Bildbetrachtung in a Nutshell

Zuletzt geändert: 8. August 2020
Geschätzte Lesezeit: 7 min

Ich betrach­te eine Foto­gra­fie oder ein Gemäl­de. Was sehe ich da? Was erzählt mir das? Wie kann ich das ana­ly­sie­ren und ein­ord­nen? Das ist wird eine Recher­che im Rah­men mei­nes Kunststudiums. 

Wahrnehmung

  • Das mensch­li­che Auge
    • kann Gegen­stän­de in unter­schied­li­cher Ent­fer­nung scharf sehen.
    • kann sich anpas­sen an Helligkeitsschwankungen.
    • kann Far­ben wahrnehmen.
    • kann Augen­feh­ler haben.
    • ist anfäl­lig für opti­sche Täu­schun­gen.
      • Rich­tungs­täu­schun­gen
      • Grö­ßen­täu­schun­gen
      • Formentäu­schun­gen
      • Kon­trast­täu­schun­gen
      • Farb­täu­schun­gen
    • Sehen ist mehr als die opti­sche Abbil­dung von Gegen­stän­den auf der Netzhaut.
      • Ver­ar­bei­tung im Gehirn: Erfah­run­gen und Stim­mun­gen spie­len eine Rolle.
      • Ver­schie­de­ne Per­so­nen, kön­nen unter­schied­li­che opti­sche Wahr­neh­mun­gen vom sel­ben Gegen­stand haben.
    • Die hell-dun­kel Stäb­chen sind licht­emp­find­li­cher als die farb­emp­find­li­chen Zäpf­chen ‑die erst bei mehr Licht anspre­chen). Des­halb sehen wir im dun­keln alles eher grau.
  • Farb­wahr­neh­mung
    • Far­ben sind Lichtwellen
    • Far­ben sind Empfindungen
      • „Far­be ist nicht in ers­ter Linie ein phy­si­ka­li­sches, son­dern psy­cho­lo­gi­sches Phä­no­men” — Josef Albers (1888 – 1976)
    • Kom­ple­men­tär­far­ben, Kör­per­far­ben -> Dazu habe ich einen gan­zen Arti­kel ver­fasst.
  • Figur-Grund-Bezie­hung
    • Figur — Posi­tiv­form. Ein sich vom Hin­ter­grund abhe­ben­des Objekt.
    • Grund — Negativform 
    • Das Gehirn bemüht sich, For­men aus sei­nem flä­chi­gen oder räum­li­chen Umfeld her­aus­zu­lö­sen und zu verstehen.
    • Es gibt mehr­deu­ti­ge Figur-Grund-Bezie­hun­gen (zB. Rubin­schen Becher)
  • Gesetz der guten Gestalt / Gesetz der Prägnanz
    • Gestalt­ge­set­ze von Max Wert­hei­mer (1880 – 1943) und Wolf­gang Metz­ger (1899 – 1979)
    • Das Auge des Betrach­ters fasst Gese­he­nes zu kom­ple­xen For­men zusam­men. Prä­gnan­te Ele­men­te prä­gen sich bes­ser ein und teil­wei­se über­deck­te Objek­te sind in ihrer voll­stän­di­gen Form vorstellbar.

