • Si-Jo — der Wing Chun Urgroß­va­ter, der Si-Fu vom Si-Gung

Weitere chinesische Begriffe

  • Baart — Acht
  • Bo — Schritt ?
  • Bo-Lay-Tao — Kopf ?
  • Bok — Schulter
  • Boon — halb
  • Che­ung — ?
  • Ching — Frontal
  • Chung — Aufladung
  • Dao — Messer
  • Dim — Punkt, Dim Ching — deut­lich, Dim Dim = Alle Punkte
  • Dui — schauen
  • Faat — startet
  • Fook — Hand
  • Gee — Cha­rak­ter, Ideo­gramm
  • Gow-Cha — Über­kreuz, Kreuz und quer, durchkreuzen
  • Hau — hinten
  • Hui — weggehen
  • Joong-Sin — Zentralllinie
  • Jor — Links
  • Keung — kraftvoll
  • Kuen — Faust
  • Lat — Frei
  • Lau — halten
  • Loy — ankommen
  • Ping — kombiniere
  • Saam — drei
  • Sao-Jik — gerade
  • Shang — doppelt
  • Sum — Herz
  • Sung — begleiten
  • Yao — kommt
  • Yao — weich
  • Yat — eins, einzig
  • Yau — rechts
  • Yee — Zwei
  • Yeung — ver­schär­fen, anzie­hen, straf­fen, zu ziehen
  • Ying — müssen
  • Yung — benutze

Inneres WingTsun

Ebenen der persönlichen Entwicklung

Allen Kampf­küns­ten ist gemein­sam, das sich der Schü­ler nicht nur kör­per­lich, son­dern auch gesell­schaft­lich und  geis­tig / see­lisch wei­ter­ent­wi­ckeln soll­te. Das ist auch schon in den Kuen-Kuits ange­legt. Man unter­schei­det drei ver­schie­de­ne Ebenen: 

  1. Kör­per­li­che Ent­wick­lung
    Es geht um das hand­werk­li­che Erler­nen der Kampf­kunst, die Beschäf­ti­gung mit mei­nem phy­si­schen Kör­per, und letzt­lich um Selbst­ver­tei­di­gung und ‑behaup­tung in Konfliktsituationen.
  2. Gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lung in der Umwelt
    Es geht dar­um mit Klug­heit, und Geschick / mit Stra­te­gie und Tak­tik den All­tag in der Gesell­schaft in der du lebst zu über­le­ben, und sich gegen ande­re durch­zu­set­zen bzw. zu behaup­ten. Hier wird die Per­sön­lich­keit, und das Ego ent­wi­ckelt. Aber alles, was man sich an mate­ri­el­len Din­gen erar­bei­tet und gewinnt, ist nicht für ewig und damit am Ende wert­los. Das ist eine wich­ti­ge Erkennt­nis. Letzt­lich geht es um Erfolg und Zufrie­den­heit im Leben. Aber jeder Mensch defi­niert letzt­lich für sich sel­ber, was Erfolg bedeutet.
  3. Spi­ri­tu­el­le Ent­wick­lung
    Es geht um die eige­ne geistige/seelische Entwicklung.

Die Ebe­nen sind durch­läs­sig, und nicht iso­liert von­ein­an­der zu betrach­ten. Sie beein­flus­sen sich gegen­sei­tig. Im Ide­al­fall beschäf­tigt man sich mit allen drei Ebe­nen. Die meis­ten Men­schen benö­ti­gen aber einen Rei­fe­pro­zess, bevor sie die drit­te Ebe­ne über­haupt wahrnehmen. 

In der drit­ten Ebe­ne geht es für mich nicht dar­um etwas in mir zu besie­gen. Schließ­lich bin ich nicht mit mir sel­ber im Kon­flikt, oder gar im Krieg. Ich will ler­nen mei­ne Stär­ken und Schwä­chen zu erken­nen, und erst­mal zu akzep­tie­ren, und zu lie­ben wie, wer, und was ich bin. Wenn mir etwas an mir nicht gefällt, dann kann ich mich — davon aus­ge­hen — auf den Weg machen es zu ver­än­dern. Ziel ist es das inne­re Gleich­ge­wicht, die Mit­te zu fin­den und zu erhal­ten. See­le, Ver­stand und Kör­per sind so im Ein­klang. Aller­dings wird das nicht auf Dau­er gelin­gen son­dern bleibt ein immer wäh­ren­der Pro­zess. Drei Stich­wör­ter dazu sind: 

  1. Selbst­er­kennt­nis
  2. Selbst­ak­zep­tanz
  3. Selbst­ver­än­de­rung

Am Anfang steht eine Bestands­auf­nah­me ohne jede Bewer­tung. Ich erfas­se ganz nüch­tern das Inven­tar, das mei­nen Cha­rak­ter bis jetzt geprägt hat. Wer bin ich? Was zeich­net mich aus? Was ist typisch? Was macht mich ein­zig­ar­tig? Was ist mein Tem­pe­ra­ment, mei­ne Talen­te, Stär­ken und Schwä­chen? Dabei kön­nen mir Instru­men­te zur Selbst­re­fle­xi­on hel­fen, sowie das Feed­back durch Freun­de, um das gesam­te Spek­trum “Fremd- und Selbst­wahr­neh­mung” abzu­de­cken, und blin­de Fle­cken aufzudecken. 

Für eine Selbst­ver­än­de­rung soll­te ich mir kon­kre­te, erreich­ba­re Zie­le set­zen. Eine Ver­än­de­rung im Ver­hal­ten oder bei Gewohn­hei­ten, das Erler­nen und Ein­schlei­fen neu­er Eigen­schaf­ten und Fähig­kei­ten. Dazu braucht es eini­ges an Mut, Dis­zi­plin und Wil­lens­kraft, aber auch sehr viel Geduld mit mir sel­ber. Din­ge die sich über lan­ge Zeit ein­ge­schlif­fen haben, las­sen sich nicht ein­fach so abschal­ten und erset­zen. Es ist okay, wenn ich dabei auch mal drei Schrit­te zurück mache. Rück­schlä­ge gehö­ren dazu. Haupt­sa­che dran­blei­ben: “Ste­ter Trop­fen höhlt den Stein” Es ist okay wenn ich mir dazu Unter­stüt­zung hole. 

Spi­ri­tu­el­le Ent­wick­lung lässt sich — bzw. soll­te sich — nicht auf die Mot­tos und Kon­zep­te des WT  redu­zie­ren. Ebe­ne zwei ergibt sich, wenn ich in Ebe­ne drei „im Fluss“ bin. Es geht letzt­lich immer dar­um los­zu­las­sen, und Ver­än­de­run­gen gegen­über offen zu sein, denn das ein­zi­ge Bestän­di­ge im Leben ist der Wan­del, und so ist auch WingTsun. 

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