Bildband konzipieren

Zuletzt geändert: 19. Dezember 2020
Geschätzte Lesezeit: 4 min

Einen Bild­band zu erstel­len ist eine ziem­lich kom­ple­xe und/aber sehr span­nen­de Ange­le­gen­heit. Was ich ver­su­che bei der Gestal­tung eines Bild­bands zu berück­sich­ti­gen, fas­se ich hier zusam­men. Grund­sätz­lich ist es eine gute Idee sehr, sehr vie­le Bild­bän­de sehr auf­merk­sam an zu schau­en, und her­aus­zu­fin­den war­um sie gefal­len. Für das War­um hel­fen die gan­zen Hin­wei­se unten viel­leicht wei­ter. Das gan­ze ist ein dau­er­haf­ter Lern­pro­zess, wie immer halt, des­we­gen ist auch die­ser Arti­kel noch in Arbeit, und nicht fer­tig. Viel­leicht hilft er dir trotz­dem wei­ter. Viel Erfolg mit dei­nem Bildband! 

Mei­ne Bild­bän­de gibt es hier.

Vorbereitungen

Ver­traue dei­nen Bil­dern! Sie sind stark und kön­nen für sich selbst spre­chen. Das Buch darf nicht zu viel sein wol­len. Beschrän­ke dich auf ein gro­ßes The­ma. Hebe die Stär­ken durch das Lay­out und die Sequen­zie­rung, die Aus­wahl und Zusam­men­stel­lung her­aus. Blei­be pur und ver­wäs­se­re nichts! 

Grund­sätz­li­che Fra­gen die ich mir vor der Kon­zep­ti­on eines Foto­bu­ches gestellt und beant­wor­tet habe könnte: 

  1. Wor­um geht es in mei­ner Geschichte?
  2. Wie lau­tet der Titel des Projekts?
  3. Wie lau­tet der Titel des Buches?
  4. Wel­che Bot­schaft befin­det sich auf den Fotos?
  5. Wel­che Bot­schaft befin­det sich in den Tex­ten, falls vorhanden?
  6. Wie wird die Geschich­te erzählt? …in Bezug auf die Erzäh­lung, nicht die Buchform.
  7. Gibt es hier wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen für die Geschich­te, die weder in den Fotos noch im Text ent­hal­ten sind?
  8. Gibt es ande­re Din­ge, die neben Fotos und Tex­ten in das Buch auf­ge­nom­men wer­den soll­ten? Was bedeu­ten diese?
  9. Was möch­te ich das der Leser denkt / fühlt, nach­dem er mein Buch ange­se­hen hat?

Was soll­te ich noch parat haben? 

  1. Eine 10–15 minü­ti­ge Prä­sen­ta­ti­on des Projekts
  2. Vor­schau­dru­cke 9x13cm oder 13x18cm
  3. Alle zusätz­li­chen gra­fi­schen Mate­ria­li­en wie zB. Tex­te, Illus­tra­tio­nen, Archiv­bil­der usw. 
  4. Mein Lieb­lings­buch / Inspi­ra­ti­on. Das kön­nen auch gern meh­re­re sein.
Vie­le der Punk­te erge­ben sich bei mir aller­dings erst im Lau­fe des Edits. 

Bei mir gestal­tet sich das eher so: Ich muss mei­ne Bil­der wie ein Puz­zle zusam­men­set­zen bei dem ich das Gesamt­bild noch nicht ken­ne… …ich muss offen sein für ein Gesamt­bild das sich erst durch den Pro­zess des Edi­tie­rens ergibt. Ich muss offen sein, um alle Mög­lich­kei­ten die dar­in lie­gen, ent­de­cken zu kön­nen. Ich muss immer bereit sein mich von mei­nen ursprüng­li­chen Plä­nen zu trennen. 

Die Kon­zep­ti­on eines Foto­bu­ches erfolgt ent­lang fol­gen­der Leitlinie: 

  1. Ord­nung schaffen
  2. Aus­wäh­len
  3. Sequen­zie­ren
  4. Gestal­ten

Ziele

  • Das Buch soll nicht unbe­dingt “aka­de­misch” und “erklär­bar” sein.
  • Der Betrach­ter braucht ne Struk­tur, damit er sich nicht ver­lo­ren fühlt.
  • Er soll aber kei­ne logi­sche Ord­nung finden!
  • Genau das zu schaf­fen ist halt die Kunst beim Edit.
  • Das Blät­tern soll Lust machen, es soll Über­ra­schun­gen bieten.
  • Bil­der sind wie die Sät­ze, Kapi­tel & Tei­le einer Sto­ry eines Textautors. …
  • Es geht dar­um die rich­ti­ge Form zu fin­den, und die Bil­der les­bar zu machen.
  • Ich will einen Erzähl­fluß erzeugen.
  • Der Betrach­ter muss mit­ge­nom­men werden.
  • Der Betrach­ter darf durch Ver­gleich der Bil­der etwas entdecken

Bildauswahl / Kuratierung

Maxi­mal 65 bis 70 Bil­der soll­te ein Buch in der Regel umfas­sen. Um geeig­ne­te Bil­der aus­wäh­len zu kön­nen brau­che ich am Bes­ten die mehr­fa­che Men­ge an Roh­ma­te­ri­al. Es ist extrem wich­tig sich für die Kura­tie­rung exter­ne Unter­stüt­zung zu holen. Stich­wort: Betriebsblindheit. 