Gestaltung

  • Bild­wahr­neh­mung
    • Die Wahr­neh­mung des Men­schen sucht ers­tens nach einer visu­el­len Ord­nung und zwei­tens nach Raum­tie­fe.
      • Ver­bun­de­nes, Nahes oder Ähn­li­ches fas­sen wir zusammen.
      • Wir ver­su­chen das eigent­lich fla­che Bild als drei­di­men­sio­na­len Raum zu lesen (von Figur und Grund über Vorder‑, Mittel‑, Hin­ter­grund bis zu kom­ple­xen inein­an­der­grei­fen­den Raumkonzepten). 
      • Raum­tie­fe kann durch Grös­sen­ab­stu­fung, unter­schied­li­che Anord­nung in der Bild­hö­he, Über­de­ckung, etc. entstehen. 
  • For­ma­le Gestal­tungs­prin­zi­pi­en, Gram­ma­tik der Bildsprache
    • Quer­for­mat wirkt ruhig, gesetzt und eher pas­siv. Hoch­for­mat wirkt akti­ver, dynamischer.
    • Sym­me­trie wirkt aus­ge­wo­gen, monu­men­tal, evtl. lang­wei­lig; Der Punkt ist sta­tisch, wie fest­ge­macht. Asym­me­trie bewirkt Span­nung, deu­tet auf Bewegung.
    • Waag­rech­te und Senk­rech­te brin­gen Ruhe und wir­ken flä­chig. Dia­go­na­len und ande­re Schrä­gen wir­ken dyna­mi­scher und kön­nen auch auf Raum­tie­fe verweisen.
    • Regel­mäs­si­ge Anord­nun­gen oder Rei­hen erzeu­gen Ryth­mus und Distanz. Über­la­ge­run­gen bewir­ken Dich­te, Span­nung, Gewicht. Sie wir­ken ten­den­ti­ell orga­ni­scher und leben­di­ger als eine regel­mäs­si­ge Anordnung.
    • Ein Stre­ben von links unten nach rechts oben wird in der west­li­chen Welt posi­tiv gedeu­tet. Der Blick oder die Bewe­gung nach rechts weist in die Zukunft. Ein Stre­ben von rechts oben nach links unten wird nega­tiv gedeu­tet. Der Blick oder die Bewe­gung von Rechts nach links weist in die Vergangenheit.
    • Die opti­sche Mit­te liegt über der mathe­ma­ti­schen Mit­te. Mit­tig aus­ge­rich­te­te Bild­kom­po­si­tio­nen wir­ken monu­men­tal aber auch mono­ton. Um dies zu ver­hin­dern, kön­nen prä­gnan­te Ele­men­te wie Hori­zont oder Gesicht zB. in den gol­de­nen Schnitt gesetzt wer­den. Das wirkt har­mo­nisch, aus­ge­wo­gen und trotz­dem nicht langweilig.
    • Per­so­nen oder Din­ge kön­nen ange­schnit­ten werden. 
      • Erwei­tert den Bild­raum über die Bild­flä­che hinaus. 
      • Erleich­tert ein “Ein­tau­chen” in die drei­di­men­sio­na­le Welt des Bildes. 
    • Der Zwi­schen­raum spielt für die Bild­kom­po­si­ti­on / Bild­ord­nung eine Rolle.
      • Vie­le Zwi­schen­räu­me wir­ken unruhig
      • Weni­ge Zwi­schen­räu­me wir­ken ruhig.
      • Stich­wort Rest­form!
  • Per­spek­ti­ve
    • Was erzeugt auf einer zwei­di­men­sio­na­len Flä­che einen Raum? Es wir­ken wei­ter ent­fernt
      • Klei­ne­re Elemente
      • Höher gestell­te Elemente
      • Über­deck­te Elemente
      • Kür­ze­re Linien
      • Fei­ne­re Linien 
      • Zusam­men­lau­fen­de Linien
      • Unschar­fe Ele­men­te (Sfu­ma­to)
      • Schlag­schat­ten formt den Raum
      • Eigen­schat­ten formt den Raum
      • Farb­per­spek­ti­ve: Kal­te, trü­be und hel­le Farben
      • Luft­per­spek­ti­ve: schwä­che­re Kontraste
  • Bil­dim­mer­si­on
    • Rezep­ti­on
      • Frem­des Gedanken‑, Kul­tur­gut auf­neh­men, übernehmen.
      • Vor­stel­lung durch eige­ne Erfahrungen?
    • Immer­si­on
      • Ein­tau­chen in eine eige­ne Welt.
      • Der Betrach­ter ist wäh­rend des­sen ver­letz­lich und manipulierbar.
      • Audio und Inter­ak­ti­vi­tät kann das zusätz­lich unterstützten.
    • Drei Schich­ten (Bild­räu­me) der Immersion
      • Mate­ri­el­le Schicht (Ele­men­te: Ölfar­be, Monitorpixel,…)
      • Bild­ne­ri­sche Schicht (Ele­men­te: Punkt, Linie, Fläche,…)
      • Iko­ni­sche Schicht (Ele­men­te: Rea­le oder erfundene)
      • Jede Schicht funk­tio­niert autonom.
      • Alle Ele­men­te zei­gen for­ma­le Eigen­schaf­ten: Far­be, Form und Tex­tur, teils auch Gewicht, Geruch, Tem­pe­ra­tur, wenn auch nur iko­nisch oder synästhetisch. 
      • Die Ele­men­te einer Schicht wir­ken im Zusam­men­spiel mit ande­ren Ele­men­ten über die eige­ne Bild­schicht hin­aus. Ein Bild ent­fal­tet sich erst dann in sei­ner vol­len Bedeutung..
    • Immer­si­ve Dichte
      • Beschreibt die Zusam­men­set­zung und Inten­si­tät der ver­schie­de­nen Schichten.
      • Man kann einen Schwer­punkt setzen.
      • Der ist abhän­gig von his­to­ri­schen oder kul­tu­rel­len Bedin­gun­gen, Dar­stel­lungs­funk­ti­on, Absicht und indi­vi­du­el­len Interessen.
  • Die Form
    • Der Punkt
    • Die Linie
      • kenn­zeich­net For­men, und defi­nie­ren so Objekte.
      • kann als eigen­stän­di­ges Ele­ment in einem Bild vorkommen.
      • kann als Form für einen bestimm­ten Gegen­stand selbst ste­hen (zB. einen Pfahl, Spei­che, Sonnenstrahl).
      •  kann die Umriss­form einer Flä­che, eines Kör­pers oder eines Rau­mes kennzeichnen.
      • Durch den Hell-Dun­kel-Kon­trast zwi­schen Objekt und Hin­ter­grund kann eine lini­en­haf­te Kontur/Umriss erscheinen.
      • Lini­en­for­men
        • gera­de, gebo­gen, gewellt oder geknickt, dünn oder dick, gleich oder ungleich breit, von einer oder bei­den Sei­ten begrenzt, durch­gän­gig oder gestri­chelt, unter­bro­chen, geo­me­tri­schen oder orga­ni­schen Ursprungs.
      • Lini­en­wir­kung
        • senk­recht (ver­ti­kal) = ste­hend, fest, stabil
        • waa­ge­recht (hori­zon­tal) = lie­gend, ruhig, statisch
        • irgend­wie schräg = unru­hig, dyna­misch, richtungweisend
        • dia­go­na­le = auf­stei­gend, fallend
        • rund, gebo­gen = auf­neh­mend, offen bzw. beschüt­zend, geschlossen
        • recht­wink­lig = kon­struk­tiv, exakt
        • wink­lig = tech­nisch, konstruiert
        • orga­nisch, frei = natür­lich, lebendig
        • wel­len­för­mig = bewegt, unruhig
        • dünn = zart
        • breit = fest, hart, stabil
        • aus­lau­fend — dün­ner wer­dend = leben­dig, unruhig
      • Lini­en­funk­ti­on
        • For­men kenn­zeich­nen und so Objek­te definieren.
        • Eigen­stän­di­ges Ele­ment in einem Bild.
        • Als Form für einen bestimm­ten Gegen­stand ste­hen (Son­nen­strahl, Anten­ne, Speiche,…)
        • Kenn­zeich­net die Umriss­form einer Flä­che, eines Kör­pers oder eines Raumes.
        • Durch Hell-Dun­kel-Kon­trast zwi­schen Objekt und Hin­ter­grund kann eine lini­en­haf­te Kon­tur (Umriss) erscheinen.
        • Schraf­fu­ren: Vie­le fei­ne, kur­ze dicht bei­ein­an­der ste­hen Lini­en — genannt Stri­che, kön­nen die Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit eines Kör­pers oder eine Struk­tur widerspiegeln.
        • Dar­stel­lung von Bewe­gun­gen, Rich­tun­gen und Geschwindigkeiten.
        • Schmü­cken­de, orna­men­ta­le Funktion.
    • Flä­chen­for­men
      • eckig oder rund.
      • sym­me­trisch oder asymmetrisch.
      • durch Punk­te, Lini­en oder angren­zen­de Flä­chen begrenzt.
      • Nur von Umriss­form bestimmt (leer), mit nur einer Far­be gefüllt oder unter­schie­den durch Struk­tu­ren / Mus­ter / etc.