Das ers­te Ziel soll­te erst mal sein Ord­nung und Über­sicht zu schaf­fen. Das viel­leicht vor­lie­gen­de Bil­der­cha­os grob zu struk­tu­rie­ren und zu sortieren: 

Strategien um Bilder aus zu wählen

  1. Bil­der in einem klei­ne­ren For­mat (zB. 9x13cm oder 13x18cm) aus­dru­cken und auslegen.
  2. Die abso­lu­ten Top Lieb­lings­bil­der iden­ti­fi­zie­ren, die unbe­dingt rein müssen.
  3. Kern­bil­der identifizieren.
  4. Clus­ter ähn­li­cher Foto­gra­fien bil­den. Das stärks­te aus­wäh­len. So ver­mei­det man Wiederholungen.
  5. Clus­ter von Bil­der­ar­ten legen, um her­aus­zu­fin­den was die Sto­ry sein könn­te, und was viel­leicht nicht hin­ein gehört und die Sto­ry zerstört. 
  6. “Lis­ten to the pho­to­graphs” — Was sagen die Bil­der? Viel­leicht ergibt sich eine ganz ande­re Geschich­te als du geplant hast.
  7. Bil­der iden­ti­fi­zie­ren, die die Sto­ry unter­stüt­zen, ergän­zen und stärken.
  8. Bei jedem Bild über­le­gen was es neu­es zur Geschich­te hinzufügt.
  9. Anfan­gen klei­ne Sequen­zen zu legen…
  10. Schau­en ob sich die­se Sequen­zen ver­bin­den lassen.
  11. “Kill your Dar­lings” beach­ten, auch wenn es weh tut…
  12. …repeat…

Schau­en was auf dem Tisch liegt, und ver­schie­de­ne Ebe­nen iden­ti­fi­zie­ren. Zum Beispiel: 

  • Men­schen
  • Objekt­haf­tes
  • Auf­lö­sen­des abstraktes
  • Sze­ni­sches
  • Stil­le­ben

Das gan­ze ist also ein krea­ti­ver Prozess: 

  • Das Edi­t­ing beruht auf intui­ti­ven Prozessen
  • Es muss sich erst mal nichts logisch erklären
  • Wech­sel von spon­ta­ner Intui­ti­on und bewuss­ter Konzeption
  • Das braucht eini­ges an Erfahrung.…

Du darfst ger­ne dei­ner Intui­ti­on fol­gen, es ist aber hilf­reich die fol­gen­den Regeln im Hin­ter­kopf zu haben: 

Struktur um die Bilder in eine Form zu bringen

Dabei habe ich ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten die Bil­der zu sequenzieren: 

  1. Ein­fach zu komplex
  2. Chro­no­lo­gisch, oder durcheinander
  3. Dop­pel­bil­der bil­den / pla­nen (ver­dich­ten)
  4. Ergän­zen oder kontrastieren
  5. Bild im Bild, oder alleine
  6. Kom­ple­xe Bil­der allei­ne (Bei kom­plex neben ein­fach sucht sich der Betrach­ter immer die ein­fachs­te Lösung, das kom­ple­xe Bild geht unter)

Kon­zep­te um Bil­der gegen­über zu stellen: 

  • Kon­trast, Gegenteil
  • Har­mo­nie­ren, Wiederholung

Die Dop­pel­sei­te ergibt ein Gesamt­bild, oder eine Fort­set­zung, oft auch bei­des. Zu „dich­te Bil­der“ bes­ser allei­ne stel­len (zB. Bild im Bild, Dop­pel­bil­der). Bei Foto­gra­fien inter­es­sie­ren drei Ebenen: 

  1. Inno­va­ti­ver Gehalt
  2. Emo­tio­na­ler, per­sön­li­cher Gehalt
  3. Bild­ge­stal­tung
  1. Visu­el­le Kraft
  2. Erzäh­le­risch
  3. Emo­tio­nal

Min­des­tens einer der Punkt soll­te erfüllt sein, damit das Bild in den Band darf. Wer­den alle Punk­te erfüllt, um so über­zeu­gen­der