      • Ganz­heit­li­che oder Teilflächen.
      • Geo­me­trisch (kon­stru­iert), orga­nisch (von der Natur abge­lei­tet) oder frei entwickelt.
    • Geo­me­tri­sche Flächenformen
      • Grund­for­men (Sekun­där­form): Kreis (Tra­pez), Drei­eck (Dreirund), Qua­drat (Vier­rund)
      • Durch Addi­ti­on und Sub­trak­ti­on von Pri­mär- und Sekun­där­for­men ent­ste­hen wei­te­re kom­ple­xe Flä­chen­for­men geo­me­tri­schen Ursprungs.
    • Orga­ni­sche Flä­chen­for­men
      • Sind von Pflan­zen­for­men oder Lebe­we­sen abgeleitet.
      • Wer­den gern für orna­men­ta­le Zwe­cke ver­wen­det und dabei häu­fig gestal­te­risch ver­ein­facht (sti­li­siert).
      • Cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­ma­le und Gesetz­mä­ßig­kei­ten der Natur­form soll­ten erhal­ten bleiben.
  • Kör­per­for­men
    • Umfas­sen drei Dimen­sio­nen: Län­ge, Brei­te und Höhe.
    • Geo­me­tri­sche Körperformen
      • Wür­fel, Kegel, Kugel, Zylin­der, Pyra­mi­de mit drei­ecki­ger oder vier­ecki­ger Grundfläche.
      • Pri­mär­for­men las­sen sich zu kom­ple­xen Gebil­den kombinieren.
    • Orga­ni­sche Kör­per­for­men kön­nen nicht mit exak­ten Begrif­fen defi­niert werden. 
    • Plas­ti­sche Wirkung
      • durch Hell-Dun­kel-Modu­la­ti­on mit­tels Farbdifferenzierung
      • durch Lini­en als Umriss oder Strichbündelung.
      • Räum­li­che Bezü­ge ent­ste­hen durch per­spek­ti­vi­sche und nicht­per­spek­ti­vi­sche Darstellungsverfahren.
      • Nicht­per­spek­ti­vi­sche Darstellungsverfahren
        • Über­de­ckung der Körper
        • Grö­ßen­ver­hält­nis­se: groß = vor­ne, klein = hinten
        • Lage­ver­hält­nis­se: unten = vor­ne, oben = hinten
        • Hel­lig­keits­ab­stu­fung im Raum
      • Per­spek­ti­vi­sche Darstellungsverfahren
        • Par­al­lel­per­spek­ti­ve
        • Zen­tral­per­spek­ti­ve
For­men an sich, und ihre Anord­nung bzw. Glie­de­rung lösen beim Betrach­ter indi­vi­du­el­le, per­sön­li­che Asso­zia­tio­nen und Emo­tio­nen aus (affek­ti­ve Eigenschaften). 
  • Unter­su­chung der Form und ihre Wirkung
    • Quan­ti­tät
      • Unter­sucht die Abhän­gig­keit zu ande­ren Bezugs­punk­ten in ihren Men­gen- und Grö­ßen­ver­hält­nis­sen, und als Teil zum Gesam­ten: groß – klein, viel – wenig, voll – leer, dick – dünn, lang – kurz, etc. 
      • An der Grö­ße lässt sich ihre Wich­tig­keit able­sen (Bedeu­tungs­maß­stab).
      • Bei unter­schied­li­chen Men­gen von Bild­for­men wird die Wir­kung im Gesamt­zu­sam­men­hang gewertet.
    • Qua­li­tät
      • Ver­sucht die Eigen­art der For­men genau zu charakterisieren.
    • Begren­zung / Abgegrenzung
      • Schar­fe Abgren­zung: prä­zi­se, klar, hart, sau­ber, grafisch.
      • Dif­fu­se Abgren­zung: ver­schwom­men, weich, bewegt, unge­nau, ver­wa­schen, malerisch.
    • Rich­tungs­be­zü­ge
      • Ein­zel­ne Lini­en, Flä­chen und Kör­per wei­sen immer einen Rich­tungs­be­zug auf.
      • Rich­tun­gen und mög­li­chen Wir­kun­gen auf den Betrach­ter erklä­ren sich aus der „Lini­en- & Flächenwirkung“.
    • Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit
      • Von den ein­zel­nen For­men ables­ba­re Ober­flä­chen­ge­stal­tung, wie Stofflichkeit.
      • Arbeits­spu­ren des Malers auf dem Bild.
Ana­ly­siert man Kunst­wer­ke, soll­te man For­men auf ihre Grund­for­men zurück führen. 

Bildaufbau

  • Grund­struk­tu­ren eines Bildes
  • Glie­de­rung des Formats
  • Gericht­etheit von Form- und Bildelementen
  • Bild­ach­sen und Komposition
  • Ord­nungs­prin­zi­pi­en des Bildaufbaus
    • Rei­hung
    • Rhyth­mus
    • Grup­pie­rung
    • Bal­lung
    • Streu­ung
    • Sym­me­trie
    • Asym­me­trie
    • Struk­tur
    • Ras­ter
    • Schwer­punkt
    • Kon­tras­te
    • Dyna­mik
    • Sta­tik
    • Pro­por­ti­on und gol­de­ner Schnitt

Bildraum

  • Mit­tel der Raumdarstellung
  • Raum- und Kör­per­dar­stel­lung durch Licht- und Schatten
  • Par­al­lel­pro­jek­ti­on
  • Zen­tral­per­spek­ti­ve
  • Farb- und Luftperspektive
  • Mehr­deu­ti­ge räum­li­che Illusion

Bildfarbe

  • Was ist Farbe
  • Ästhe­ti­sche Farbenlehre
  • Goe­thes Farbenlehre
  • Farb­stu­di­en und Farbmischungen
  • Die Dimen­sio­nen der Farbe
  • Phy­si­sche und psy­chi­sche Wir­kung der Farben
  • Sym­bo­lik der Farben

Bildspannung

  • Bild­span­nung durch Kontraste
  • Bild­span­nung in der Bezie­hung der Anordnung
  • Ein­stel­lungs­grö­ßen (Film)
  • Per­spek­ti­ven (Film)
  • Ein­stel­lungs­län­ge (Video)

Bildform

  • künst­le­ri­sche Form (KF)
  • Bild­for­men
  • Gestal­tungs­merk­ma­le der KF
    • Extrem hoher Grad der Nach­ah­mung (zB. natu­ra­lis­ti­sche Darstellung)
    • Hoher Grad der Nach­ah­mung (zB. rea­lis­ti­sche Darstellung)
    • Mitt­le­rer Grad der Nach­ah­mung (zB. impres­sio­nis­ti­sche Malerei)
    • Nied­ri­ger Grad der Nach­ah­mung (zB. expres­sio­nis­ti­sche Malerei)
    • Die freie künst­le­ri­sche Form (zB. abs­trak­te Malerei)

Gattungen der Malerei

  • His­to­ri­en­bild
  • Por­trät
  • Land­schafts­ma­le­rei
  • Gen­re­ma­le­rei / Sittenbild
  • Still­le­ben