Edit der kompletten Bildband Story

  • Eine Gesamt­form bilden.
  • Zusam­men­halt, ohne lang­wei­lig und ein­tö­nig zu werden.
  • Vom Beson­de­ren zum Allgemeinen.
  • Auf ne Poin­te hin arbeiten.
  • Rein visu­ell… Kame­ra­fahrt anstre­ben (nah dran und weit weg…).
  • Ver­schie­de­ne Bau­for­men der Bil­der, wenns geht.
  • Radi­ka­le Per­spek­tiv­Wech­sel funk­tio­nie­ren meist nicht.
  • Abwechs­lung in der Farbigkeit.
  • Still­le­ben mit Por­traits und Land­schaf­ten abwechseln.
  • Auf­ge­räumt mit nicht aufgeräumt. 
  • The­ma­ti­sche Abwechslung.
  • Kapi­tel bil­den — aber bit­te nicht ein­fach glei­che Bil­der zusam­men packen!
  • Bil­der atmen las­sen — Freiräume.
  • Gro­ße Sei­ten Voll­bild, zum reinspringen.
  • Büh­nen­haf­te Bil­der gern mit Rahmen.
  • Anfang und Schluss.
  • Mit einem star­ken Bild anfangen.
  • Cliff­han­ger am Ende.
Man neigt immer dazu glei­ches und ähn­li­ches zusam­men fas­sen zu wol­len. Das ist eine der gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen bei der Zusam­men­stel­lung von Bil­dern und dem Edit von Büchern… das gilt es mög­lichst zu ver­mei­den. Zum Bei­spiel: Ähn­li­che Bil­der ein­fach in Kapi­teln zusam­men fas­sen (das bit­te gar nicht tun), oder auf Dop­pel­sei­ten zu prä­sen­tie­ren (das ent­we­der gar nicht, oder bit­te gezielt und sel­ten machen) 

Texte im Bildband

  • Die Rei­hen­fol­ge von Text und Bild ist wichtig.
  • Zu viel Text neben dem Bild: Das Bild wird zur illus­tra­ti­on des Textes.
  • Tex­te und Bil­der schwä­chen sich, wenn der Text nicht das wider­spie­gelt was ich auf den Bil­dern sehe.
  • Viel­leicht eher kur­ze State­ments / Zitate, 
  • …oder den Text in den Anhang, viel­leicht sogar zum aus­klap­pen damit er beim Blät­tern sicht­bar ist.

Gestalten des Buches

Das Lay­out bzw. die Gestal­tung des Buches schafft eine eige­ne Wahr­neh­mung. Gute Bil­der allei­ne machen noch kein gutes Buch. Es soll eine hap­ti­sche Qua­li­tät haben, so das man es ger­ne anfasst und dar­in blät­tert. Alle gestal­te­ri­schen Ent­schei­dun­gen soll­ten die Sto­ry des Buches unterstützen. 

  • Kon­se­quent und ent­schie­den im Layout.
  • Nicht zu vie­le Sei­ten-Lay­out Varianten.
  • In das Lay­out soll­te auch eine Struk­tur rein.

Das Bildband Format festlegen

  • Hoch­for­mat — ist “dich­ter”.
  • Quer­for­mat — hat mehr Raum.
  • Qua­drat — der Allrounder.
  • Sei­ten­ver­hält­nis.
  • Grö­ße.

Papier und Bindung

Hier gibt es eini­ges zu entscheiden: 

  • Matt, glän­zend, oder seidenmatt.
  • Ober­flä­chen­be­schaf­fen­heit / Struk­tur des Papiers.
  • Papier­ge­wicht.
  • Umschlag, oder bedruck­tes Cover, gepräg­te Buchdeckel,…
  • Die Hap­tik ist wich­tig. Das Buch muss sich gut anfas­sen und blät­tern lassen.

Layout erstellen

  • Ein Lay­out-Ras­ter machen.
  • Ein schwar­zer Hin­ter­grund braucht Raum, ver­stärkt die Farben.
  • Sub­jek­ti­ver Blick ohne Rand, saugt einen rein, beson­ders bei Bild über Doppelseite.
  • Auf einer Dop­pel­sei­te schafft ein wei­ßer Abstand zwi­schen zwei Bil­dern eige­ne Bild­räu­me bzw. trennt die­se. Die Bil­der bil­den dann kei­ne Einheit. 
  • Die ande­ren ger­ne mit Rand bzw. Passepartouts.
  • Ein Rah­men um ein Bild schafft Distanz.
  • Weiß als Hin­ter­grund kommt recht aggres­siv rüber.

Typografie im Bildband

Wel­che Schrift­art, Schrift­grö­ße, Zei­len­ab­stand, Far­be,… ver­wen­de ich. Das vol­le Programm… 

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