Bildanalyse, Interpretation, Bildvergleich

Bildanalyse frei nach dem semiotischen Modell


  • Per­cept — Ers­ter Ein­druck, Gefühl, wie wirkt das Kunst­werk auf mich.
    • Spon­ta­ne, sub­jek­ti­ve, emo­tio­na­le Reaktionen…
    • Was gefällt/ miss­fällt mir? 
    • Was fällt mir beson­ders auf? 
    • Wel­che Stim­mung brei­tet sich vom Bild aus­ge­hend auf mich aus?
    • Wor­an den­ke ich?
  • Vor­stel­lung des Bil­des — Daten und Fakten.
    • Titel des Bildes
    • Datum der Enstehung/ Epo­che, ursprüng­li­che Funktion
    • Name und wich­tigs­te Daten des Künstlers
    • Anga­be des Sujets (Land­schaft, Stil­le­ben, Porträt,…)
    • For­mat (Hoch- oder Quer­for­mat), Größe
    • Tech­nik, Bildträger
    • Auf­trag­ge­ber, Früh- oder Spät­werk d. Künstlers
    • Wo befin­det sich das Bild? — Standort/Museum
  • Syn­tak­tikForm des Bil­des, sach­li­che opti­sche Beschrei­bung des sicht­ba­ren Bestandes.
    • Motiv (was abge­bil­det ist)
    • Far­be
    • Kon­tras­te
    • Mate­ri­al
    • Tech­nik
    • Licht/ Schat­ten (Plas­ti­zi­tät)
    • Räumlichkeit/ Per­spek­ti­ve
    • Kom­po­si­ti­on
    • Orga­ni­sa­ti­on der Bild­flä­che (Linien/ Flächen)
      • Gedach­te Lini­en und Bewegungslinien
      • Aus­ge­spro­che­ne Lini­en: (Linie, Struk­tur, Kontur,…)
      • Mar­kan­te Flä­chen im Bildaufbau
      • Wei­te­re Formgegensätze
      • Bild­ober­flä­che, Malweise
    • Ver­hält­nis von Gestalt­bild zu Umweltbild
      • Erschei­nungs­ge­treu
      • redu­ziert
      • abs­tra­hiert
      • auto­nom
      • natu­ra­lis­tisch
      • idea­lis­tisch­rea­lis­tisch
    • wei­te­re Merk­ma­le der Gestal­tungs­ge­set­ze (sie­he ganz weit oben)
    • Duk­tus
      • Hand­schrift des tech­ni­schen Mit­tels: Pin­sel, Stift, Radiernadel, …
      • Hand­schrift des Malers/ Zeich­ners: deut­lich, zurück­ge­nom­men, vehe­ment, glatt, nervös, …
    • Bis hier hin noch kei­ne Deu­tung des Bildes!
  • Seman­tik — Deu­tung der ein­zel­nen Zei­chen.
    • Was sehe ich — Beschrei­bung der Bildgegenstände
      • Wie ste­hen die Din­ge zuein­an­der. Las­sen sich Ord­nun­gen, Grup­pie­run­gen,  Bezie­hun­gen finden? 
      • Geord­ne­te Beschrei­bung: Glie­de­rung der Bild­in­hal­te in Lese­rich­tung des Bil­des, Vor­der- Mit­tel- u. Hin­ter­grund, Haupt- und Nebenszenen.
      • Wert­freie Beschrei­bung der Bild­in­hal­te. Noch kei­ne Deu­tung! Art und Men­ge  der dar­ge­stell­ten Gegen­stän­de und Per­so­nen, Mimik, Ges­tik, Kör­per­spra­che, Beklei­dung, Requi­si­ten, Archi­tek­tur, Räu­me, Land­schaf­ten, Land­schafts­aus­schnit­te, kon­kre­te oder reduziert/ abs­tra­hier­te Formen, …)
    • Ver­hält­nis Bild — Betrachter
      • Auf­sicht, Unter­sicht, Augenhöhe?
      • Erkennt man die Din­ge aus Nah­sicht oder Fernsicht?
      • Exis­tiert eine Iden­ti­fi­ka­ti­ons­brü­cke? (zB. Rückenfigur)
      • Neh­men die Bild­ge­stal­ten Blick­kon­takt zum Betrach­ter auf? (Nähe — Distanz)
      • Ist der dar­ge­stell­te Raum betret­bar? Führt ein Weg in die Bild­tie­fe oder ist der Zugang versperrt?
    • wie deu­tet man das Gesehene?
  • Seman­ti­sche Kon­text­ana­ly­se — Geeig­net für kom­ple­xe Bil­der, für ein­fa­che eher nicht.
    • 1. Benen­ne die Bildelemente
      • Jedes ein­zel­ne Bild­ele­ment laut benen­nen  — nicht beschreiben!
      • Was ist dar­auf zu sehen?
      • Benen­ne alles, auch Unter­grund und Hintergrund. 
      • Dadurch benut­zen wir das Seh‑, Sprach- und Gehör­zen­trum des Gehirns.
    • 2. Beschrei­be die Objekte
      • Beschrei­be jedes ein­zel­ne Ele­ment wie es ist, und wie es wirkt —  in Bezug auf Tech­nik und Gestaltung. 
      • Inter­es­sant ist hier die Wir­kung und Anmu­tung — das kann „emo­tio­nal“, gefühlt sein.
      • Vor­sich­tig sein mit Annah­men wegen Pri­ming — ver­mei­de Schlüsse.
    • 3. Suche das Gegen­teil — Drehachse
      • Suche zu jedem Objekt das Gegen­teil im Bild. Wor­in besteht die Drehachse?
      • Es kann durch­aus meh­re­re Dreh­ach­sen im Bild geben, manch­mal wie­der­holt sich auch eine oder meh­re­re Dreh­ach­sen mehrfach.
      • Bei­spiel: Frau <—  Geschlecht —> Mann
      • Das Gegen­teil von Frau ist Mann. Die Dreh­ach­se ist das Geschlecht. 
      • Das ist eher ein Kunst­griff, und nichts was unser Gehirn intui­tiv von allei­ne macht. So arbei­tet unser Gehirn nicht. Es gilt aber das unbe­wusst bzw. Intui­tiv und spon­tan zu sehen, und nicht sich das bewusst und müh­sam zu konstruieren. 
      • Nor­mal ist man an der Stel­le fer­tig. Falls man die Bedeu­tung nicht gefun­den hat geht es hier­mit weiter:
    • 4. Bil­de seman­ti­sche Fel­der des Gegenteils
      • Was ist das seman­ti­sche Feld des benann­ten, beschrie­ben, und ins Gegen­teil ver­kehr­ten Objekts?
    • 5. Bil­de seman­ti­sche Felder
      • Zu jedem erson­ne­nen Begriff das ein­fach­se­man­ti­sche Feld bil­den. Sprich: Begrif­fe sammeln.
  • Prag­ma­tik — Bild­in­ter­pre­ta­ti­on, wozu ver­lei­tet mich das Bild.
    • Absicht des Künstlers/ Funktion
    • Wer sagt was, zu wem, durch wel­ches Medi­um, in wel­cher Absicht, unter wel­chen Umstän­den, und mit wel­cher Wirkung?
    • Ist der Titel des Bil­des stim­mig und nachvollziehbar?

Interpretation 

Eine Inter­pre­ta­ti­on ist eine Mischung aus sub­jek­ti­ver Bewer­tung, Beob­ach­te­tem und Ana­ly­sier­tem. Das Augen­merk rich­tet sich auf das gan­ze Kunst­werk, nicht auf ein­zel­ne Aspekte. 

  • Einen mög­li­chen Bedeu­tungs­ge­halt ergründen.
  • Maß­geb­li­che Ele­men­te des Bedeutungsgehaltes:
    • Das Sujet
    • Art der Dar­stel­lung — dh. der Ein­satz der bild­ne­ri­schen Mittel 
    • Die davon aus­ge­hen­de Stimmung. 
    • Die Bedeu­tung
      • für den Künstler
      • im his­to­ri­schen Kontext
      • in unse­rer heu­ti­gen Zeit
    • aktu­el­le, zeit­be­zo­ge­ne Inter­pre­ta­ti­on formuliert
      • per­sön­li­che Sichtweisen
      • Hypo­the­sen
      • Ver­mu­tun­gen
  • Alles, was über ein Bild gesagt wird, muss am Bild belegt werden.
  • Alles was in der Ana­ly­se der bild­ne­ri­schen Mit­tel her­aus­ge­ar­bei­tet wur­de, muss kom­plett & wider­spruchs­frei mit dem Bild­sinn im Ein­klang stehen.
  • Alte Kunst­wer­ke wer­den heu­te anders emp­fun­den, gese­hen und gedeutet. 
    • werk­im­ma­nent
    • iko­no­gra­phi­sche Bedeutungen
    • Wel­che Aus­sa­ge trifft das Bild?
    • Wel­che Inten­ti­on ver­bin­det der Künst­ler damit?
  • Deu­tung der Bildsprache
    • Bild­sym­bo­le
    • Meta­phern
    • Bild­zu­sam­men­hän­ge
    • Bild­wir­kun­gen
    • Bedeu­tungs­ebe­nen
  • Was war das Abbil­dungs­in­ter­es­se des Künstlers
  • Was waren die Inter­es­sen der Auftraggeber
  • Über­grei­fen­de Interpretation
    • werk­tran­szen­dent
    • iko­no­lo­gi­sche Bedeutung
  • Was kann die Ent­ste­hung des Bil­des beein­flusst haben? 
    • his­to­ri­sche, kunst­his­to­ri­sche, sti­lis­ti­sche, bio­gra­phi­sche oder gesell­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen, unter Zuhil­fe­nah­me von Bild­ver­glei­chen, Werk­grup­pen­un­ter­su­chung, Motiv­ket­ten, lite­ra­ri­schen Quel­len etc.)
  • Wel­che Aus­sa­ge ergibt sich über die Per­son des Künst­lers, die Umstän­de sei­nes Schaf­fens, sei­ne Ein­stel­lun­gen, die his­to­ri­schen Gege­ben­hei­ten, die Kunst sei­ner Zeit, die kunst­ge­schicht­li­che sowie geis­tes­ge­schicht­li­che Entwicklung?
  • Abschlie­ßen­de Worte

Bildvergleich

  • Benut­zung der oben beschrie­be­nen Vorgehensweise. 
  • Unter jedem Punkt bei­de Bil­der auf Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de hin untersuchen.
  • Das Haupt­bild zuerst unter­su­chen, und hin­ter­her mit dem Ver­gleichs­bild in Bezie­hung setzen.
  • Über­prü­fung der wesent­li­chen Unter­schie­de bzw. Gemeinsamkeiten.

Bild-Sequenzen

Für Sequen­zen von Bil­dern — qua­si als Vor­stu­fe zum Film eig­net sich der Bild­ver­gleich nach obi­gen Mus­ter. Wir bewe­gen uns damit aber schon an der Gren­ze zur Filmanalyse. 

Filmanalyse

… oder auch eine Ana­ly­se mul­ti­me­dia­ler Instal­la­tio­nen. Da kom­men alle obi­gen Ele­men­te zum tra­gen, und dazu… 

Eine for­mal-inhalt­li­che Pro­to­kol­lie­rung des fil­mi­schen Ablaufs: 

  • Inhalts­be­schrei­bung
  • Pro­ble­ma­ti­sie­rung und Fragestellung
  • Bestands­auf­nah­me mit Sequenzbeschreibungen
  • Ana­ly­se und Inter­pre­ta­ti­on unter Ein­be­zie­hung des
  • his­to­risch-gesell­schaft­li­chen Kontexts
  • Zusam­men­fas­sung der wich­tigs­ten Ergebnisse

Kon­zen­tra­ti­on auf ein­zel­ne Sequen­zen. Auf­schlüs­seln von Ele­men­ten der Film­re­gie wie: 

  • Ein­stel­lung
  • Kame­ra­per­spek­ti­ve
  • Kame­ra­be­we­gung
  • Licht
  • Ton
  • Mon­ta­ge

Die drei „Rea­li­täts­ebe­nen“ der fil­mi­schen Kom­mu­ni­ka­ti­on, Kor­te (1993):

  • Pro­duk­ti­ons-Wirk­lich­keit
  • Film-Wirk­lich­keit
    • Voll­stän­di­ge Erfas­sung und Bewer­tung aller im Film auf­find­ba­ren Informationen.
    • Ana­ly­se der Ein­zel­bil­der, bzw. der in den Ein­stel­lun­gen gemach­ten Aus­sa­gen, d.h. Bild­in­halt, Bild­ge­stal­tung und Bild- und Einstellungsinszenierung.
    • Ana­ly­se der gespro­che­nen Dialoge.
    • Ana­ly­se der ein­ge­setz­ten Musik, Töne und Geräusche.
    • Ana­ly­se der inhalt­li­chen Struk­tur des Films — Plot (Hand­lungs­ver­lauf), Cha­rak­te­re, Hand­lungs­or­te, Handlungszeit, …
    • Ana­ly­se des Schnitts und die damit ver­bun­de­ne Mon­ta­ge der Shots.
    • Ana­ly­se des Schauspielens.
  • Rezep­ti­ons-Wirk­lich­keit
    • Ver­ste­hen und Wir­kung des Films beim Rezi­pi­en­ten: Per­sön­lich­keit, Selbst­wahr­neh­mung, Vor­wis­sen, poli­ti­sche Orientierung, …
    • Wel­che Fak­to­ren des kul­tu­rel­len Kon­text kom­men­den zum Tragen
    • Sozia­ler Kon­text des Rezi­pi­en­ten — Wel­cher Film ist gera­de “in”, …
    • Publi­kums­er­folg. Besu­cher­zah­len, Einspielergebnis, …
    • Rezep­ti­on zur Ent­ste­hungs­zeit des Films. Zeit­ge­nös­si­sche Rezep­ti­on, durch pro­fes­sio­nel­le Kri­ti­ker und nor­ma­les Publikum.
    • Aktu­el­le, heu­ti­ge Rezeption.

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